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Was lange währt, wird nun gebaut

Ortsdurchfahrt Ernsthausen Was lange währt, wird nun gebaut

Für Ernsthausen war gestern ein großer Tag. Nach sich über Jahrzehnte hinziehenden Diskussionen um Ortsumgehungen und Ausbauvarianten für die Ortsdurchfahrt gab es den ersten Spatenstich für die Straßenerneuerung.

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Die Ehrengäste waren gestern beim ersten Spatenstich zum Ausbau der Ortsdurchfahrt Ernsthausen nur Staffage. Das Geschäft erledigte die Ernsthäuser Zukunft: die Kindergarten-Kinder. Foto: Matthias Mayer

Ernsthausen. „Ihr habt ja eine Straße wie in der DDR“, bekam der Neubürger Klaus Halba von Freunden zu hören, nachdem er vor 15 Jahren in Ernsthausen gebaut hatte. „Wir brauchen die neue Straße mit Bürgersteigen - besonders für die Sicherheit unserer Kinder“, sagte Klaus Halba dieser Zeitung. Der kreisweit als Fußballer und Trainer bekannte Hüne hatte sogar arrangiert, dass die Kindergarten-Kinder mit ihren Erzieherinnen zum Ort des Geschehens kamen und den ersten Spatenstich mit ihren roten Plastik-Schaufeln vollzogen.

Seit vielen Jahen auf der Wunschliste

Die Honoratioren ließen den jüngsten Bewohnern des Rauschenberger Stadtteils großzügig den Vortritt. Zuvor hatte Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich die Entstehungsgeschichte des Gemeinschaftsprojekts von Hessen Mobil, Stadt Rauschenberg und dem Zweckverband Mittelhessische Abwasserwerke (ZMA) skizziert. Seit vielen Jahren stehe der Straßenausbau auf der Wunschliste der Ernsthäuser. 2010 sei man schließlich in die intensive Planungsphase eingetreten. Die Umsetzung des Bauvorhabens sei eigentlich schon für das Jahr 2014 vorgesehen gewesen.

Ersmals gibt es durchgehend Bürgersteige

Eine große Anhäufung von für 2014 vorgesehenen Straßenbauprojekten des Landes Hessen habe schließlich zu einer Verschiebung in dieses Jahr gesorgt, erklärte der Bürgermeister. Die Stadt übernehme mit der Erneuerung der Wasserleitungen und dem Gehwegebau einen gewichtigen Part des Gesamtprojekts. „Erstmals bekommen wir entlang der Landesstraße durchgehende Bürgersteige. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“, sagte Michael Emmerich. Das gelte insbesondere für das Zentrum des dörflichen Lebens mit dem Gemeinschaftshaus Storchennest, dem Kindergarten, Sportplatz, Feuerwehrgerätehaus und Schulbus-Haltestelle.

Zahlreiche Anregungen von Anliegern

Dieses Zentrum sei künftig sicherer erreichbar, erklärte der Bürgermeister, der die gute Kooperation mit Hessen Mobil, dem ZMA, Ortsbeirat und den Ernsthäuser Bürgern würdigte. Aus den Reihen der Anlieger seien zahlreiche Anregungen gekommen, die zum Großteil umgesetzt worden seien. Alternative: durch den Matsch oder auf der Straße „Wir sind heilfroh, dass unsere Ortsdurchfahrt nach so vielen Jahren jetzt ausgebaut wird“, sagte Ernsthausens Ortsvorsteher Bernd Müller. Er beschrieb sehr drastisch, welche Auswirkungen die fehlenden Gehwege an der Landesstraße für die Ernsthäuser bis heute haben. Bei Regenwetter müssten die Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen, wenn sie nicht durch den Matsch am unbefestigten Straßenrand stapfen wollten. Der Ortsvorsteher äußerte die Befürchtung, dass auf der ausgebauten Wolferoder Straße gerast werden könnte und forderte dazu auf, eine solche mögliche Entwicklung aufmerksam zu beobachten.Wegen der Vakanz bei Hessen Mobil Marburg vertrat Peter Wöbbeking, Bevollmächtigter aus Eschwege, die Straßenplaner.

Ab Montag wird Straße voll gesperrt

Er bat die Anwohner und Verkehrsteilnehmer um Verständnis, dass die aufwändige Baustelle ab Montag unter Vollsperrung abgearbeitet werden müsse. Das gehe leider nicht ohne Beeinträchtigungen für die Bürger. Laut Wöbbeking wird nach dem Kanal- und Wasserleitungsbau auf der 550 Meter langen Wolferode Straße der gesamte alte Fahrbahnaufbau entfernt. Asphaltschicht, Binderschicht Deckschicht und Frostschicht werden neu eingebaut. Zudem erhält die Straße eine 20 Meter lange und drei Meter breite Querungshilfe. Die Umleitung zwischen Ernsthausen und Wolferode erfolgt ab Montag über Burgholz, Emsdorf und Hatzbach nach Wolferode. Der Lkw-Verkehr wird großräumig über Kirchhain und Langenstein umgeleitet.

von Matthias Mayer

Die Fakten
Die OP dokumentiert die wichtigsten Fakten zum Ausbau der Ernsthäuser Ortsdurchfahrt:
n Kosten: Die Gesamtkosten liegen bei 1,7 Millionen Euro. Das Land Hessen (Hessen Mobil) trägt die Hauptlast für den reinen Straßenbau in Höhe von 760 000 Euro, da die Ortsdurchfahrt eine Landesstraße ist. 670 000 Euro bringt die Stadt Rauschenberg für den Gehwegebau und für die Erneuerung von einem Kilometer Wasserleitungen auf.  Der ZMA trägt 250 000 Euro für den Austausch des Abwasserkanals.
n Bauzeiten. Das Projekt ist in zwei Bauabschnitte unterteilt. Der erste Bauabschnitt entlang der Wolferoder Straße zwischen dem Ortsschild und der Engstelle „Schlauch“ wird ab Montag umgesetzt. Im Herbst soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Für die einzelnen Gewerke gibt es diesen Zeitplan: Kanalbau: 30 Arbeitstage; Wasserleitungsbau: 50 Arbeitstage; Straßenbau: 120 Arbeitstage. Der zweite Bauabschnitt erfolgt ab dem 27. April 2016.
n Veranlagung: Für den Gehwegebau werden die Anlieger mit rund 8 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche veranlagt. Dazu kommt die Instandsetzung der Stützmauer am Friedhof, die zwischen 20 000 und 25 000 Euro kosten wird. 80 Prozent der Kosten trägt Hessen Mobil. Die restlichen 20 Prozent gehen zu Lasten der Stadt Rauschenberg und der Anlieger.
n Baubetreuung: Während der  Bauphase findet donnerstags um 8.30 Uhr im Baubüro die wöchentliche Baubesprechung statt. Anschließend haben die Bürger ab 9.30 Uhr die Gelegenheit, baustellenbedingte Probleme und Anliegen mit der Bauleitung zu besprechen.
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