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Wenige Antworten, aber einige Fragen

Info-Veranstaltung zur Hessen-Kaserne Wenige Antworten, aber einige Fragen

Die Themen Sicherheit und Integration von Flüchtlingen interessierten am Dienstagabend einige der rund 300 Bürger bei der Informationsveranstaltung der Stadt.

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Besucher verfolgten die Informationsveranstaltung in der Stadthalle.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Zur zweiten Informationsveranstaltung rund um das Thema Flüchtlingsunterbringung in Stadtallendorf kamen knapp 200 Besucher weniger als zur ersten am 24. September. Am Dienstagabend sollte es eigentlich um konkrete Planungen rund um die Nutzung von Teilen der Hessen-Kaserne gehen.

Doch dieser wichtige Teil blieb offen, ein Vertreter des Baumanagements war erkrankt, wovon aber die Stadt erst erfuhr, als die Veranstaltung eigentlich beginnen sollte. Das hatte für erheblichen Ärger gesorgt (die OP berichtete).

„Das alles ist ein bedauerliches Versehen, wir entschuldigen uns für die Irritationen“, erklärte gestern ein Baumanagement-Sprecher in Frankfurt auf Nachfrage dieser Zeitung.

Breiten Raum nahm bei den Bürgerfragen das Thema Wegeführung ein. Wie berichtet lehnen Bewohner der Rohrborn-Siedlung die geplante Fußwegführung von der Kaserne durch den Wald auf den Schmiedeweg ab.

Wer übernimmt Verkehrssicherungspflicht

Eine Anwohnerin argumentierte dabei am Dienstag auch aus Sicht der Flüchtlinge, insbesondere von Frauen. Selbst wenn der Weg befestigt und beleuchtet werde, führe er durch den Wald und sei Frauen nicht zumutbar, insbesondere bei Nacht. „Das kann keiner absichern“, meinte sie.

Immer wieder gab es aber auch Äußerungen, dass es ganz vermeidbar sein werde, dass die in der Kaserne untergebrachten Menschen den Weg durch den Wald und von dort in die Stadt nehmen werden - weil er eben der kürzeste ist. „Man muss sie aber nicht direkt dorthin leiten“, so ein Kommentar. Bürgermeister Christian Somogyi versicherte immer wieder, dass sich die Stadt um eine Lösung bemühen werde.

Dabei geht es ihm wie auch der Bundeswehr unter anderem um die Frage, wer die Verkehrssicherungspflicht für welche Wegeführung am Ende auch immer übernimmt.

Am Rande kam der Zaunbau an der Herrenwald-Kaserne zur Sprache, über den argwöhnt wurde, er solle die Bundeswehr möglicherweise vor den Flüchtlingen schützen. Dazu machte Somogyi aber deutlich klar, dass jener Zaun sehr lange geplant wurde, bevor überhaupt zur Diskussion stand, dass das Land Teile der Hessen-Kaserne übernehmen will. Das hatte die Bundeswehr der OP im Vorfeld bereits bestätigt. Der jetzige, deutlich massivere Zaun ersetzt die alte Maschendrahtanlage.

Integration beginnt nach der Erstaufnahme

Es gab am Dienstag bei der Informationsveranstaltung der Stadt aber auch noch andere Themen rund um den Komplex „Flüchtlinge“. So fragte ein Besucher, welches Material und welche Informationen Flüchtlinge in der Erstaufnahme zum Leben und den gesellschaftlichen Regeln in Deutschland bekommen.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich verwies darauf, dass Integration eigentlich erst nach der Erstaufnahme beginne, vor allem angesichts der Kürze der Zeit, die die Menschen in den Einrichtungen verbrächten. Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow verwies auf die „Willkommenspakete“, die der Landkreis ausgibt, wenn er Flüchtlinge übernimmt und weiterverteilt - und auf die Tätigkeit der Sozialarbeiter.

Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, beschrieb einen Weg, den die Polizei in der Erstaufnahmeeinrichtung Neustadt eingeschlagen hat. In Absprache mit dem Betreiber wurden dort Zusammenkünfte organisiert, um Flüchtlinge zu informieren. Anlass war die Tatsache, dass sich im Sommer Flüchtlinge über fehlende Informationen deutlich beklagt hatten.

Mehr Ladendiebstähle in Neustadt und Stadtallendorf

Frank machte auch keinen Hehl daraus, dass die Zahl der Ladendiebstähle sowohl in Neustadt als auch in Stadtallendorf angestiegen ist. „Wir arbeiten in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel an der Prävention“, sagte der Dienststellenleiter. Zahlen nennt die Polizei aber nicht. Sie verweist dazu auf die Kriminalitätsstatistik 2015, die nächstes Jahr veröffentlicht wird.

Der Kreis hat der Stadt Stadtallendorf signalisiert, dass er bei der Zuweisung von Flüchtlingen, die dort Wohnungen beziehen werden, die künftige Erstaufnahme-Einrichtung berücksichtigen wird. Aktuell leben 233 Flüchtlinge im Stadtallendorfer Stadtgebiet.

Und dennoch: Bei allen Informationen zu anderen Themen blieben bei Besuchern angesichts des Fehlens eines wichtigen Ansprechpartners Fragezeichen. Michael Goetz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament, formulierte es unter großem Applaus pointiert: „Wir haben eigentlich keine Antworten dazu bekommen, wie es wird.“

von Michael Rinde

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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