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"Wir müssen alte Traditionen nicht aufgeben"

Kirchspiel "Wir müssen alte Traditionen nicht aufgeben"

Nach anderthalb Jahren als Vertreter ist Michael Fenner nun endgültig Pfarrer des Kirchspiels Speckswinkel-Erksdorf. Trotzdem steht den ­Gemeinden eine unsichere Zukunft bevor.

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Pfarrer Gerhard Beyer (von links), Brigitte Schmidt vom Kirchenvorstand Speckswinkel, Dekan Hermann Köhler und Christa Karlein vom Kirchenvorstand Erksdorf führten Michael Fenner in sein Amt als Pfarrer des Kirchspiels ein. Foto: Yanik Schick

Speckswinkel. Als Michael Fenner vor dem Altar der Speckswinkeler Kirche stand und predigte, da war für die Gemeindemitglieder alles wie an den vielen Sonntagen zuvor. Sie hörten einen motivierten Mann, der Mut machte für die doch sehr unsichere Zukunft des Kirchspiels Speckswinkel-Erksdorf. Routine hat Fenner damit schon, denn seit anderthalb Jahren hält er die Gottesdienste in den beiden evangelischen Dörfern. Und trotzdem begleitete den 58-Jährigen genau bei dieser Predigt ein Gefühl, das neu für ihn war: „Ich bin jetzt richtig angekommen“, sagte er beinahe genussvoll. Minuten zuvor war der bisherige Vakanz-Vertreter von Dekan Hermann Köhler feierlich zum Pfarrer auf Lebenszeit ernannt worden.

Der Dekan erklärte in diesem Zug auch, warum sich die Lösungssuche nach dem Abschied von Pfarrer Till Anders Follmann im Januar 2014 derart lange hingezogen hat. „Die Gemeinden Erksdorf und Speckswinkel sind einfach zu klein für eine eigene Pfarrstelle“, gestand Köhler. Erksdorf zählt aktuell 607 Gemeindemitglieder, Speckswinkel sogar nur 359. Die vergangenen beiden Jahre seien laut Köhler also eine „anstrengende Zeit“ gewesen, in der die Kirchenvorstände der beiden Dörfer einen Schritt auf die Stadtallendorfer Gemeinde zugehen mussten, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu beraten.

Das Ergebnis: bei den Protestanten in der zweitgrößten Stadt des Landkreises kam es zu einer Neuorganisation - aus bisher zwei Pfarrbezirken wurden drei (die OP berichtete). So ist Pfarrer Fenner künftig neben seiner Tätigkeit im Kirchspiel Speckswinkel-Erksdorf mit einem „gemeindlichen Zusatzauftrag“ auch für einen Bezirk in Stadtallendorf zuständig, wodurch die dortigen Seelsorger Thomas Peters und Svenja Neumann entlastet werden. All das hört sich zunächst einmal recht gut an, doch eine endgültige Lösung ist angesichts sinkender Mitgliedszahlen sowie Zuschüssen der Landeskirche Kurhessen-Waldeck wohl noch nicht gefunden.

Gänzliche Fusion möglich

„Die Grundsatzfrage ist, wie eng die Zusammenarbeit mit Stadtallendorf noch werden wird“, sagte Pfarrer Fenner. Es sei sogar vorstellbar, dass es zu einer gänzlichen Fusion der Gemeinden kommen könnte. Im Laufe des kommenden Jahres rechnet er mit einer Entscheidung der Landeskirche.

Unmittelbar nach seiner Einführung betonte Fenner deshalb gegenüber den Menschen in der Kirche, es sei wichtig, den Schritt in die unsichere Zukunft gemeinsam zu wagen. Auch wenn das mutige Aufbrechen ins Ungewisse „so gar nicht mein Ding“ sei, bleibe ihnen dieser Prozess nicht erspart. „Wir müssen alte Traditionen nicht aufgeben, nur weil etwas Neues auf uns zukommt“, meinte er.

Nicht nur wegen dieser Einstellung war Dekan Köhler davon überzeugt, in Fenner den richtigen Mann für das schwierige Amt gefunden zu haben: „Es ist seine Stärke, Gottesdienste so liebevoll vorzubereiten, dass Jung und Alt angesprochen werden“, hob er heraus.

von Yanik Schick

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