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Wenn ein wenig Angst sich lohnt

Serie: "Ich sammle..." Wenn ein wenig Angst sich lohnt

Dass Gisela Fischer Weihnachtskrippen sammelt, ist spätestens seit entsprechenden Ausstellungen in Neustadts Innenstadt bekannt. Noch beeindruckender ist allerdings ihre fast 600 Stück umfassende Fingerhut-Sammlung.

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In diversen Vitrinen hat Gisela Fischer fast 600 Porzellan-Fingerhüte angesammelt.Fotos: Lerchbacher

Neustadt. „Gisela! Da drüben ist wieder ein Touristenbüro!“ Diesen Ausruf hat Gisela Fischer schon auf unzähligen Gruppenfahrten von ihren Mitreisenden gehört. Kaum in einer Stadt angekommen, geht die 81-Jährige nämlich auf die Jagd nach Fingerhüten aus Porzellan. Souvenirläden und Touristenbüros haben sich dabei als wahre Goldgruben entpuppt.

Nicht nur einmal mussten die Mitreisenden auf die Neustädterin warten. Während einer Tour durch Kanada habe sie der Reiseleiter einmal aus einem Geschäft holen müssen, weil die gesamte Gruppe zur Abreise bereit im Bus gewartet habe, erinnert sich Fischer. In Singapur habe sie wegen eines Fingerhutes sogar den Anschluss verpasst. „Ich musste fast eine halbe Stunde nach meiner Reisegruppe suchen. Da hatte ich richtig Angst“, berichtet sie, greift nach dem Fingerhut aus Singapur und ergänzt: „Aber ich habe ihn bekommen. Es hat sich also gelohnt.“

Auslöser ihrer Sammelleidenschaft war ein Geschenk: Im Jahr 1981 bekam sie von Gertrud Nees einen Fingerhut aus Porzellan aus Mallorca. „Sie wollte mir ein Andenken mitbringen. Warum es ausgerechnet ein Fingerhut war? Ich habe keine Ahnung.“

Dann war Fischer selbst unterwegs: „Ich bemerkte in verschiedenen Städten, dass es fast überall Fingerhüte mit typischen Motiven gibt.“ Und plötzlich war ihre Leidenschaft geweckt. Zum Exemplar aus Mallorca gesellten sich daraufhin Fingerhüte aus Frankfurt, München und Rüdesheim. Inzwischen finden sich in verschiedenen Vitrinen auch solche aus Brasilien, Paraguay, Jamaika, Senegal, Indien, Costa Rica, Haiti, Myanmar, Thailand oder Luxemburg. Aus Griechenland stammt ein Fingerhut aus Metall, der die Form einer Ente hat. „Aber ich besitze von dort natürlich auch einen aus Porzellan“, betont die 81-Jährige, die auch schon verschiedene Neustadts besucht hat. Einen entsprechenden Fingerhut hat sie aber nur aus ihrer Heimat Neustadt/Hessen - in den anderen Städten suchte sie vergeblich.

Fischers nächste Reise führt an den Chiemsee. Dann kommt das nächste Exemplar dazu. Gerne hätte sie auch noch einen Fingerhut aus Japan: „Das Land und die Leute interessieren mich, aber ich schaffe eine so weite Reise aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht mehr.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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