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Verein kämpft für einen Spieler

Walid Merzai droht Abschiebung Verein kämpft für einen Spieler

Seit einem Jahr spielt Flüchtling Walid Merzai für den RSV Roßdorf Fußball. Nun droht ihm die Abschiebung. Mit dem Aktionstag "RSV für Walid" will der Verein seinen Spieler unterstützen.

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Trainer Carsten Schneider (links) und Manuel Lecher (rechts) wollen mit dem RSV Roßdorf Geld sammeln, um Walid Merzai im Kampf gegen die Abschiebung zu unterstützen.

Quelle: Yanik Schick

Roßdorf. Am Dienstagabend erreichte den RSV Roßdorf die Nachricht, die im Verein für große Erleichterung sorgte: Mit Unterstützung einer Fachanwältin aus Gießen hatte Walid Merzai Klage gegen seinen abgelehnten Asylantrag eingereicht und damit eine sofortige Ausreise nach Afghanistan abgewendet. Nun kommt es zum Klageverfahren. „Wir stehen hinter Walid und vertreten seine Interessen“, betont Reinhard Ried, der Pressesprecher des RSV.

Mitte Februar war Merzai in einem Schreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) aufgefordert worden, das Land binnen 30 Tagen zu verlassen - ansonsten werde er abgeschoben. Zu diesem Zeitpunkt ein Schock für den 26-Jährigen, aber auch für den Verein, der sich monatelang um die Integration Merzais bemüht hatte.

Dies begann im Februar des vergangenen Jahres. Ein Spieler der Roßdorfer hatte Merzai, der gemeinsam mit anderen Geflüchteten in Rüdigheim untergebracht ist, beim Sport in der Mehrzweckhalle kennengelernt. Er lud ihn ein, doch einmal mit zum Training des RSV zu kommen. Ein Schritt, der sich sowohl für Merzai als auch für den Verein auszahlen sollte. Denn innerhalb weniger Wochen wurde der begabte Kicker nicht nur zur Verstärkung auf, sondern auch neben dem Fußballplatz. Er half bei Festen und Feiern, verkaufte Getränke, packte beim Festzelt-Aufbau mit an, fuhr sogar mit der Mannschaft auf Abschlussfahrt.

„Walid ist sympathisch und hilfsbereit. Auf ihn kann man sich immer verlassen“, berichtet Roßdorfs Trainer Carsten Schneider. Auch Merzai selbst profitiert von der Möglichkeit, beim RSV Fußball zu spielen. Sein Deutsch habe sich in den vergangenen Monaten wesentlich verbessert, er sei offener geworden, sagt er. „Ich bin dem Verein sehr dankbar. Die Leute hier haben ein großes Herz.“

Alles hängt vom Ausgang des Verfahrens ab

Seit einigen Wochen nimmt Merzai neben dem üblichen Deutsch-Kurs auch an einem Programm in Marburg teil, bei dem er die Sprache weiter lernen und Einblicke in handwerkliche Berufe erhalten kann. Er bemühe sich gerade um eine Ausbildung und tue alles, um in Deutschland bleiben zu können. Das hängt natürlich vom Ausgang des Verfahrens ab.

Die Anwaltskosten könnte der Flüchtling allein nicht stemmen, deshalb möchte ihm der RSV Roßdorf finanziell unter die Arme greifen. Morgen finden daher unter dem Motto „RSV für Walid“ zwei Spiele auf dem Sportplatz am Einweg statt, deren Einnahmen für diesen Zweck eingesetzt werden sollen: Um 15 Uhr trifft der RSV in einem Benefizspiel auf den SV Erfurtshausen, um 17 Uhr beginnt das Hessenliga-Spiel der Frauen zwischen Roßdorf und der SG Bornheim. Anschließend besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Beisammensein im Roßdorfer Sportheim. „Für uns ist es selbstverständlich, Walid zu helfen, denn das ist gelebte Integration. Wir hoffen auf viele Zuschauer“, so Manuel Lecher, der zweite Vorsitzende des RSV.

  • Der Verein hat zudem ein Spendenkonto eingerichtet. Weitere Infos finden Sie auf der Facebook-Seite des RSV Roßdorf.

von Yanik Schick

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