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Wo die Natur von Bauprojekten profitiert

Umweltschutz Wo die Natur von Bauprojekten profitiert

Ohne Ehrenamtler geht nichts. Dies stellte Vizelandrat Marian Zachow heraus, während er drei Naturschutzprojekte in Neustadt begutachtete, in die der Landkreis Geld gesteckt hatte.

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Heinz Westphal (rechts) und sein schottisches Hochlandrind zogen auf den „Hienerswiesen“ bei Neustadt die Blicke auf sich.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. „Im Naturschutz braucht man ein breites Netzwerk“, betonte Marian Zachow an einem neuen Biotop in der Nähe der Mengsberger Eisermühle und freute sich über die Kooperation von Landkreis, Kommune, Ortsbeirat und vor allem dem Heimat- und Verschönerungsverein als treibende Kraft. Das flache, nahe eines Bachs gelegene Gewässer soll verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einen neuen Lebensraum bieten, betonte Burkhard Stern, der zweite Vorsitzende des Vereins, als er das Projekt dem Ersten Kreisbeigeordneten vorstellte. Vor allem aber sei es ein weiterer wichtiger Baustein in der Umweltbildung, die im „Golddorf“ am östlichen Rande des Landkreises eine große Rolle spielt: Naturlehrpfad, Baum-des-Jahres-Gatter und Streuobstwiese sind drei Beispiele, die den Mengsberger Kindern und Jugendlichen die Bedeutung der Natur näherbringen soll. Nun können sie auch noch einen Einblick in den Lebensraum Wasser bekommen -und das bald sogar im wahrsten Sinne des Wortes, wenn der Heimat- und Verschönerungsverein die Pläne für ein „Teichfenster“ umgesetzt hat (die OP berichtete ausführlich).

„Solche Projekte lassen sich nur mit aktiven Leuten vor Ort umsetzen“, kommentierte Petra Schöck von der Unteren Naturschutzbehörde. Sie stellte heraus, dass viele „kleine Bausteine“ für das „große Ganze“ notwendig seien. Zachow ergänzte noch einmal, dass das Biotop eine wichtige ökologische Funktion habe - aber eben auch für ein „gedankliches Umparken“ sorgen soll: „Wenn die Menschen die Natur direkt erleben und sehen, wie Kreisläufe funktionieren, dann wird das Bewusstsein geschärft. Natur ist dann nicht mehr nur ein abstrakter Begriff, sondern erlebbar - wir müssen dies ein Stück weit pädagogisch nutzen“, erinnerte er an die Bedeutung der Umweltbildung.

Diese schreibt sich auch die Umwelt- und Naturschutzgruppe im Nachbardorf auf die Fahnen. Die Momberger haben unter anderem einen Naturlehrgarten gestaltet und bieten immer wieder Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen an. Außerhalb des Dorfes hat der Bund für Umwelt und Naturschutz vor einigen Jahren eine Obstwiese geschaffen, die dieser zusammen mit der Umweltgruppe betreut.

Am Rand der Obstwiese wurde nun eine Feldhecke angelegt - die zum Schutz vor Verbiss noch mindestens anderthalb Jahre durch einen Zaun umgeben ist. Eine Feldhecke sei ein Lebensraum für Vögel und Reptilien, betonte Uwe Krüger von der Unteren Naturschutzbehörde, woraufhin Umweltschutzgruppenmitglied Wilfried Huber einen Blick in die Vergangenheit warf: Früher habe es rund um Momberg im Feld eine Vielzahl an Rebhühnern und Wachteln gegeben. Diese fraßen unter anderem Zecken. Erst seitdem das Federvieh nahezu von der Bildfläche verschwunden ist, gebe es die Zeckenplagen. Insofern sei die Hecke ein erster Schritt in die richtige Richtung, weil zumindest wieder mehr Lebensraum für die Vögel geschaffen werde, resümierte Huber, ehe er Michael Krieger, der treibenden Kraft der Umweltschutzgruppe, großes Lob für sein herausragendes Engagement für die Natur und die Vermittlung entsprechenden Wissens zur Thematik aussprach. Neustadts ­Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg ergänzte, es wäre wichtig, auch in der Kernstadt den Kindern und Jugendlichen mehr Wissen zur Natur zu vermitteln. Die Stadt jedenfalls setzt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf den Naturschutz und plant rund 160000 Euro für das Thema ein (natürlich mit jeder Menge Fördergeldern).

Das dritte Projekt, dem Zachow einen Besuch abstattete, ist in den „Hienerswiesen“ zwischen Neustadt und Stadtallendorf angesiedelt. Dort hatte der Landkreis vor einigen Jahren Flächen für den Naturschutz erworben, die einige Landwirte nutzen. Der Bund betreut dort kleinere Gewässer. Landwirt Clemens Gies möchte noch eine Blumenwiese anlegen, um das Nahrungsangebot für Insekten zu verbessern. Neu im Bunde ist Heinz Westphal, der schottische Hochlandrinder die Flächen beackern lässt (allerdings erst wieder ab Ende April). „Durch diese traditionelle Nutzungsform der Feuchtwiese wird die Artenvielfalt gefördert. Durch die Beweidung mit Rindern wird verhindert, dass Büsche auf dieser Fläche groß werden können“, erläuterte­ ­Petra Schöck.

Der Landkreis hatte Westphals zertifiziertem Biobetrieb eine mobile Zaunanlage finanziert und zudem eine Furt angelegt, damit die Landwirte die Flächen besser erreichen können. Das Geld für die Projekte - an deren Kosten sich die „Umsetzer“ mit 20 Prozent (oftmals durch Eigenleistung) beteiligen - stammt aus Landesmitteln, die der Kreis verwaltet. Es handelt sich um „naturschutzrechtliche Ersatzgelder“, die früher als „Ausgleichsabgaben“ bekannt waren. Das heißt: Der Bau einer Straße bedeutet fast immer einen Eingriff in die Natur. Um dem Naturschutz Rechnung zu tragen, wird für solche Eingriffe ein Ausgleich fällig. Das Geld ist also zwingend für den Naturschutz einzusetzen. „Trotz aller Modernisierung und Baumaßnahmen müssen wir im Einklang mit der Natur leben“, hob Zachow hervor. Um wichtige und sichtbare Beiträge zum Naturschutz zu leisten, seien lokale Akteure unverzichtbar, resümierte der Erste Kreisbeigeordnete und warf einen Blick nach vorne: Er kündigte an, dass der Landkreis beispielsweise in Sachen Umweltbildung Angebot und Nachfrage näher zusammenbringen will und daher eine Vernetzungswoche plane.

von Florian Lerchbacher

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