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Wichtig ist der "Draht in die Heimat"

Afghanistan-Einsatz Wichtig ist der "Draht in die Heimat"

Hauptfeldwebel Dominik Schmitt, Leutnant Jens Bayer und Hauptmann Thomas Czada gehören zu den Stadtallendorfer Soldaten, die vor einer Versetzung nach Afghanistan stehen. Schmitt fliegt bereits in wenigen Tagen.

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Hauptfeldwebel Dominik Schmitt (von links), Leutnant Jens Bayer und Hauptmann Thomas Czada stehen neben einem Findling mit dem Wappen ihres Bataillons. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Aus Neustadt in die Nähe von Masar-i-Sharif in Afghanistan: Für Hauptfeldwebel Dominik Schmitt von der 3. Kompanie des Luftlande-Fernmeldebataillons Division Spezielle Operationen (DSO) beginnt sein erster Afghanis-taneinsatz an diesem Sonntag. Er weiß erst seit November davon, dass er an den Hindukusch verlegt wird. Schmitt springt für einen ursprünglich vorgesehenen Kameraden ein. Die Kurzfristigkeit ist für Schmitt was die Vorbereitung angeht, aber kein Problem. Er gehört zu einer Einheit, die in ständiger Bereitschaft für militärische Evakuierungsoperationen steht. Wie kam die plötzliche Nachricht vom Afghanistan-Einsatz in seinem Umfeld an? „Meine Freundin und ich haben vorher oft über das Thema Auslandseinsatz gesprochen. Natürlich ist es jetzt, wo der Einsatz kurz bevorsteht, nicht mehr ganz so einfach“, bekennt der 33 Jahre alte Neustädter. Im Einsatzland ist er dafür mitverantwortlich, dass die Kommunikation zwischen Stäben und ihren Einheiten funktioniert. Bei der 3. Kompanie in der Herrenwald-Kaserne ist Schmitt als Erkundungstruppführer eingeteilt.

Die Notwendigkeit eines Auslandseinsatzes gehört für Schmitt ebenso zum Beruf des Soldaten wie für Hauptmann Thomas Czada, Chef der 3. Kompanie und den Personaloffizier Leutnant Jens Bayer. Bayer und Schmitt waren schon im ehemaligen Jugoslawien im Einsatz, Schmitt sogar gleich zweimal. Für den Marburger Czada ist sein Afghanistaneinsatz eine persönliche Premiere. Bayer und Czada wissen seit etwa einem Jahr, dass für sie ein Auslandseinsatz ansteht. Sie alle haben ihre individuelle Einsatzvorbereitung durchlaufen - und haben sich zugleich privat auf die Zeit in Afghanistan einstimmen müssen. Schmitt und Czada werden sechs Monate am Hindukusch sein, Bayer drei.

"Man muss versuchen, das Beste daraus zu machen"

Jens Bayer hat in Kundus vergleichbare Aufgaben wie im Bataillon in Stadtallendorf, er ist ein Fachoffizier. Es geht um den Personaleinsatz vor Ort, um Organisatorisches wie zum Beispiel Flugbuchungen, Personalanforderungen, Beurteilungen oder darum, dass die Ablösung eines Bundeswehrkontingents sauber verläuft. Der 34-Jährige aus dem Vogelsberg ist verheiratet und hat zwei Kinder. Natürlich sei die Situation schwierig für die Familie. „Aber man muss versuchen, das Beste daraus zu machen“, betont er auf die Frage, wie er und seine Frau und die Kinder mit der anstehenden neuen Situation klarkommen.

Der ledige Thomas Czada übernimmt eine besondere Funktion. Er wird Adjutant des künftigen Kommandeurs für den nördlichen Abschnitt in Afghanistan, dem Einsatzgebiet der Bundeswehr seit 2003. Er sieht den Einsatz als eine persönliche Herausforderung für sich selbst. Als Kompaniechef, der Soldaten bestmöglich auf einen Einsatz vorbereiten muss, möchte Czada für sich feststellen, „ob ich selbst unter Einsatzbedingungen bestehen und Verantwortung übernehmen kann.“ Der Einsatz sei für ihn ein Teil des eigenen Berufsverständnisses, er gehöre zwangsläufig eben dazu.Vieles müssen die drei Soldaten allerdings privat geregelt haben, bevor sie in die Transall in Richtung Kundus steigen. Czada zählt beispielhaft einige Dinge auf, die er entscheiden musste: Wer bekommt eine Bankvollmacht, wer übernimmt sein Auto für die Zeit seiner Abwesenheit?

Anspannung in den ersten Wochen

Die Ausbildung in den zurückliegenden Monaten hat die Soldaten nach deren Empfinden „auf das Schlimmste“ vorbereitet, wie es Jens Bayer formuliert. Das Schlimmste sind für die Soldaten Kampfhandlungen oder am Straßenrand versteckte Sprengfallen, heimtückisch gelegte Bomben.

Alle drei Soldaten der DSO wissen, dass sie während der ersten Tage und Wochen in ihren jeweiligen Einsatzgebieten angespannter sein werden. Auch darauf haben sie versucht, sich schon einzustellen, so gut das eben möglich ist. Ein Verfallen in einschläfernde Routinen können sie sich allesamt nicht vorstellen. „Aber zunehmende Erfahrung schafft dann auch sicherlich mehr Ruhe“, sagt Czada. Er hatte die Möglichkeit bei einem Kurzaufenthalt in Kundus schon mehr über seine zukünftige Arbeit als Adjutant des kommandierenden Generals zu erfahren. „Ich weiß, was ich zu tun habe und was mich erwarten kann, ich weiß aber nicht genau, wie ich emotional reagieren werde. Ich fühle mich aber sehr gut vorbereitet“, sagt Czada jetzt, noch einige Monate vor seinem eigenen Einsatz.

Dominik Schmitt setzt aufgrund seiner vorhandenen Einsatzerfahrungen auf die Kameradschaft unter den Soldaten. Sie ist aus seiner Erfahrung heraus zwangsläufig viel intensiver als im Alltagsbetrieb am Standort.

20 Soldaten aus Stadtallendorfer Kaserne 2013 im Afghanista-Einsatz

Der Afghanistan-Einsatz der drei Soldaten aus der Herrenwald-Kaserne fällt in eine Zeit, in der die Bundeswehr ihr Kontingent Zug um Zug verkleinern wird, von aktuell 4600 Soldaten auf rund 3300 Anfang nächsten Jahres. Zugleich fällt der Division Spezielle Operationen in den nächsten sechs Monaten ein besonderer Auftrag zu: Sie ist sogenannter Leitverband (siehe Infokasten) für das Bundeswehrkontingent am Hindukusch. Etwa 20 Soldaten vom Luftlande-Fernmeldebataillon DSO aus Stadtallendorf sind in diesem Jahr bisher für Afghanistan-Einsätze vorgesehen. Verschiedene Verbände der DSO werden insgesamt 600 Soldaten bereitstellen.

Ändert sich für die Soldaten durch die Tatsache etwas, dass das deutsche Truppenkontingent Zug um Zug kleiner wird? „Nein, der Auftrag und die Gefahren bleiben dieselben“, fasst es Thomas Czada stellvertretend für alle drei Soldaten zusammen.

Alle drei erwähnen beim Gespräch mit der OP immer wieder, welche Bedeutung die Verbindung mit der Heimat für sie während ihrer Zeit in Afghanistan haben wird. Familienvater Jens Bayer unterteilt den Begriff Einsatz dabei ohnehin in drei Phasen: Vorbereitung, Einsatz und Nachbereitung. Die Möglichkeit grundsätzlich jederzeit Kontakt mit zu Hause zu haben ist für Jens Bayer sehr wichtig. „Denn ich will an den Problemen zu Hause auch teilhaben, bei der Lösung der Probleme helfen, auch wenn das natürlich ein schwieriger Spagat werden kann.“

Dominik Schmitt erlebt die Zeit vor dem Einsatz viel bewusster als sonst. Er war froh, dass er nicht bereits während der Feiertage in den Einsatz gehen musste, verbringt so viel Zeit wie möglich mit Familie, Freundin und Freunden.

von Michael Rinde

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