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Wasserader führt derzeit Gesteinsmehl mit sich

Wasserversorgung Wasserader führt derzeit Gesteinsmehl mit sich

Seit Dienstag schimmert das Wasser in Mengsberg deutlich rötlich. Fachfirmen haben sich bereits auf Ursachenforschung begeben. Am morgigen Freitag wird eine Kamera in den Brunnen hinabgelassen.

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Jürgen Gies hält im Mengsberger Hochbehälter ein Glas mit dem von Gesteinsmehl verfärbten Wasser in der Hand. Im Hintergrund wird Chlorlauge beigemischt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Die gute Nachrichten vorneweg: Nach Angaben der Stadt Neustadt ist es eigentlich ungefährlich, das verfärbte Wasser zu trinken. Dies habe eine Analyse des Gesundheitsamtes ergeben. Es sei keimfrei, dennoch setze die Stadt „aus Sicherheitsgründen“ Chlorlauge bei, erläutert Jürgen Gies,Vorarbeiter auf dem Bauhof und seit weit über 30 Jahren für die Wasserversorgung von Mengsberg zuständig.

Aus diesem Grund sollten Bürger das Wasser abkochen, wenn sie es trinken oder für die Zubereitung von Essen nutzen wollen. Für alle anderen Anwendungen wie die Körperpflege - das gilt auch für das Zähneputzen - oder das Wäschewaschen sei das Abkochen nicht notwendig, teilt die Stadt in einem Schreiben mit, das sie gestern in dem Neustädter Stadtteil an alle Haushalte verteilte.

Bürgermeister Thomas Groll berichtet, dass Gies bereits am vergangenen Freitag eine leichte Eintrübung des Wassers beobachtet habe. Dies sei allerdings nichts Ungewöhnliches und reguliere sich in der Regel von selbst - ohne, dass die Bürger überhaupt etwas davon mitbekommen. Im Laufe dieser Woche nahm die Verfärbung jedoch zu, woraufhin die Stadt sofort das Gesundheitsamt informierte und eine bakteriologische Untersuchung in Auftrag gab. „Ursache scheint das plötzliche Auftreten von Feinsanden im Bereich der Grundwasserzuströmung zu sein“, heißt es in dem Schreiben der Stadt. Das bedeutet, so Gies, dass die etwa 120 Meter tiefe, durch Bundsandstein führende Ader, aus der die Mengsberger ihr Wasser abzapfen, derzeit Gesteinsmehl mit sich führe: „Und das kommt eben mit raus. Es kommen immer mal Teilchen mit nach oben, aber die bemerkt der Benutzer nicht“, sagt Gies und fügt hinzu, dass dies auch ungefährlich sei.

Fachfirmen sind am Werk

Die Stadt ließ bisher den Weg zum Tiefbrunnen befestigen, damit die Fachfirmen selbigen trotz des wetterbedingten Matsches problemlos erreichen können. Am heutigen Donnerstag wurde die Wasserpumpe ausgebaut, an diesem Freitag erfolgt die Befahrung mit der Kamera, um die Ursache zu erfahren. Nach einer Analyse, die bis Montag erfolgen soll, sei es wahrscheinlich, dass eine Spezialfirma den Brunnen entsanden müsse, sagt Bürgermeister Thomas Groll. In einem speziellen Verfahren werde der Kiesfilter im Brunnen abschnittsweise gereinigt - was bis zu zwei Wochen dauern könne: „Für diese Zeit wird das Wasser in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt einer Sicherheitschlorung unterzogen.“

Der Bürgermeister berichtet, Experten hätten ihm mitgeteilt, dass technische Geräte wie Wasserkocher, Waschmaschine oder Bügeleisen nicht beeinträchtigt seien und benutzt werden könnten. Eine Haftung übernehme die Stadt allerdings nicht.

Investieren muss sie aber schon genug: Wahrscheinlich sorgten die Probleme mit der Wasserversorgung für zusätzliche, unvorhergesehene Kosten im fünfstelligen Bereich.

Anschließend widmet er sich einem vor Ort kursierenden Gerücht: Oftmals ist eine Eintrübung des Wassers zu beobachten, wenn ungewöhnlich große Mengen auf einmal gefördert werden - zum Beispiel bei Feuerwehrübungen. „Es wird gemunkelt, dass wir das Hallenbad zu schnell befüllt haben“, sagt Groll. „Das ist nicht der Fall. Unser Bauhof-Vorarbeiter Jürgen Gies befüllt das Bad seit vielen Jahren und hat diese Aufgabe diesmal genauso wie sonst erledigt“, betont er und fügt mit einer Prise Selbstironie hinzu: „Er hatte ja auch lange genug Zeit.“ Eigentlich wollte die Stadt das Hallenbad im vergangenen Oktober eröffnen. Schäden an der Dachkonstruktion und die notwendigen Reparaturarbeiten führten jedoch zu einer Verlegung des Termins (die OP berichtete). Allerdings soll die Hallenbadsaison am Montag endlich beginnen können.^

von Florian Lerchbacher

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