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"Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen"

Gericht "Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen"

Das Amtsgericht Schwalmstadt hatte eine Frau wegen zweifacher Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Berufungsverfahren kam die Neustädterin billiger davon.

Neustadt. Mit der Entscheidung von Richter Hans-Werner Lange, der während der Berufungsverhandlung ein milderes Urteil als das Amtsgericht fällte, zeigte sich die Angeklagte nicht zufrieden. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gar nicht hierher gekommen“, protestierte sie lautstark.

Die 1955 in Treysa geborene Frau hatte im Jahr 2006 einen Darlehensantrag in einem Autohaus in Neustadt abgeschlossen, um einen neuwertigen Wagen finanzieren zu können. Dabei fälschte sie die Unterschrift ihres damaligen Ehemannes, um den Kredit bewilligt zu bekommen. Ihrem Partner erzählte sie jedoch nichts davon. Als sie nach ein paar Jahren die Raten nicht mehr bezahlen konnte, flog die Sache auf.

Die Polizei stellte den Vertrag in der Wohnung sicher, auch wenn die Frau die Beamten zuerst nicht hatte hereinlassen wollen und noch versuchte, den Zettel unter einer Decke auf einem Sofa verschwinden zu lassen. Vor Gericht musste sie sich aber noch wegen eines zweiten Falles der Urkundenfälschung verantworten: Im Jahr 2009 hatte die Frau einen Antrag auf einen Sofortkredit gestellt und dabei erneut die Unterschrift ihres Ehemannes gefälscht.

Das Geld bekam sie ausgezahlt, die Raten sollten vom Konto ihres Mannes abgebucht werden. Dies bemerkte dieser jedoch rechtzeitig: „Das habe ich nicht geschrieben. Ich wollte kein Geld haben“, betonte der heute 61-Jährige und erklärte, dass die Vorkommnisse dazu führten, dass die Ehe scheiterte.

Eine Schriftanalyse des Landeskriminalamtes ergab, dass tatsächlich nicht er unterschrieben hatte. Es ließ sich aber nicht sicher feststellen, ob die Frau es war, die die Unterschrift gefälscht hatte.

„Herr Richter, ich widerrufe das Urteil. Das ist schon lange her. Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, betonte die Angeklagte mehrmals und berichtete, sie sei damals krank gewesen und habe Medikamente genommen.

Das Amtsgericht Schwalmstadt verurteilte sie im Oktober 2013 zu 45 Tagessätzen à 18 Euro. Auch das Landgericht Marburg geht davon aus, dass sie die Taten begangen hat, da sie die Profiteurin der Geschehnisse war. Ihr Mann fuhr nie einen Wagen der entsprechenden Marke und brauchte auch kein neues Auto. Das Fahrzeug der Frau hingegen war kaputt. Außerdem betonte der Mann stolz, dass er Rücklagen hat und nie Schulden gemacht hätte. Er hätte einen Kredit also nicht gebraucht - ganz im Gegensatz zu ihr, die krankheitsbedingt berufsunfähig sei und Grundsicherung erhalte.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass die Angelegenheiten lange Zeit zurückliegen und die Angeklagte nicht vorbestraft ist. „Es ist so, dass wir nichts für sie tun können“, sagte Richter Lange abschließend. Er verhängte immerhin ein milderes Urteil: Die Frau muss nun 30 Tagessätze zu je elf Euro zahlen - also insgesamt 330 Euro statt der ursprünglich verhängten Strafe in Höhe von 810 Euro.

von Lisa Scholz

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