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Waffennarr schwört Waffen ab

Gericht Waffennarr schwört Waffen ab

Am Anfang stand ein Streit unter ehemaligen Kollegen um Geld. Am Ende fand sich einer der Streithähne wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Bedrohung vor dem Kirchhainer Amtsgericht wieder.

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Quelle: Jürgen Hüsmert/pixelio.de

Kirchhain. Der 34-jährige Handwerker sagte umfassend zum Tatgeschehen aus, dass sich laut Anklageschrift zwischen dem dem 14. Mai und dem 26. Juni 2013 ereignet haben soll. Was die bei einer Wohnungsdurchsuchung bei ihm gefundenen Waffen angeht - eine halbautomatische Pistole, ein Kleinkalibergewehr, einläufige und doppelläufige Perkussionsrevolver sowie Munition - machte er sofort reinen Tisch. „Die Waffen waren in meinem Besitz. Ich habe keine waffenrechtliche Erlaubnis“, räumte er ein. Als Grund für sein Handeln führte er „Begeisterung“ an: „Ich finde Waffen schön. Das hat bei der Bundeswehr angefangen.“ Er verzichtete auf die Herausgabe der von der Polizei beschlagnahmten erlaubnispflichtigen Waffen und Munition. „Ich bin von den Waffen geheilt“, sagte er.

Freundin will keinen Waffennarr heiraten

Wegen der Bedrohung sah er sich jedoch zu unrecht verfolgt. Der Auslöser des Konflikts gehe viel weiter zurück. Auf eindringliches und fortgesetztes Bitten seines zehn Jahre jüngeren Arbeitskollegen habe er diesem 2010 für die Finanzierung seiner Hochzeit 630 Euro geliehen. „Dem Geld laufe ich heute noch hinterher“, klagte der Angeklagte vor Amtsgerichstdirektor Edgar Krug und Staatsanwältin Annemarie Petri.

Immer wieder habe er seinen inzwischen arbeitslosen Kollegen zur Rückgabe des Geldes aufgefordert - vergeblich. „Er hat mich nur ausgelacht und immer wieder gesagt: Du hast nichts Schriftliches in der Hand“, empörte sich der Stadtallendorfer, der nach eigenem Bekunden seinem Kollegen sein letztes Geld überlassen hatte. Zwei Monate lang habe er seine Miete nicht bezahlen können, gab er an.

Wegen seiner Rückzahlungsforderungen sei sein Kollege dazu übergegangen, Drohungen gegen seinen Sohn auszusprechen. Daraufhin habe er dem Mann telefonisch beschieden, dass er ihn umbringen werde, wenn dieser noch einmal etwas zu seinem Sohn sage.

Trotz dieser Verwerfungen soll der 24-Jährige noch 2013 bei dem Angeklagten gewesen zu sein, um dessen Waffen zu kaufen. Das behauptete zumindest der Angeklagte. Seine Freundin habe das verschwinden der Waffen aus dem Haus zur Bedingung für eine Hochzeit gemacht. Und sein Ex-Kollege sei an den Waffen interessiert gewesen, erklärte der Angeklagte.

Der 24-Jährige drehte im Zeugenstand den Spies um. Wegen seiner „guten Kontakte in Stadtallendorf“ habe er im Auftrag seines Bekannten die Waffen verkaufen sollen. Das habe er aber abgelehnt. Er sei 2013 auch nicht in der Wohnung des Angeklagten gewesen. Das wiederum brachte die Angeklagten auf die Palme. Seine Freundin könne bezeugen, dass sein früherer Kumpel 2013 zur Besichtigung der Waffen in der Wohnung war. Der zeuge blieb bei seiner Aussage, auch nach der Belehrung durch die Staatsanwältin, dass er sich der Gefahr einer uneidlichen Falschaussage aussetzte.

Täter will Opfer gewesen sein

Außerdem gab er an, nie Geld von dem Angeklagten geliehen zu haben - auch nicht für seine Hochzeit. „Eine türkische Hochzeit kostet 25000 Euro. Da helfen mir 630 Euro nicht weiter“, sagte der redselige Zeuge, der seinem früherem Kumpel zudem ein Alkoholproblem unterstellte. „Es gab Tage, da hat er hundertmal wegen des Geldes angerufen“, klagte der Arbeitslose. „Warum? Grundlos wird der Angeklagte nicht bei Ihnen angerufen haben“, fragte Edgar Krug. „Wenn Sie seit 2011 keine Arbeitskollegen mehr sind - warum bleibt dann der Angeklagte so hartnäckig an der Sache dran?“, wollte Annemarie Petrie wissen. Beiden Fragen beantwortete der Zeuge nicht. Dafür erklärte er, den Angeklagten und dessen Sohn nicht bedroht zu haben, sondern selbst mehrfach das Opfer von Drohungen gewesen zu sein.

Staatsanwaltschaft wie Gericht verzichtete angesichts der dürftigen Beweislage auf den Anklagepunkt Bedrohung. Wegen unerlaubten Waffenbesitzes beantragte Annemarie Petri gegen den nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von 10 Monaten. Das Gesetz sehe allein für den unerlaubten Besitz einer halbautomatischen Waffe eine Mindeststrafe von 6 Monaten vor. Da ihm seine Freundin wichtige sei als die Waffen, könne man es wagen, die Straße auf drei Jahre zur Bewährung auszusetzen. Bewährungauflage: 1500 Geldstraße, zu zahlen an die Jugendkonflikthilfe.

Bewährung dank Einsicht

De Verteidigerin des Angeklagten warb für eine etwas niedrigere Bewährungsstrafe (acht Monate) und um eine Geldauflage in Höhe von 750 Euro.

Das Gericht folgte wesentlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, setzte die Geldauflage allerdings auf 1000 Euro fest. Edgar Krug begründete die Bewährungschance mit der Kooperationsbereitschaft und Einsicht des Angeklagten. Das Urteil erlangte durch Rechtsmittelverzicht sofort Rechtskraft.

von Matthias Mayer

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