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Vor allem Größe "M" ist Mangelware

Hilfsaktion Vor allem Größe "M" ist Mangelware

Mehr als 60 Helfer stehen bereit, um Kleider anzunehmen, zu sortieren, weiterzugeben und um die Flüchtlinge vom ­Zeltlager in das Jugendzentrum zu bringen.

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Zahra Vahedi (von links), Janine Schlotthauer und Gökuur Oskay sortierten gestern Nachmittag im Jugendzentrum gespendete Kleider. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Sharif ist aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, spricht lediglich englisch. Ihm sei es hier noch etwas kalt, sagt er. Aber jetzt, wo er mit einer Tüte voller Sachen vor der Tür des Jugendzentrums steht, macht er einen sehr zufriedenen Eindruck. Alle seien sehr, sehr nett zu ihm. Dann geht er zum Kleinbus, um zurück in das Zeltlager gefahren zu werden. Zelt für Zelt werden die Menschen angesprochen und zur Ausgabestelle gebracht.

Die Stadt hat eine einmalige Kleidersammlungsaktion organisiert, der Malteser-Hilfsdienst koordiniert die Arbeit. Rund 60 Helfer haben sich bisher zusammengefunden. Mittlerweile gibt es eine zweite Sortierstelle außerhalb des Jugendzentrums. „Es ist unser Ziel, allen Flüchtlingen bis zum Wochenende eine erste Ausstattung mitzugeben“, sagt Diakon Thomas Hielscher im Gespräch mit der OP, mitten zwischen Bergen von Kleidung, die sortiert werden. Gestern waren es genau 675 Menschen, die diese Erstausstattung benötigen. Für Hielscher wie für alle Helfer, zu denen auch zahlreiche Stadtverwaltungsmitarbeiter gehören, ist eine solche Nothilfe eine neue Erfahrung. Mancher habe auch ein wenig Angst vor der Situation gehabt. „Doch das läuft ganz prima, die Stimmung ist gut und die Menschen sind dankbar“, freut sich Thomas Hielscher. Am Mittwoch hatten Mitglieder der Feuerwehren aus Stadtallendorf und Homberg/Ohm mit zwei Lastwagen Kleidung vom Roten Kreuz in Marburg-Cappel abgeholt, die dort nicht gebraucht wurde.

Kleiderstube führt Sammlung künftig fort

„Das hat uns schon sehr geholfen“, sagt Hielscher. Gestern kamen weitere Lieferungen aus Marburg in Stadtallendorf an.

Geplant ist, dass die Kleidersammlung im jetzigen Umfang in der nächsten Woche weiterläuft. Danach wird das Team der Kleiderkammer der evangelischen Kirchengemeinde mit erweiterten Öffnungszeiten übernehmen. Dafür werden noch Helfer gesucht. Ein erstes Vorbereitungstreffen dafür ist laut Pfarrer Thomas Peters am Montag, 21. September, um 9 Uhr in der Kleiderstube neben der Stadtkirche geplant.

Was fehlt, was ist inzwischen genügend vorhanden? Es fehlt vor allem Kleidung für Männer, wie Hielscher berichtet, vorwiegend der Größe M, also ­eine Durchschnittsgröße. Kinderbekleidung ist schon genügend vorhanden. Unterwäsche musste neu beschafft werden. Sie ist bei Kleidersammlungen ohnehin immer Mangelware. Unterdessen hat der Kreis, der das Zeltquartier weiterhin für das Land führt, eine entsprechende Verwaltungsstruktur aufgebaut. Der Kreis mit hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern hat diese Aufgabe seit Aufstellung der knapp 60 Zelte am vergangenen Wochenende übernommen. Seit gestern ist ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Gießen vor Ort, um die Übernahme der Unterkunft vorzubereiten und als Bindeglied mitzuarbeiten.

Am Mittwochabend haben Einheiten des Katastrophenschutzes aus dem benachbarten Kreis Waldeck-Frankenberg ihre Kameraden aus dem Vogelsberg bei der Betreuung der Flüchtlinge in der Zeltunterkunft abgelöst. „Wir haben heute Mitglieder unseres Katastrophenschutzes informiert, dass sie am Freitagabend den Dienst in der Unterkunft möglicherweise wieder übernehmen könnten“, so Kreissprecher Stephan Schienbein gegenüber der OP. Wenn das erforderlich ist, wird ihre ehrenamtliche Arbeit bis Sonntagabend dauern. Die Versorgung läuft weiter über die Kantine der Bundeswehr und funktioniert, wie Hauptmann Kireon Kleinert, Sprecher der Division Schnelle Kräfte, der OP berichtete. Mittlerweile hätten viele Flüchtlinge auch ihre Scheu vor Uniformierten abgebaut. „An der Essensausgabe gibt es viele Gespräche zwischen Soldaten und Flüchtlingen“, sagt Kleinert.

von Michael Rinde

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