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Wanderwart will von Kritik nichts hören

Zoff Wanderwart will von Kritik nichts hören

Es ist eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass man es niemals allen recht machen kann. Aber dann stellt sich die Frage, wie man mit Kritik oder Anregungen umgeht.

Großseelheim. Die Familie Schleicher nimmt gerne an Volkswanderungen im Landkreis teil. Die „schöne Umgebung erkunden“ ist das Ziel der Marburger, die bereits in einigen Ortschaften unterwegs waren und sich als passionierte Wanderer bezeichnen. Nun jedoch machten sie eine Erfahrung, die ihnen so gar nicht passt. Der Veranstalter in Großseelheim habe auf ihre Beschwerde allerdings nur mit „Schulterzucken und Ignoranz“ reagiert. Am Start sei ihnen mitgeteilt worden, dass die mit 5 Kilometern Länge angekündigte Strecke 7 Kilometer lang sei - und die 10-Kilometer-Strecke sogar 14 Kilometer. Ein Umstand, den selbst andere erfahrene Wanderfreunde im Gespräch mit dieser Zeitung kritisierten: Ein Drittel mehr könne gerade für ältere Teilnehmer zum Problem werden.

Die Schleichers wählten die längere Strecke, die zunächst über Feldwege mit grobem Schotter führte. Dies sei zwar unangenehm, aber verkraftbar gewesen, betonen sie. Dann jedoch führte die Strecke an einigen Stellen über Straßen oder gar an ihnen entlang, teilweise sogar durch schwer einsehbare Kurven. „Wie sollten ältere Menschen oder gar Familien mit Kindern diese Strecke möglichst gefahrlos bewältigen?“, fragt die Familie und berichtet, dass es auch keine oder kaum Schilder gegeben habe, mit denen die Autofahrer auf die Wanderer hingewiesen wurden.

Und auch an der Ausschilderung üben die Marburger Kritik. Sie hätten den Weg zwar gefunden, an einigen Stellen aber suchen müssen. Noch dazu sei es überflüssig gewesen, die Wanderer durch Anzefahr und die pralle Sonne zu schicken, statt sie durch den Wald oder an ihm entlanglaufen zu lassen.

Auf Kritik gibt‘s Gegenkritik

Das sieht Uwe Schröder, der Vorsitzende der Wanderfreunde Großseelheim ähnlich: „Die Lahnberge haben so schöne Waldstücke - die hätte man durchaus einbauen können.“ Die Kritik an den Streckenlängen nimmt er hin und erklärt, die Großseelheimer hätten aber keine Wahl gehabt, da sie drei Versorgungsstationen bei Privatleuten einrichten mussten, damit die Wanderer auf Toilette gehen oder Verpflegung bekommen konnten. Allerdings sei Josef Sprenger für die Strecken zuständig gewesen, sagt er und verweist auf den Wanderwart.

Dem geht sofort der Hut hoch. Er kritisiert, dass die Familie erst um 12.15 Uhr in Großseelheim angekommen sei - wobei der Start zwischen 7 und 13 Uhr möglich war. Noch dazu seien die Marburger die einzigen gewesen, die sich bei ihm über die Streckenführung beschwert hätten. Persönlichkeiten des Deutschen Volkssportverbandes seien mitgelaufen und hätten nichts auszusetzen gehabt beziehungsweise die Strecken für gut befunden. Zudem sehe er es als zumutbar an, wenn Wanderungen einige Hundert Meter über Straßen führten: „Wie soll‘s denn sonst nach Anzefahr gehen?“, fragt er, was die Schleichers mit einer Gegenfrage beantworten: „Warum führt die Strecke überhaupt durch Anzefahr?“

Auch die Kritik an der Markierung kann Sprenger nicht nachvollziehen, schließlich hätten die rund 300 Wanderer allesamt den Weg gefunden. Die gleiche Einstellung hat er zur Kritik an den Streckenlängen: Er dürfe die Länge verändern - und habe zudem organisiert, dass die tatsächlich gelaufenen Kilometer für den Wanderpass angerechnet werden. Als Letztes widmet er sich Schröder, der eine Strecke am Wald ebenfalls gut gefunden hätte, mit seiner Anregung aber ebenso wie die Marburger abperlt: „Der soll lieber mal was machen. Er ist doch nur Vorsitzender auf dem Papier.“

von Florian Lerchbacher

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