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Windräder erhitzen in Erksdorf die Gemüter

energiewende Windräder erhitzen in Erksdorf die Gemüter

20 interessierte, teils sehr kritisch gestimmte Besucher kamen zur Erksdorfer Ortsbeiratssitzung gekommen, um etwas über das Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen zu erfahren.

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Seit einem Jahr umringen Windräder Teile von Erksdorf. Archivfoto: Lerchbacher

Erksdorf. Es war eine besondere Sitzung des Ortsbeirats, denn es waren rund 20 Besucher gekommen, was normal nicht üblich ist. Außerdem hatten alle, auch Besucher, jederzeit das Recht dem referierenden Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Fragen zu stellen und ihre Meinung dazulegen. Aufgrund der Diskussionen im Herbst zum Genehmigungsverfahren habe man versprochen darüber nochmals aufzuklären, sagte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi.

Der Diplomingenieur Bernd Wagner gehört im Regierungspräsidium zum Dezernat Immissionsschutz in der Abteilung Umwelt. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit den Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen und dabei besonders mit den Belastungen durch die Anlagen. So lautete sein Thema auch „Immissionsschutzrechliche Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen“.

Trotzdem sein Dezernat sich mit dem Lärm und Schattenwurf durch Windkraftanlagen beschäftigt, gab er zunächst allgemeine Erläuterungen zum Verlauf und dem Umfang eines Genehmigungsverfahrens. So erfuhren die Besucher beispielsweise, dass bis zu einer Höhe von 50 Metern eine Baugenehmigung ausreicht und darüber eine besondere Genehmigung erforderlich sei, also auch bei Windkraftanlagen. Die Zuhörer erfuhren auch, dass die 1000-Meter-Grenze zum Ortsrand bei der Standort-Festlegung nur eine Handlungsempfehlung ist.

Allerdings seien im Entwurf des neuen Teilregionalplans die 1000-Meter-Grenze festgelegt. Das Genehmigungsverfahren laufe ohne die Beteiligung der Öffentlichkeit, erklärte Wagner, Den Gemeinden seien auch enge Grenzen gesetzt dagegen zu stimmen.

Dann ging der Fachmann auf seine Spezialgebiete Lärm und Schattenwurf ein. Im Genehmigungsgutachten ist zum Lärm zu lesen, dass die Immissionswerte als Gesamtbelastung aller einwirkenden Anlagen am Ortsrand von Erksdorf Leimeskaute, Buchenweg, Zum Sportplatz, Hans-Ludwig-Straße und An der Leimeskaute nachts 40 dB (A) nicht überschreiten dürfen. Dezibel (dB) ist die Maßeinheit für den Schalldruckpegel.

Als Nachtzeit gilt die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr. Bisher haben aber noch keine Messungen stattgefunden. In der Genehmigung sind nur Prognosewerte angegeben. Diese liegen in den genannten Straßen zwischen 37,4 und 39,7 dB(A). Auf die Schlagschatten eingehend erklärte Wagner: „Wenn Schlagschatten am Ortsrand von Erksdorf auftritt, sind die Windkraftanlagen so abzuschalten, dass folgende tatsächliche Immissionszeiten nicht überschritten werden, 30 Minuten pro Tag, 8 Stunden pro Kalenderjahr.“ Die Anlage schaltet bei Überschreiten der Werte automatisch ab. Der Vorgang wird laut Wagner für spätere Nachweise aufgezeichnet.

Die Bürger hatten zu beiden Themen einige Nachfragen. Teilweise wurde dem Unmut Luft gemacht. Einige Beispiele: Das Sportheim dürfe nicht aufgestockt werden wegen der Einflugschneise der Vögel aber 100 Meter hohe Windkraftanlagen dürften gebaut werden, formulierte ein Zuhörer. Ein anderer Sitzungsbesucher meinte, die Stadt dürfe nur Ja zu Windkraftanlagen sagen, ein Nein werde nicht anerkannt. Allgemeines Unverständnis gab es darüber dass die an Erksdorf grenzenden Anlagen inzwischen ein Jahr in Betrieb sind und die Geräusche noch nicht gemessen worden seien.

„Mich erschreckt, dass mit den Messungen so lange gewartet wird“, betonte Erksdorfs Ortsvorsteher Helmut Schütz. Wagner erklärte, dass es noch viel länger dauern könnte, da für die Messungen ganz bestimmte Voraussetzungen besonders vom Wetter her erforderlich seien. Die Prognosen seien aus seiner Sicht allerdings schon recht zuverlässig.´

von Klaus Böttcher

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