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Zählgemeinschaft will die große Lösung

Brückensanierung Zählgemeinschaft will die große Lösung

Sollte die zur „unendlichen Geschichte“ gewordene Diskussion um die Sanierung der Bentreff-Brücke in Wohra vor einem Ende stehen? Es gibt eine klare Empfehlung des Bauausschusses.

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Die Brücke über die Bentreff ist seit fast zwei Jahren für Fahrzeuge gesperrt. Sie gilt als baufällig.

Quelle: Michael Rinde

Wohra. Seit genau 23. Dezember 2014 ist die sanierungsbedürftige Brücke in der Gemündener Straße für die Durchfahrt von Fahrzeugen komplett gesperrt. Die Diskussion über den Zeitpunkt und den Umfang der Sanierung währt schon länger. Am Mittwochabend diskutierte der Bauausschuss des Gemeindeparlaments fast zwei Stunden lang über eine „kleine oder große Lösung“. Naturgemäß ging es dabei vordergründig vor allem um das Geld.

Für Planer Dr. Marc Böttcher war es mittlerweile das dritte Mal, dass er Planungsvarianten erläuterte. Die ursprüngliche, sogar schon einmal ausgeschriebene Version sieht eine Komplettsanierung des Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert vor. Die Rundbogenbrücke ist denkmalgeschützt, sie wurde in den 1970er-Jahren wohl schon einmal saniert. Das hatten Anlieger berichtet, Unterlagen haben sich laut Böttcher darüber keine gefunden. Der Zustand der Brücke dürfte sich eher weiter verschlechtert haben, erklärte der Experte. Der Gemeindevorstand hatte vor der Kommunalwahl die Variante ins Spiel gebracht, die Brücke in kleinerem Umfang zu sanieren. Dann wäre sie zumindest als Fußgänger- und Radfahrerbrücke wieder nutzbar. Dazu muss die Brücke vor allem von der Fahrbahnseite her abgedichtet werden, die Brüstung wird gereinigt, mit Ankern wird der Gesamthalt der Brücke verbessert. Kostenpunkt: rund 100000 Euro.

Um die Tragfähigkeit der Brücke, die einst einmal für Fuhrwerke konstruiert wurde, zu erhöhen, muss einiges mehr passieren. Im Prinzip wird das aufliegende Bauwerk samt Fahrbahn dabei komplett ausgeräumt, alle Brüstungselemente werden abgenommen. Unter der Brücke müssen später die teils durch Salz und Feuchtigkeit beschädigten Sandsteine gereinigt und neu verfugt werden. „Es ist massives Arbeiten nötig“, sagte Böttcher. Konstruktionsbedingt wird die Fahrbahn nach der Sanierung etwa 35 Zentimeter höher liegen.

„Mondpreise“ bei erster Ausschreibung

Das Ingenieurbüro aus Wetter hatte die Kostenkalkulation für die Komplettsanierung noch einmal aktualisiert. Sie liegt jetzt bei rund 250000 Euro. Hinzu kommen Nebenkosten, die Durchführungsplanung hatte die Gemeinde bereits bezahlt.Die erste Ausschreibung hatte die Gemeinde aufgehoben, da das einzige Angebot deutlich über den Kalkulationen gelegen hatte. Während der Sitzung fiel das Wort „Mondpreise“.

In der Ausschuss-Sitzung ging es nun um die Auswahl der Variante, zumal Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) für die Verwaltung auf eine Entscheidung drängte. Die Zählgemeinschaft aus CDU und Offener Liste Wohratal (OLW) hatte in einem Änderungsantrag die Komplettsanierung gefordert. Dabei blieb die nach der Wahl erneut aufgelegte Zählgemeinschaft auch am Mittwochabend. Ihre Entscheidung fiel nach einer Sitzungsunterbrechung. „Alles war schon einmal auf dem richtigen Weg“, erklärte Dr. Gerhard Willmund (CDU) unter Verweis auf die schon einmal erfolgte Ausschreibung. Harald Homberger (OLW) argumentierte zum einen mit der Infrastruktur, in die Wohratal investieren müsse, die Brücke dürfe nicht das erste „Sparopfer“ werden. Und er blickt auf die weitere Entwicklung der Flächen jenseits der Brücke, aktuell im Besitz eines Landwirtes.

Ganz anders sahen das Ingo Neurath und Willi Schollmeier von der SPD. In ihren Augen gibt es mit Blick auf die weiteren Investitionen in der Gemeinde „echte Bauchschmerzen“. Neurath nannte exemplarisch die Kanalisation, die auf ihre Unwettertauglichkeit untersucht wird (die OP berichtete) - und auch überfällige Straßensanierungen. „Vielleicht fehlt uns das Geld noch mal“, warf er ein.

Das Ausschuss-Votum fiel entsprechend aus: Die vier Vertreter der Zählgemeinschaft stimmten für die große, die SPD-Vertreter für die kleine Version. Diese Entscheidung muss nun in der Sitzung des Gemeindeparlaments am 20. Dezember noch einmal bestätigt werden.

Planer Marc Böttcher gab nach der Abstimmung aber auch noch etwas zu bedenken: Dass es nach der Ausschreibung bei dem genannten Betrag bleibt, ist - auch angesichts der Hochkonjunktur in der Bauindustrie - offen. Und Überraschungen sind bei allen vorgenommenen bisherigen Erkundungen immer noch möglich. „Wenn wir die Sanierung begonnen haben, lässt sie sich nicht mehr abbrechen“, betonte Böttcher.

von Michael Rinde

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