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„Wir warten nicht, bis wir ruiniert sind“

Milchbauern „Wir warten nicht, bis wir ruiniert sind“

„Wenn nichts geändert wird, ist kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht.“ Dieses Fazit zog Romuald Schaber, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Freitag.

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Mit ernster Miene verfolgten rund 150 Bauern die Ausführungen des BDM-Bundesvorsitzenden in Schwabendorf.

Quelle: Christina Muth

Schwabendorf. Schaber war Hauptredner der Versammlung, an der mehr als 150 Milchbauern teilnahmen. Mit ernster Miene verfolgten sie Schabers Vortrag zur aktuellen Situation und der Zukunft der Milchviehhalter. Schaber ist zugleich Vorsitzender des Europäischen Milchboards (EMB) und gab einen Überblick über den Milchmarkt in Europa. „Auch in anderen Länder stehen die Milchviehhalter mit dem Rücken zur Wand.“

Bis auf einige südeuropäische Länder sowie Finnland – dort beträgt der Milchpreis rund 30 Cent pro Liter – würden in den übrigen Ländern Europas zwischen 18 und 24 Cent bezahlt. „Die von der EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel angekündigten Maßnahmen haben nicht geholfen, die Liberalisierung des europäischen Milchmarktes ist gescheitert“, bilanzierte Schaber. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verlängerung der Interventionen bis 2010 bezeichnete der BDM-Bundesvorsitzende als „mutwilliges Verschleudern von Steuergeldern“.

Es gebe zwei Alternativen: Entweder werde der Milchpreis weiter gesenkt und die Betriebe verfallen, oder die Milchmenge werde reduziert und somit der Bestand der Betriebe gesichert. Dabei sei nicht, wie häufig angenommen, der Fortbestand kleiner Betriebe gefährdet, „es sind vielmehr die großen Betriebe vor allem im Norden und Osten des Landes betroffen, die in den vergangenen Jahren investiert haben und die jetzt ihre Kredite nicht mehr tilgen können.“

Für die Bauern sei es an der Zeit, nicht nur selbst aktiv zu werden, sondern „Verbündete zu suchen“ – angefangen von Vertretern der Lokalpolitik bis hin zu den entsprechenden Gremien im Bundestag. „Ich will tun, was ich tun kann“, erklärte Landrat Robert Fischbach, der die Schirmherrschaft für die Versammlung am Freitag übernommen hatte. Nicht nur der sinkende Milchpreis, auch der drohende Einstieg der Industrie in die Milchproduktion stellt eine Existenzgefährdung für die Milchbauern dar.

von Christina Muth

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Protest

Deutschlands Milchbauern verbünden sich mit ihren französischen Kollegen. Sie wollen streiken, so lange wie nötig. Im Landkreis haben seit Freitag geschätzte zehn Prozent der Erzeuger ihre Milchlieferungen gestoppt.

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