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Werdender Vater muss wegen Diebstahls ins Gefängnis

Amtsgericht Werdender Vater muss wegen Diebstahls ins Gefängnis

Es sei äußerst selten, dass er Ladendiebe zu Gefängnisstrafen verurteile, gab Richter Joachim Filmer einem 30-Jährigen mit auf den Weg, den selbst die Schwangerschaft der Freundin nicht vom Stehlen abgehalten hatte.

Kirchhain. Der angeklagte Stadtallendorfer flehte um Gnade und bot dem Gericht an, seine Strafe abzuarbeiten, doch Richter Joachim Filmer sah keine andere Möglichkeit, als den 30-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe zu verdonnern. Immer wieder war der Mann von verschiedenen Gerichten verurteilt worden: im Dezember 2011 wegen Diebstahls, am 14. März 2012 wegen Diebstahls, am 19. März 2012 wegen Diebstahls, im Juni 2012 wegen Diebstahls. Im September 2012 bekam der Mann vier Monate auf Bewährung - wegen Diebstahls, versuchten Diebstahls und gemeinschaftlichen Diebstahls. Und eben jene Verurteilung sei das Problem, betonte Filmer, schließlich sei die Bewährungszeit von drei Jahren noch lange nicht vorüber. Dabei ließ der Richter ein Urteil aus dem März, das noch nicht rechtskräftig ist, außen vor: Das Amtsgericht Gießen hatte den Stadtallendorfer zu acht Monaten Gefängnis verurteilt - wegen zweifachen Diebstahls und schweren Diebstahls.

Diesmal musste sich der 30-Jährige wegen Diebstahls in drei Fällen vor Gericht verantworten: Am 13. Februar hatte er in einem Stadtallendorfer Drogeriemarkt sechs Parfüms im Wert von insgesamt rund 125 Euro gestohlen, indem er die Waren aus der Verpackung nahm und sie unter seiner Kleidung versteckte. Fünf Tage später stahl er in einem Kirchhainer Geschäft zwei Jeanshosen im Wert von 40 Euro. Eine halbe Stunde später kehrte er an den Tatort zurück und erbeutete eine Trainingsjacke und ein Trikot im Wert von zusammen 15 Euro.

Der Angeklagte erklärte, er habe die Taten ausführen müssen. Er habe sich von zwei Brüdern aus Marburg 100 Euro geliehen. Als diese das Geld zurückverlangten, habe er die Summe nicht aufbringen können. Stattdessen „wollten sie Sachen haben“, berichtete er. Entsprechend sei er losgezogen und habe die Parfüms gestohlen. Und auch die Jeans wollte er weitergeben. „Das mag stimmen, ändert aber nichts an der strafrechtlichen Relevanz“, kommentierte der Oberamtsanwalt: „Sie haben gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen, daher kommt eine weitere Bewährungsstrafe nicht in Betracht.“ Daher forderte er eine Gesamthaftstrafe für die drei Taten von sechs Monaten.

Dies sah die Verteidigerin des Stadtallendorfers anders: Sie plädierte für zwei Monate auf Bewährung für die neuen Taten, weil ihr Mandant geständig sei und sich seine Lebensumstände geändert hätten: „Er wird Vater, daher können wir hoffen, dass er sich fängt.“ Der 30-Jährige unterstrich dies: „Ich tue das nie wieder. In zwei Monaten werde ich Vater. Meine Frau arbeitet und ich will mich um unser Kind kümmern.“

„Ich sehe keine Anhaltspunkte, warum ich die Strafe zur Bewährung aussetzen sollte“, entgegnete Richter Filmer. Weder Geld- noch Bewährungsstrafen hätten den Mann dazu animiert, sein Verhalten zu ändern. Und nicht einmal, als sich die Lebensumstände geändert hätten und seine Freundin schwanger war, hätte er mit dem Stehlen aufgehört: „Das ist klassisches Bewährungsversagen.“

Für den Stadtallendorfer spreche lediglich, dass er geständig sei - genauso wie bei seiner vorangegangenen Verhandlung: „Die Konsequenzen haben Sie selbst zu verantworten“, sagte Filmer, verwies auf die Häufigkeit der Taten und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Haft. Es sei selten, dass jemand wegen Diebstahls ins Gefängnis müsse, betonte er.

von Florian Lerchbacher

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