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Wasag-Altlast beschäftigt ein Jahrzehnt

Stadtallendorf Wasag-Altlast beschäftigt ein Jahrzehnt

Am Ende hatte es noch einmal einige Monate Verzögerung gegeben. Doch nunmehr soll noch im Laufe dieses Monats die Sanierung der Füllstelle I auf Bundeswehrgelände beginnen.

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Die gerodete Fläche vor den Bunkergebäuden ist wieder zugewachsen. Dort steht der Beginn der
Sanierungsarbeiten bevor. Foto: OP

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Anders als bei den weitgehend beendeten Altlastensanierungen im Stadtgebiet Stadtallendorfs, die das Land verantwortete, ist bei diesem Projekt allein der Bund in der Pflicht. Nach Angaben einer Sprecherin der Bundeswehrverwaltung in Bonn wird die Sanierung jener „Füllstelle I“ etwa 17 Monate dauern. Der Bund hatte die Flächen rund um mehrere Bunkergebäude bereits im Februar 2013 roden lassen.

In diesen Tagen werden die eigentlichen Sanierungsaufträge vergeben. Für den Bund ist das jetzige Projekt ein Pilotvorhaben. Ein Gesamtkonzept für weitere Rüstungsaltlasten auf dem Wasag-Gelände der Bundeswehr ist inzwischen fertig. Das Konzept geht davon aus, dass die gesamte Sanierung rund zehn Jahre dauern wird.

Brennnesseln umgeben die gerodeten Flächen auf dem Gelände der früheren Füllstelle des Werks Herrenwald. Dort soll in diesem Monat fortgesetzt werden, was im Februar 2013 mit der Baumfällung begann. Das 400 mal 400 Meter große Areal liegt auf Bundeswehrgelände, worauf längst zugewachsene Schilder am Finkenwegs auch hinweisen.

Weitere Informationen nach Auftragsvergabe

Mit der Füllstelle I lässt der Bund als Grundstückseigentümer die Anlage des früheren Werks Herrenwald sanieren, die sich am längsten in Betrieb befand. Munition, vor allem für die Kriegsmarine, wurde dort verfüllt, Sprengstoff bekam das Werk dabei vorrangig aus dem zweiten, größeren Sprengstoff-Produktionsbetrieb, dem Werk Allendorf (DAG).

Nach Angaben aus dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn sollen die Anlieger gleich nach der Auftragsvergabe über die bevorstehenden Arbeiten detailliert informiert werden. Die frühere Füllstelle I grenzt an Finkenweg und Scharnhorststraße an.

Der Bund ist zwar der Bauherr, die Arbeiten liegen aber in den Händen des hessischen Baumanagements (früher Staatsbauamt). Das hatte zu Beginn des Jahrtausends bereits das Wasag-Gelände der Bundeswehr im Auftrag des Bundes erkundet.

LKW sollen nicht durchs Wohngebiet rollen

Rund 23000 Tonnen Erde müssen während der auf insgesamt 17 Monate angelegten Sanierung bewegt werden. Belästigungen von Anwohnern ließen sich insbesondere während Abbrucharbeiten wohl nicht ganz vermeiden, heißt es auf Anfrage der OP vom Presse- und Informationszentrum der Bonner Bundesbehörde.

Aber: Der Lastwagen-Verkehr soll definitiv nicht durch bewohntes Gebiet führen.

Die Arbeiten an der Füllstelle I und in ihrer Umgebung sind dabei nur der Auftakt eines größeren Gesamtprojektes. Der Bund will oder besser muss seine gesamten Rüstungsaltlasten auf den Bundeswehr-Flächen der Wasag beseitigen. Hierzu ist ein Gesamtkonzept entstanden (die OP berichtete). Derzeit liegt das fertige Papier zur Genehmigung im Verteidigungs- und Finanzministerium. Über die Details will sich die verantwortliche Behörde bisher nicht äußern. Klar ist nur, dass das Konzept von einem Sanierungs-Zeitraum von rund zehn Jahren ausgeht. In der Vergangenheit war bereits von geschätzten Kosten von rund 20 Millionen Euro die Rede. Ob diese Zahl noch aktuell ist, bleibt derzeit offen. Bei der Füllstelle I entsprechen die Ausschreibungsergebnisse offenbar den bisher letzten Kostenschätzungen von rund 4 Millionen Euro.

Klar ist, dass das Gesamtkonzept Wasag erst nach den Arbeiten an der Füllstelle umgesetzt werden soll. Schließlich will der Bund dort Sanierungserfahrungen sammeln. Die hat das Land Hessen, stellvertretend die Him GmbH, in der Wasag vor elf Jahren bereits gesammelt.

Erste Erfahrungen mit Privatgrundstücken

Seinerzeit ließ das Land 15 Flurstücke unter anderem in der Scharnhorststraße sanieren. Dort musste Boden bis in Tiefen von rund drei Metern ausgetauscht werden. Rund eine Million Euro kosteten damals die Arbeiten, an denen sich auch die Stadt finanziell beteiligte.

Diese Privatgrundstücke grenzten bis auf wenige Meter an das Bundeswehrgelände. Die dortigen früheren Produktionsanlagen des Wasag-Werkes waren die Ursache für die Bodenbelastungen. Es gibt einige Unterschiede zwischen den beiden früheren Munitions- und Sprengstoffwerken Wasag und DAG.

Während es Sanierer im DAG-Gebiet vor allem mit TNT und seinem Vorprodukt Mononitrotoluol (MNT) zu tun hatte, wurden im Werk der Wasag auch andere Sprengstoffarten speziell für Marinezwecke produziert und verarbeitet. Sie lassen sich aber ähnlich entsorgen wie zum Beispiel MNT.

von Michael Rinde

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