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Wem Brücke gehört, bleibt offen

Sanierungsfall Wem Brücke gehört, bleibt offen

Mit sanierungsbedürftigen Brücken muss sich die Gemeinde Wohratal noch einige Zeit befassen, vor allem, weil in Langendorf noch ein „Sorgenkind“ hinzugekommen ist.

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Große Bauzäune mit Sperrschild verhindern seit Längerem die Fahrt über die kleine, einsturzgefährdete Brücke über den Mühlgraben in Langendorf.

Quelle: Michael Rinde

Wohratal. Bauzaun-Elemente sperren den Wirtschaftsweg über den Mühlgraben in Langendorf. Autofahrer werden schon an der Einmündung von der Landesstraße 3087 durch ein Schild an einem Mast auf die Sperrung hingewiesen. Die Sperrung jener kleinen Brücke gilt dabei nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger. Das betont Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) im Gespräch mit der OP.

Ein Brückensachverständiger von einem Marburger Büro hatte das kleine Bauwerk über den Graben im Auftrag der Gemeinde untersucht und klare Feststellungen getroffen: Die kleine Brücke ist einsturzgefährdet und muss gesperrt werden. Klar ist auch, dass sich das kleine Bauwerk wohl nicht sanieren lässt, sondern neu errichtet werden muss. Doch wann das geschieht, lässt sich noch nicht vorhersagen.

Vor Neubau müssen Besitzverhältnisse geklärt werden

Denn zunächst muss geklärt werden, wem die Brücke eigentlich gehört. Befindet sie sich im Privateigentum des Mühlenbesitzers oder gehörte sie einst der selbstständigen Gemeinde Langendorf, jetzt also der Gemeinde Wohratal? Eine verlässliche Antwort darauf ist noch nicht gefunden. Archivrecherchen haben noch nichts ergeben. Die Gemeindeverwaltung hat dabei nicht nur in den eigenen Unterlagen gesucht, sondern auch im Staatsarchiv Marburg. Eine Anfrage beim Regierungspräsidium Gießen, wo das sogenannte Wasserbuch geführt wird, brachte auch kein Ergebnis. Es gibt allerdings Hinweise, dass die Brücke vor Jahrzehnten schon einmal auf Kosten der Gemeinde Wohratal saniert worden sein könnte. Aber das weiß die Gemeinde nur aufgrund von Erinnerungen von Zeitzeugen, die sich auch nicht sicher sind, ob es denn so war.

Jetzt will die Gemeindeverwaltung noch einmal gezielt in alten Archivunterlagen der früheren Gemeinde Langendorf suchen. Außerdem liegt zwischenzeitlich eine Stellungnahme des Städte- und Gemeindebundes vor. Der gibt laut Hartmann die Empfehlung, die Standorte der Brückenpfeiler zu einem Entscheidungskriterium zu machen. Je nachdem, wem die Flächen gehören, auf denen die Pfeiler stehen, der müsste unter Umständen für einen Neubau zahlen.

Hoffnung auf Zuschuss vom Land

Genutzt wird die Brücke von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, zur Mühle gibt es eine weitere Zufahrt. „Ein Neubau dürfte einen hohen fünfstelligen Betrag kosten“, meint Hartmann.

Bei einer anderen Wohrataler Brücke, die saniert werden muss, gibt es zwischenzeitlich eine Entwicklung: Die Brücke in der Gemündener Straße in Wohra wird vorerst so bleiben, wie sie ist. Denn: Es bestehen nun doch Aussichten auf einen erheblichen Baukostenzuschuss für die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Gemeinde Wohratal. Seit 2012 hatte die Gemeinde immer wieder eine Aufnahme in ein Förderprogramm des Landes beantragt. Jahr für Jahr gab es eine Ablehnung. Das war auch 2015 nicht anders. „Aber wir haben zum ersten Mal in Aussicht gestellt bekommen, dass wir in den nächsten Jahren zum Zuge kommen können“, sagt Hartmann. Es sei eine Förderung von über 50 Prozent denkbar. Angesichts einer Bausumme von 230000 Euro bei einer Komplettsanierung der Brücke wäre dies natürlich ein erheblicher Betrag für Wohratal.

Deshalb hat der Gemeindevorstand entschieden, dass er sich nicht auf eine kleine oder große Sanierungsvariante festlegt und das Projekt weiter ruhen lässt. Zuletzt hatte sich auch die Jagdgenossenschaft Wohra-Hertingshausen bereiterklärt, 10000 Euro Zuschuss zu zahlen. Der Gemeindevorstand hatte eine kleine, 66000 Euro teure Lösung aus Kostengründen favorisiert. Die Brücke bliebe für Fahrzeuge weiter gesperrt, Fußgänger könnten sie aber wieder uneingeschränkt nutzen. Zurzeit sperren Schotterhaufen die Durchfahrt, da Sperrschilder ignoriert wurden.

von Michael Rinde

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