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Wenn die Heizung zur Feuerfalle wird

Rauschenberg muss die fast neue Pelletanlage im Kindergarten ersetzen Wenn die Heizung zur Feuerfalle wird

Die Energiewende ist eine gute Sache - sofern die Technik funktioniert. Im Rauschenberger Kindergarten ist das nicht der Fall. Die Stadt muss die dortige Pelletheizung kurzfristig austauschen. Das System erwies sich als einzige Katastrophe.

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Bürgermeister Michel Emmerich zeigt die Beinahe-Katastrophe: Glühende Pellets, die unverbrannt und in großer Zahl in den Aschestaubbehälter gelangten, haben außerhalb des Heizsystems gebrannt, das Heizgebläse verschmort und die Isolierung angekokelt. Ein offenes Feuer im Kindergarten wurde gerade noch verhindert. Der Bürgermeister legte die Anlage daraufhin sofort still.
Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Nur etwa vier bis acht Wochen hat die funkelnagelneue Heizung des in Österreich beheimateten Herstellers Evotherm störungsfrei funktioniert, berichtete Rauschenbergs neuer Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) beim Ortstermin mit der OP. Dann fing der Ärger an. Die Heizung schaltete sich immer wieder selbst aus - sehr gern in eiskalten Winternächten. Die nächtlichen Noteinsätze, an denen sich Kindergartenpersonal, Bauhofmitarbeiter und der damalige Bürgermeister Manfred Barth beteiligten, waren Stadtgespräch.

Die knapp 20 Meter lange Zuleitung von den dem acht Tonnen Pellets fassenden Vorratsbehälter in den Heizungsraum geriet in den Verdacht - so Michael Emmerich - für die vielen Störungen verantwortlich zu sein. Die Anlage wurde stillgelegt. Der Bauhof ging dazu über, die Pellets in großen Mülltonnen in den Heizraum zu transportieren und von Hand in den Tagesbehälter zu schaufeln. Die Rückkehr zum Kohlenmann und zur Kohlenschütte im 21. Jahrhundert brachte nicht die erhoffte Betriebssicherheit; der Ärger ging weiter. Der Hersteller führte die Probleme jetzt auf minderwertige Pellets zurück. Die Stadt kaufte daraufhin die hochwertigsten Pellets als Sackware. „Mehrkosten: 50 Prozent“, konstatiert der Bürgermeister. Effekt: gleich Null. Obwohl sich Bauhofmitarbeiter täglich zwei Stunden um die Heizung kümmerten, blieben die Probleme, die schließlich zum Beinahe-Brand im Kindergarten führten (die OP berichtete), worauf der Bügermeister die sofortige Stilllegung der Anlage anordnete. Derzeit wird der Kindergarten mit Heizlüftern beheizt.

Wie kann es passieren, dass eine Heizungsanlage nicht störungsfrei arbeitet, die

n von einem Fachmann geplant, n von einer Fachfirma in Österreich gebaut. n von einem Fachhändler aus Bayern geliefert n und von einem Fachbetrieb aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg installiert und nach den Vorschriften des Herstellers gewartet wurde? Diese Fragen möchte die Stadt Rauschenberg durch ein Beweissicherungsverfahren beim Landgericht geklärt wissen. Das Gericht hat dazu im Juni 2012 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das vor Weihnachten vorlag, aber - so Michael Emmerich - mehr Fragen aufwarf, als es beantwortete. Der Hersteller derHeizung ist insolvent Der Bürgermeister skizziert die Problemlage. Der Hersteller Evotherm ist insolvent. Das unter ähnlichem Namen firmierenden Nachfolge-Unternehmen sehe sich nicht in der Haftung. Der bayerische Lieferant verweigere aus rechtlichen Gründen die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Gutachter. „Ohne die Informationen des Lieferanten zu den technischen Details können wir die Anlage nicht warten. Ein anderer Installateur hat die Heizung im Januar gewartet, aber ohne Gewährleistung“, erklärt Emmerich. Dieser Heizungsbauer habe erhebliche Mängel an der Heizung festgestellt. Unter anderem sei die Brennkammer völlig deformiert. Reparaturkosten: weit über 8000 Euro.Die Anlage selbst erinnert auf den ersten Blick an de Arbeit eines begabten Bastlers, der sich die Zutaten, unter ihnen ein Teil einer Güllepumpe, im Baumarkt zusammengesucht hat. Stromkabel liegen malerisch auf dem Boden und ein aufgeklebter Zettel dient als Typenschild. Eins erscheint sicher: Ein Industriedesigner hat für dieses Produkt keinen Finger gekrümmt. Wie kommt die Stadt an so einen Hersteller? Michael Emmerich macht dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen einer öffentlichen Ausschreibung verantwortlich. Die Heizung habe die erforderliche Zulassung. Nach den Vorgaben sei es nicht möglich gewesen, dieses wirtschaftlichste Angebot auszuschlagen, sagt Emmerich, der sicher ist, dass die Hersteller aus der Region die Stadt in dieser misslichen Lage nicht allein gelassen hätten. Emmerich hofft nun auf das im Februar beauftragte zweite Gutachten, weiß aber nicht, ob die Stadt je einen Cent sehen wird. Sicher ist für ihn allein, dass die bisherige Heizung keine Zukunft hat: Das Parlament habe schon unter seinem Amtsvorgänger 60000 Euro für eine neue Heizung bereitgestellt, erklärt der Bürgermeister.

von Matthias Mayer

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