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"Wer aktiv ist, bleibt länger gesund - meistens"

Demenz "Wer aktiv ist, bleibt länger gesund - meistens"

Christina Stettin, Koordinationskraft der Bürgerhilfe und Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft, beantwortete im OP-Interview Fragen rund um das Thema Demenz.

Mardorf. OP: Was passiert bei einer Demenz-Erkrankung im Körper?

Christina Stettin: Durch den Verlust von Nervenzellen kommt es zu verschiedenen Krankheitszeichen, die allmählich die Alltagsfähigkeiten beeinträchtigen. Betroffen sind das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Orientierung, die Sprache, die Aufmerksamkeit und das Urteilsvermögen. Es kann auch zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen.

OP: Und was ist die Ursache?

Stettin: Die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit. Auch Gefäßerkrankungen und andere Ursachen können eine Demenz auslösen. Bei der Alzheimer-Krankheit sind die Ursachen bis heute unbekannt. Das Risiko steigt mit dem Lebensalter. Die Krankheit ist fortschreitend und dauert circa sechs bis neun Jahre.

OP: Wie äußert sich Demenz?

Stettin: Eine Demenz bedeutet für die betroffene Person, dass sie sich zunehmend schlechter zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person orientieren kann. Wie spät ist es? Wo bin ich? Was geschieht hier? Wer bin ich -und wer bist du? Das sind die Fragen, die sich der Erkrankte immer wieder stellt. Er nimmt sich selbst und seine Umwelt nicht mehr so wahr wie früher. Situationen und Gegenstände erhalten eine andere Bedeutung. Er lebt mehr und mehr in einer eigenen Welt. Seine Gefühle und sein Erleben sind davon aber nicht betroffen.

OP: An wen wende ich mich, wenn ich vermute, dass ein Verwandter unter Demenz leidet?

Stettin: Die Diagnose stellt ein Facharzt - ein Neurologe oder ein Gerontopsychiater. Auszuschließen sind eine normale Altersvergesslichkeit oder andere Ursachen einer Gedächtnisstörung wie zum Beispiel eine Depression - da besteht die Gefahr der Verwechslung, da es bei einer Depression anfangs ähnliche Symptome gibt. Oftmals bekommen Menschen, die sich am Anfang einer Demenzerkrankung befinden, auch eine Depression. Bei Demenz gibt es Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen können. Dazu kommen noch Medikamente, die Begleitsymptome wie zum Beispiel Ängste verringern helfen. Natürlich müssen körperliche Grund- und Begleiterkrankungen weiter sorgfältig medizinisch behandelt werden. Neben den Medikamenten gibt es Therapieformen, die darauf abzielen, die Alltagsfähigkeit zu trainieren, die Orientierung zu fördern, die Erinnerung zu pflegen und eine gute Kommunikation zu gestalten.

OP: Kann ich Demenz vorbeugen?

Stettin: Wer aktiv ist, bleibt länger gesund - meistens zumindest, denn es gibt auch Gegenbeispiele. Wach bleiben, neugierig sein, Neues probieren und körperlich und geistig aktiv sein ist wichtig. Es kann helfen, neue Sprachen zu lernen, Koordinationstraining zu machen oder Gedichte zu lernen - denn da verbindet man Wörter mit Bildern.

OP: Wie trete ich Menschen mit Demenz am besten gegenüber auf?

Stettin: Wichtig ist für Menschen mit Demenz, dass sie verstehen und verstanden werden, als Person akzeptiert und wertgeschätzt werden, sozial eingebunden sind und sich sicher fühlen können. Sie möchten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, selbständig handeln und sich bewegen. Im Umgang ist es wichtig, nicht auf Defizite hinzuweisen, die Betroffenen ernst zu nehmen, ihnen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln und sie in ihrer Selbständigkeit zu unterstützen.

von Florian Lerchbacher