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Was die Pflanzen über das Klima verraten

Auszeichnung für Ehrenamt Was die Pflanzen über das Klima verraten

Dass es ein solches Ehrenamt gibt, dürfte vielen nicht bekannt sein: Heinz Fritz Winkler ist jetzt für seine jahrzehntelange Arbeit als phänologischer Beobachter des Deutschen Wetterdienstes ausgezeichnet worden.

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Hohe Ehre für Heinz Fritz Winkler (Zweiter von links): Er wurde von Wolfgang Jansen (links) mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Mit ihm freuen sich Ehefrau Marie-Luise und Bürgermeister Peter Hartmann.

Quelle: Karin Waldhüter

Halsdorf. Heinz Fritz Winkler aus Halsdorf, Oberförster i.R und 72 Jahre alt, beobachtet seit über 40 Jahren in Gut Plausdorf die Pflanzenentwicklung für den Deutschen Wetterdienst (DWD). Für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit ist Winkler vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Ehrenurkunde in Anerkennung seiner wertvollen Mitarbeit und besonderen Leistungen für die Meteorologie verliehen worden.

In der Gemeindeverwaltung Wohratal überreichte ihm Wolfgang Jansen von der Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach diese besondere Auszeichnung während einer kleinen Feierstunde. Heinz Fritz Winkler zählt zu dem Beobachtungsnetz des DWD mit etwa 1200 ehrenamtlichen Beobachtern, die die Entwicklung von wildwachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen im Jahresablauf beobachten und an den DWD melden.

Zusammen mit den 45 hauptamtlichen Stationen des DWD wird dadurch unter anderem die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sichergestellt. Seit 1977 arbeitet Heinz Fritz Winkler als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst im Gut Plausdorf.

„In diesem langen Zeitraum hat er mit viel Idealismus und Engagement 2352 Beobachtungsdaten notiert und an den Wetterdienst gemeldet“, so Jansen. Dies beginne mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und endet mit dem Nadelfall der Lärche im Spätherbst, erläuterte Wolfgang Jansen. Das phänologische Beobachtungsprogramm umfasst 48 verschiedene Pflanzen. Insgesamt können in einem Jahr 168 Beobachtungen notiert und zum Jahresende an den DWD geschickt werden.

"Ich würde gerne noch weitermachen"

Bürgermeister Peter Hartmann gratulierte im Namen der Gemeinde Wohratal, dankte für das große ehrenamtliche Engagement und überreichte einen Präsentkorb. „Ich bin gerne draußen in der Natur und würde gerne noch ein paar Jahre weitermachen“, erklärte Winkler. Er hob hervor, dass ihm die Arbeit immer Spaß gemacht habe und er mit einer solchen Auszeichnung nicht gerechnet habe.

Seine Ehefrau Marie-Luise habe damals im Radio gehört, dass der Deutsche Wetterdienst nach ehrenamtlichen Helfern suche. Sie habe ihn auf diese Aufgabe aufmerksam gemacht und des Öfteren auf seinen Wegen begleitet, sagte der Geehrte.

Da die Entwicklung der Pflanzen maßgeblich vom Klima gesteuert werde, ließen sich Klimaveränderungen anhand langer Datenreihen sehr gut erkennen, so Jansen. „Die Vegetationsperiode fängt im Frühjahr früher an und hat sich verlängert, was für Landwirte nicht von Nachteil sein muss“, erläuterte Jansen. So beginne der Frühling seit Ende der 80er-Jahre häufig früher und die Winter würden wärmer, was man auch an den von Heinz Fritz Winkler beobachteten Daten sehen könne.

Hintergrund: Neben der Klimaforschung profitiert die Landwirtschaft von den phänologischen Beobachtungen. So werden mithilfe phänologischer Daten Modelle entwickelt, die den Verlauf von Pilzerkrankungen und -schädlingen vorhersagen.

von Karin Waldhüter

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