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Weit mehr als ein neuer Treffpunkt

Integration Weit mehr als ein neuer Treffpunkt

Die Vorbereitung des Gebäudes Marktstraße 6 hat die Menschen bereits zusammengebracht. Heute um 15 Uhr ist offizielle Eröffnung des neuen Begegnungstreffs.

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Klaus Groll (von rechts), Holger Krapp und Richard Schmittdiel sind nur drei ehrenamtliche Helfer, die neben Martin Methfessel und Annika Schlüter den Raum im Erdgeschoss der Marktstraße 6 als Begegnungstreff vorbereiteten.Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. Integration von Flüchtlingen fördern, das vorhandene Ehrenamt stützen und Angebote für alle Bürger entwickeln - dies sind die Ziele des Projektes „Gemeinwesenarbeit Flüchtlinge“, für das das Land Hessen den Neustädtern bis Oktober 2018 jährlich 170000 Euro zur Verfügung stellt. Den ersten Meilenstein erreichen der Verein bsj Marburg und die Stadt Neustadt heute: Um 15 Uhr weihen sie mit großem Bahnhof den neuen Begegnungstreff in der Marktstraße ein.

Dort sollen die Neustädter und ihre neuen Mitbürger - vornehmlich Flüchtlinge, die der Landkreis der Stadt zugewiesen hat - zusammenkommen, einander kennenlernen und eventuelle Berührungsängste überwinden.

In der Vorbereitung des Gebäudes waren bereits zahlreiche Neustädter aktiv, die sich auch in der Erstaufnahmeeinrichtung engagieren. Neben Pfarrer Andreas Rhiel sorgten Mitglieder des Verwaltungsrates der katholischen Kirchengemeinde, der Kolpingfamilie und weitere hilfsbereite Bürger beispielsweise dafür, dass es in dem neuen Begegnungstreff nun einen vernünftigen Fußboden und eine kleine Küchenzeile gibt. Eine Gruppe Tours-Schüler, die sich im Projekt „Schüler gegen Rassismus“ engagieren, half beim Streichen der Räume.

Dort wollen die bsj-Mitarbeiter Martin Methfessel und Annika Schlüter - die Egon Rettenbacher ersetzt - künftig verschiedene Angebote machen. Ein zentraler Punkt ist ein Beratungsangebot für Flüchtlinge, unter anderem zu Fragen rund um das Thema Asyl. An einem Tag in der Woche soll es außerdem eine kleine Fahrradwerkstatt geben, in der die Menschen gemeinsam an Drahteseln werkeln: „Es gibt zum Beispiel viele Flüchtlinge aus Syrien, die tolle handwerkliche Fähigkeiten haben. Wenn die Sprache noch eine kleine Barriere ist, so können sie auf diese Weise zeigen, was sie drauf haben“, erklärt Schlüter und betont, dass für Flüchtlinge Fahrräder ein wichtiges Fortbewegungsmittel seien.

Sitzecke dient dem Austausch

Eine weitere Idee ist, eine Nähmaschine aufzustellen. „Es gibt unter den Flüchtlingen viele Schneider. So bekommen sie die Möglichkeit, etwas zu flicken oder herzustellen“, sagt Methfessel. Ein Computer mit Internetanschluss werde natürlich auch zur Ausstattung gehören, damit die Menschen zum einen „mit der Ferne“ kommunizieren, zum anderen aber auch daran arbeiten können. Hinzu kommt eine kleine Sitzecke, damit sich die Gäste in gemütlicher Runde unterhalten können. Tee und Kaffee sollen „auf Spendenbasis“ erhältlich sein. „Wir wollen die Menschen zusammenführen und Nähe schaffen“, betont Methfessel. Daher sei geplant, Themenabende einzuführen, in denen die neuen Mitbürger ihre Heimatländer präsentieren und Neustädter gleichzeitig ihre Heimatstadt vorstellen können. Des Weiteren soll es eine kleine Tauschbörse geben.

Wie genau die Öffnungszeiten sein werden, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich wird der Begegnungstreff montags bis samstags von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet sein. Zur Einweihung heute um 15 Uhr haben sich unter anderem Landrätin Kirsten Fründt und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich angekündigt.

Zwei aus Syrien stammende und inzwischen in Neustadt wohnende Familien bereiten für das Fest für ihre Heimat typisches Essen vor. „Das war ein sehr interessantes Gespräch“, berichtet Methfessel. „Sie wollten wissen, wie viele Speisen sie zubereiten sollten. Ich wollte eine - sie sagten, es müssten mindestens sieben sein. Nach hartem Feilschen haben wir uns auf vier geeinigt“, ergänzt der bsj-Mitarbeiter.

von Florian Lerchbacher

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