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Windpark wegen Fledermaus nahe dem Aus

Stadtallendorf Windpark wegen Fledermaus nahe dem Aus

Die Nachricht schlug beim Projektentwickler „Eam Natur“ und in der Stadtverwaltung wie eine Bombe ein. Ganz aufgeben wollen die Beteiligten den geplanten Windpark am Hopfenberg zurzeit aber noch nicht.

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Die große Bartfledermaus, auch Brandtfledermaus genannt, gilt als sehr selten und steht unter besonderem Schutz.

Quelle: Herman Lankreijer

Stadtallendorf. Bis September sah alles gut aus auf dem Weg zur zentralen „BimSch“-Genehmigung für den geplanten Bürgerwindpark Hopfenberg bei Erksdorf. Die Partner Stadt und Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf hatten im Unternehmen Eam Natur GmbH einen Projektentwickler gefunden, der das Risiko für die Verwirklichung trägt. Doch dann die Überraschung: Zum Genehmigungsverfahren für einen Windpark gehört eine umfangreiche naturschutzfachliche Untersuchung. Dabei geht es um seltene Vogelarten wie auch um Fledermäuse.

Große Bartfledermäuse werden fünf Zentimeter lang

Letztere werden unter anderem in Netzen gefangen und dann mit Sendern versehen, um die Reviere zu erkunden. An zwei Tagen ging dabei ein Exemplar der „großen Bartfledermaus“ ins Netz. Diese Fledermaus gehört zur Gattung der Mausohren. Eine andere Art aus dieser Gattung, die „Kleine Bartfledermaus“, ist sehr verbreitet. Jene „Große Bartfledermaus“ ist aber sehr selten und besonders geschützt. Wobei das Wort „groß“ im Zusammenhang mit der Länge der Tiere relativ zu sehen ist. Große Bartfledermäuse werden in der Regel maximal fünf Zentimeter lang. So schreibt es die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Leider ließ sich die alles entscheidende Frage, ob sich eine sogenannte Wochenstube in der Nähe der bis zu sechs möglichen Windkraftanlagen befindet, nicht mehr klären. Eine Wochenstube wäre eine Baumhöhle, in der sich Jungen und Muttertiere versammeln. Im Umkreis von fünf Kilometern einer Wochenstube darf keine Windkraftanlage aufgestellt werden. Erst im Mai können jetzt weitere Untersuchungen folgen. Sollte sich ein solches Quartier in dem betroffenen Gebiet finden, wäre dies gleichbedeutend mit dem Aus.

RP verlangt weitere Untersuchungen

Das machte am Donnerstagabend ein Vertreter von Eam Natur deutlich, der im Bauausschuss über die Situation berichtete. Das Unternehmen hat bereits entsprechende Einschätzungen vom Regierungspräsidium Gießen als Genehmigungsbehörde erhalten. Angesichts der Tatsache, dass Eam Natur bereits eine größere Summe in das Vorhaben investiert hat, will das Unternehmen die weiteren Untersuchungen in jedem Falle noch vornehmen. Zumal die Möglichkeit bestehen könnte, dass es sich bei den gefangenen „Großen Bartfledermäusen“ um Ausflüger handelt.

Denn es gibt ein bekanntes Vorkommen dieser Tiere im Südwesten Stadtallendorfs. Auch die Stadt wird die Gespräche mit Grundbesitzern in der Gemarkung in jedem Falle weiterführen. Das alles passiert ein wenig in der Hoffnung, dass sich am Ende doch keine Wochenstube findet. Zwar gab es einen Hinweis auf ein solches Quartier, der letzte Beweis fehlt. Doch eines ist klar. Die Genehmigung für den Windpark wird es bei gutem Ausgang der Untersuchungen auf keinen Fall im nächsten Jahr mehr geben.

Optimismus war im Ausschuss nicht mehr zu spüren

Und das bedeutet, dass der Windpark sich den ab 2017 geltenden Regeln bei der Einspeisevergütung unterwerfen müsste. Nach einem Ausschreibungs- oder Versteigerungsverfahren werden Windstromkontingente vergeben, die Vergütungen fallen dann aller Voraussicht nach deutlich geringer aus. Die letzten Einzelheiten des künftigen Verfahrens stehen aber noch nicht fest. Es ist auch noch denkbar, dass der verbindliche Naturschutz-Leitfaden, der den Schutz regelt, noch Anpassungen vornimmt. Er wird zurzeit aktualisiert.

Doch viel Optimismus war in der Ausschuss-Sitzung am Donnerstag nicht mehr zu spüren. Dieter Erber fragte beispielsweise konkret nach dem Risiko, dass sich für Bürger durch eine geringere Einspeisevergütung ergeben könnte. Seitens der Stadtverwaltung wurde darauf verwiesen, dass dies erst geklärt werden könnte, wenn neue Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorliegen.

„Wir haben die Nachricht mit leichtem Erschrecken zur Kenntnis genommen. Das hat uns jetzt die Chance zur Weiterentwicklung entzogen“, kommentierte Bürgermeister Christian Somogyi (SPD).

von Michael Rinde

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