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„Wir haben direkt in den Lauf der Pistole geschaut“

Aus dem Amtsgericht „Wir haben direkt in den Lauf der Pistole geschaut“

Weil er unter anderem mit einer Schreckschusspistole auf zwei Polizisten zielte, fand sich ein 31-Jähriger auf der Anklagebank wieder.

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Ein gestelltes Foto: An der Haustür eines Ruhestörers blickten Polizisten in den Lauf einer Pistole. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain/ Neustadt. „Ich werde nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken“, versprach der geständige Angeklagte vor dem Kirchhainer Amtsgericht und zog damit die Konsequenzen aus den Vorfällen des 26. September 2012, die ihm eine Verurteilung wegen Nötigung und Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen à 30 Euro einbrachten.

Damals hatten zwei Anrufer aus Neustadt gegen zwei Uhr in der Nacht die Polizei verständigt, da aus der Nachbarswohnung laute Musik zu hören war, die die Anwohner belästigte. Nur kurze Zeit nach dem Eintreffen der Polizeistreife soll der alkoholisierte Angeklagte eine Polizeibeamtin und deren Kollegen vor dem Haus mit den Worten „Fickt Euch“ beleidigt und sich gegen eine Festnahme gewehrt haben. Eine zweite unbekannte Person, mit der der 31-Jährige während der Nacht zusammen in der Wohnung feierte, zog den Mann zurück in das Haus. Laut Anklageschrift erschien der Mann wenig später an der einen Spalt weit geöffneten Haustür, richtete eine silberfarbene Pistole auf die Beamten und drückte zweimal ab. Das Magazin war glücklicherweise leer. Dass der Angreifer mit einer Schreckschusspistole hantierte, war für die Polizisten nicht erkennbar.

Mit einer Waffe erscheint er an der Tür

Er sei nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen, betonte der Beschuldigte. Normalerweise trinke er keinen Schnaps, an jenem Abend habe sein Bekannter jedoch den hochprozentigen Alkohol mitgebracht. Der 31-Jährige selbst bezeichnete seinen Zustand als komatös.

Schon vor dem Haus hatten die Polizisten dem Angeklagten ein an dessen Gürtel befestigtes Rettungsmesser abgenommen. Dem deutlichen Hinweis der Polizei folgend, er möge doch bitte die Musik leiser drehen, ging der Angeklagte in seine Wohnung zurück. Dort habe er sich wegen des Messers so geärgert, dass er den Beamten seine Schreckschusswaffe „auch noch schenken wollte.“ Er habe sich in dieser Situation benommen „wie ein kleines Kind, dem man die Süßigkeiten weggenommen hat“, gab er an.

Mit der Waffe in der ausgestreckten Hand habe er die Haustür geöffnete, worauf die vor der Tür stehenden Polizisten erschrocken zurückgewichen seien. Er habe daraufhin zweimal den Abzug betätigt, um zu demonstrieren, dass keinerlei Gefahr bestünde. „In dem Moment habe ich gemerkt, dass dies das Dümmste war, was ich tun konnte“. Vor Schreck sei er zurückgegangen und habe die Tür hinter sich zugeschlagen. Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug fasste zusammen: „Es hätte sehr viel passieren können. Auch zu ihren Ungunsten“.

„Wir haben direkt in den Lauf der Pistole geschaut“, erinnerte sich die Beamtin im Zeugenstand. Ihr Kollege fügte hinzu: „Dieser Vorfall hat uns mitgenommen. Wir hatten daran zu knabbern.“ Die Polizisten entschlossen sich, in der Nacht nicht mehr einzugreifen. Am folgenden Tag wurde die Wohnung des wegen Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vorbestraften Manns gestürmt.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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