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Wenns Weichei über die Brücke saust

Deutsche Meisterschaften im Cobigolf in Rauschenberg Wenns Weichei über die Brücke saust

Wer das Staunen noch nicht verlernt hat, der ist am 13. und 14. August sowie vom 18. bis 20. August auf der Cobigolf-Anlage des Hotels Schöne Aussicht bei Schwabendorf gut aufgehoben.

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Am 13. und 14. August sowie vom 18. bis 20. August finden auf der Cobigolf-Anlage des Hotels Schöne Aussicht in Rauschenberg die Deutschen Meisterschaften im Cobigolf statt.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Dort richtet der Cobigolf-Club Rauschenberg zunächst den 42. Wohrapokal und dann die Deutsche Meisterschaft in der mit dem bekannteren Miniaturgolf verwandten Sportart aus. Und die 75 beziehungsweise 61 Starter werden den Zuschauern auf den 18 Bahnen der hinter dem Hotel an der B 3 versteckten parkähnlichen Anlage heiße Flirts mit den Gesetzen der Physik bieten.
Da beschreibt der Ball unerklärliche Kurven, hoppelt scheinbar unkontrolliert über die Eternit-Platten, um dann doch im Loch zu landen. Oder der Ball rollt deutlich am Ziel vorbei, um dieses nach einem Bandenkontakt als „Rückläufer“ doch sicher zu erreichen.

Tobias Brandt, Vorsitzender der 34 Mitglieder des Vereins, hat in den vergangenen beiden Wochen die Anlage in einen meisterschaftswürdigen Zustand versetzt. Ganz fertig wird er damit nie. Auf Bahn drei entdeckt er Vogelkot. Der muss weg. Noch während der Vorsitzende dem Dreck mit Schmirgelpapier zu Leibe rückt, spielt sein „Vize“ auf Bahn fünf vier Asse in Folge.  Das ist Gerno Grapengeter. Der gehört zur deutschen Spitzenklasse, war im Einzel einmal Deutscher Meister und einmal Vizemeister. Dazu kommen mehrere Mannschaftstitel. Der Routinier stammt aus Westdeutschland und spielt für einen dortigen Verein. Aus Freundschaft und Sympathie engagiert er sich auch für den Rauschenberger Verein.

Keine sportlichen Geheimnisse

Das ist nicht unüblich in der Szene, wie Tobias Brandt erklärt. Cobigolfer helfen untereinander und haben keine sportlichen Geheimnisse, sagt er. Das bestätigt sich auf der Homepage des Vereins. Dort finden sich präzise Schilderungen, wie auf den 18 Bahnen erfolgreich gespielt werden kann. Werksspionage braucht es folglich nicht.

Was macht einen guten Cobigolfer aus? „60 Prozent Kopfsache, 20 Prozent Talent, 20 Prozent Training“, sagt Gerno Grapengeter wie aus der Pistole geschossen. Wer schon in anderen Ballsportarten zuhause sei, bringe gute Voraussetzungen für Bahnengolf mit. Ganz wichtig sei die mentale Stärke. Besonders bei den „Deutschen“, wo zehn Runden – also 180 Bahnen – gespielt werden. „Wer nach dem ersten Abend vorne liegt, fängt zu denken an . . .“,  nennt er eine der Klippen in seiner diffizilen Sportart.

Schon die Wahl der richtigen Bälle ist eine Wissenschaft für sich. Während  für die Bahn vier „Kleine Brücke“ das gut gewärmte „Weichei“ ideal ist, führt der „Freundliche Frosch“ auf Bahn acht zum Erfolg. Für die DM haben die Gastgeber eigens spezielle Bälle in den Hattungen Rohling (stößt genau), Glattlack (laufen einfach toll) und Rauhlack (gut auf feuchten Bahnen) anfertigen lassen.

Wahl der Bälle ist eine Wissenschaft

Welcher Ball die besten Ergebnisse auf der Anlage bringt, weiß keiner besser als Tobias Brandt. Der Lehrer der Stiftsschule hält mit sagenhaften 19 Schlägen den Bahnrekord, der zweimal egalisiert wurde. Sein Verein ist bei der DM in den Einzel- und Mannschaftswettkämpfen vertreten. Wer bei der DM vorn dabei sein will, muss nach seiner Prognose durchschnittlich 24 Schläge pro Runde spielen: Das bedeutet: 12 Asse und 6 Zwei-Schlag-Spiele pro Durchgang. Und das zehnmal in Folge.

Die erfolgreichsten Spieler der Rauschenberger sind in den Nachwuchs-Teams zu finden. Gleichwohl leiden auch die Cobigolfer unter Nachwuchsmangel. „In Skandinavien ist Bahnengolf Schulsportart. Und das aus gutem Grund. Für die Förderung des Konzentrationsvermögens ist unser Sport geradezu genial“, erklärt Tobias Brandt. Es sei schwer, Schülerinnen und Schüler für Bahnengolf zu begeistern. Selbst die Aussicht, in jungen Jahren relativ schnell als Deutscher Meister zu sportlichen Ehren gelangen zu können, ziehe kaum noch, bedauert Tobias Brandt, der in der Region zugleich ein bekannter Tischtennisspieler ist.  

Alle Infos zum Verein gibt es im Netz: cgc-rauschenberg.jimdo.com

von Matthias Mayer

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