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Wenn Altes plötzlich Neues ist

Einblicke Wenn Altes plötzlich Neues ist

Vor wenigen Monaten weihten die Mitglieder des Hugenotten- und Waldenservereins die historische Schmiede nach der Sanierung wieder ein. Nun gaben sie einigen Kindern einen Einblick.

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Heinz-Konrad Rohde (linkes Bild) bringt einen Jungen zum Staunen: Als der Stahl glüht, lässt er sich plötzlich biegen. Im Dorfmuseum erklärt Hans-Jürgen Vincon den Jungen und Mädchen die Funktionsweise einer Handmühle.Fotos: Klaus Böttcher

Schwabendorf. Heinz-Konrad Rohde (genannt Kurt) schneidet mit einer Maschinensäge ein Stück Rundstahl ab und reicht es einigen Jungen und Mädchen. Vergeblich versuchen die Kinder, das kalte Stück Metall über einem Amboss zu biegen. Dann erhitzt der gelernte Huf- und Wagenschmied das Metall im Feuer bis es glüht - und plötzlich ist es kein Problem mehr, es zu biegen. Dies ist nicht das einzige Mal an diesem Tag, dass die Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten ins Staunen geraten. Viele von ihnen waren bis dato noch nie in einer Schmiede, entsprechend lernen sie in der historischen Einrichtung viel Neues - und das, obwohl es eigentlich Altes ist.

In der Schmiede und im Schwabendorfer Museum bekommen sie Handwerkskunst ihrer Großväter und Urgroßväter gezeigt. Und Rohde sorgt dafür, dass die Mischung aus Theorie und Praxis stimmt. Er zeigt ihnen Werkzeuge, erklärt, wie sie angewendet werden, präsentiert aber auch alte Gerätschaften, die heutzutage kaum noch angewendet werden: so beispielsweise einen alten Pflug, den Pferde oder Kühe zogen. Ein Hufeisen für Pferde haben die meisten Kinder schon einmal gesehen, dass es aber auch Hufeisen für Kühe gibt, ist ihnen neu.

Und dann gibt es wieder etwas zu Staunen: Rohde demonstriert ihnen, wie ein großer Holzbohrer angefertigt wird. Er nimmt ein Stück Flacheisen, erhitzte es in der Mitte, spannt ein Ende in den Schraubstock ein und drehte das andere Ende mit der Zange. Am Ende kommt ein Stück gleichmäßig gedrehten Stahls hinaus - der in diesem Fall für einen großen Holzbohrer gedacht ist, es könnte allerdings auch ein Zierstab für ein schmiedeeisernes Tor sein.

Der Museumsschmied blüht immer weiter auf und versteht es, die Kinder mit seinen Erklärungen zu fesseln. Dann ist jedoch Karl Naumann an der Reihe. Er zeigte den Kindern, was Sensen und Sicheln sind - und hält somit für die meisten wieder etwas Neues bereit. Die wenigsten haben solche Werkzeuge schon einmal gesehen, geschweige denn beobachtet, wie eine Sense gedengelt wird - und schon lernen die Jungen und Mädchen wieder einen neuen Begriff: Durch das „Dengeln“ der Schnittseite wird die Sense wieder scharf gemacht: Dies erledigt Naumann auf einem kleinen Einsteckamboss, indem er die Schnittkante Stück für Stück mit einem Hammer bearbeitet, wodurch das Material an der Kante ganz dünn und somit scharf wird.

Die Kinder waren in mehrere Gruppen aufgeteilt. Während die einen in der Schmiede waren, präsentierten Hans-Jürgen Vincon und weitere Helfer das Museum. Im Daniel-Martin-Haus gibt es viele alte Maschinen, Werkzeuge und Gerätschaften zu sehen - und wieder staunten die Kinder, mit welchen Mitteln früher Bauern oder Handwerker arbeiten mussten.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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