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Wie kamen 600 Gramm Gras ins Auto?

Gericht Wie kamen 600 Gramm Gras ins Auto?

"Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln" lautete der Anklagevorwurf gegen einen 21-Jährigen, der sich vor dem Jugendschöffengericht Marburg verantworten muss.

Stadtallendorf. Seinen Arbeitsplatz in Stadtallendorf erreicht er fußläufig. Deshalb hat ein 21-Jähriger nach eigenen Angaben keine Eile, seine Fahrerlaubnis wiederzuerlangen, die ihm am 13. April 2012 in Gießen entzogen wurde.

Der junge Mann war im Zuge einer Verkehrskontrolle auf Drogen getestet worden. Der Urintest und eine Blutentnahme ergaben einen hohen THC-Wert - ein Hinweis auf den Konsum von Cannabis. Doch damit nicht genug. Schwerer wog der Umstand, dass die Polizei im Auto des Mannes knapp 600 Gramm Marihuana entdeckte und sicherstellte. Ein Polizist, der in der Verhandlung vor dem Schöffengericht Marburg als Zeuge aussagte, verglich den Geruch dieser Drogenmenge mit dem „Schlag eines Vorschlaghammers vor den Kopf“.

Der Angeklagte will nichts gerochen haben. „Ich hatte Schnupfen, mir lief die Nase.“ Er gab zu, Cannabis konsumiert zu haben, stritt aber ab, der Besitzer der sichergestellten 595 Gramm Marihuana gewesen zu sein. Wie aber gelangte dieses in sein Auto? Der junge Mann lieferte folgende Erklärung ab: An besagtem Tag habe er einen Kumpel in einem Ortsteil von Buseck besucht. Die beiden hätten Hunger bekommen, sein Kumpel habe vorgeschlagen, nach Wettenberg zu fahren, um Pizza zu holen.

Dass die beiden wegen einer Pizza von Buseck bis Wettenberg fuhren (Entfernung: rund 15 Kilometer, der Angeklagte schätzte die Distanz auf sieben bis zehn Kilometer), erschien Richter Cai-Adrian Boesken merkwürdig. Der Angeklagte gab an, sich in der Gegend nicht auszukennen. Wahrscheinlich sei die Pizza in Wettenberg gut, so seine Erklärung.

In den Genuss der Pizza kamen er und sein Kumpel jedenfalls nicht mehr. Den weiteren Verlauf der Tour schilderte der Angeklagte folgendermaßen: Sein Kumpel sei in die Pizzeria gegangen, habe bestellt und sei zum Auto zurückgekommen. „Die Pizza braucht noch“, habe er gesagt und vorgeschlagen, in der Zwischenzeit nach Gießen zu fahren, um einen weiteren jungen Mann abzuholen. Einen, den der Angeklagte nach eigenen Angaben bis dato nicht kannte.

Gesagt, getan. Zu dritt seien sie dann von Gießen zurück nach Wettenberg gefahren - und dabei in die Verkehrskontrolle geraten. Die Fahrweise sei auffällig gewesen, sagten die beiden Polizisten, die die Verkehrskontrolle vorgenommen hatten.

„Mein Mandant hat nicht gewusst, dass sich Drogen in dem Auto befinden“, betonte die Verteidigerin des 21-Jährigen. Er selbst beteuerte: „Ich habe nicht gesehen, dass etwas in mein Auto geladen wurde.“ Für Richter Boesken ein Grund, genauer nachzufragen: „Sie haben nicht gemerkt, dass es im Auto barbarisch stank?“

Der Angeklagte verwies darauf, dass er verschnupft gewesen sei. Dies aber konnten die beiden Polizisten nicht bestätigen. Das Marihuana, verteilt auf sechs Beutel, befand sich in einem Rucksack, der hinter dem Fahrersitz lag. Der Rucksack gehörte dem jungen Mann, den der Angeklagte in Buseck besucht hatte. Der aber bestritt gegenüber den Polizisten, der Besitzer des Marihuanas zu sein - und nannte den Beamten die Handy-Nummer des angeblichen Besitzers: Eine Nummer, unter der es keinen Anschluss gab.

Vernommen werden konnte außer dem 21-Jährigen niemand. Sein Kumpel aus Buseck fehlte während der Verhandlung unentschuldigt, der in Gießen Zugestiegene hatte kurzfristig mit Verweis auf gesundheitliche Beschwerden abgesagt. Die beiden Männer sind aber auch bereits rechtskräftig verurteilt.

Fortgesetzt wird die Verhandlung am Montag. Dann erhofft sich das Gericht Klarheit in der Frage, inwieweit sich der 21-Jährige der Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln schuldig gemacht hat.

von Björn-Uwe Klein

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