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Von wegen stille Nacht: Stress an Heiligabend

Gericht Von wegen stille Nacht: Stress an Heiligabend

Auf einen Überholvorgang an Heiligabendfolgten eine verbale Auseinandersetzung, Tritte und Schläge - so zumindest hieß es in derAnklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Niederklein. Auf der Anklagebank saß ein 26-jähriger Homberger. Ihm wurde vorgeworfen, einen 23-jährigen Mann, der ihn an Heiligabend auf der Landesstraße zwischen Stadtallendorf und Niederklein überholt hatte, an der Kreuzung in Niederklein misshandelt zu haben. Laut Anklage stieg er dort aus seinem Auto aus, öffnete die Fahrertür des Opfers und trat mehrfach auf den 23-Jährigen ein. Als dieser sich aus seinem Auto befreit hatte, soll ihm der Angeklagte noch einen Fausthieb ins Gesicht versetzt haben.

Nachdem die Aussagen der geladenen Zeugen den Tathergang nicht aufklären konnten, stellte Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug das Verfahren nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung vorläufig ein. Allerdings muss der Angeklagte auf Anregung der Staatsanwaltschaft dem Opfer 500 Euro Wiedergutmachung und zudem 500 Euro an die Rettungsstiftung Jürgen Pegler bezahlen.

Der Angeklagte hatte ausgesagt, dass er am Abend des 24. Dezember mit seiner Frau von Stadtallendorf aus Richtung Homberg gefahren sei. Ihm sei sein Schwager gefolgt. Auf Höhe des Autohauses Schwalm in Stadtallendorf sei der Schwager vom Geschädigten „rasant überholt“ worden. Nur wenige Augenblicke später habe das Opfer ihn zwischen Stadtallendorf und Niederklein geschnitten: „Er fuhr mindestens mit 140 Kilometern pro Stunde. Ich habe einen solchen Schreck bekommen, dass ich stark nach rechts ausgewichen bin“, verteidigte sich der 26-Jährige.

„Beim nächsten Mal die Scheiben oben lassen“

Er erklärte weiter, dass er den „Raser“ mit der Lichthupe auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht habe. Nach den Schilderungen des Angeklagten habe das Opfer dann auf der Linksabbiegespur an der großen Kreuzung in Niederklein angehalten, obwohl die Ampel grün zeigte.

Dort, so der Angeklagte, hielt er rechts neben dem Geschädigten an, da er über Schweinsberg nach Homberg fahren wollte. Das Opfer habe an diesem Punkt die Scheibe seines Fensters herunter gelassen und dabei wild gestikulierend gefragt, was er denn für ein Problem habe.

Er habe daraufhin den Raser auf sein rücksichtsloses Fahren hingewiesen. Daraufhin seien er und der 23-Jährige ausgestiegen. Hinter den Fahrzeugen sei es zu einer Rangelei gekommen, in deren Verlauf er seinem Gegenüber zweimal mit der flachen Hand an der Schulter und der Brust getroffen habe. Mehr sei nicht passiert, beteuerte der Angeklagte.

Ganz anders schilderte das Opfer das Tatgeschehen. Er habe innerhalb von Stadtallendorf kein Auto überholt und die Aktion auf der Landstraße sei ein ganz normaler Überholvorgang gewesen. Der Fahrer des überholten Autos habe daraufhin ständig die Lichthupe betätigt. An der Kreuzung habe er nur angehalten, um den Angeklagten nach dem Grund für sein Verhalten zu befragen. Daraufhin sei er vom Angeklagten mehrfach getreten und geschlagen worden. Erst beim Eintreffen seines Schwagers an der Kreuzung habe der Angeklagte von ihm abgelassen und sei geflohen, sagte der Geschädigte.

Die Partnerinnen der beiden Protagonisten bestätigten zum Teil wortgleich das Tatgeschehen, wie es zuvor von ihren Partnern vorgetragen worden war. Der Schwager des Angeklagten konnte zur Sache nichts sagen, dessen Frau machte von ihrem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch. Blieb als Tatsachenbeweis der Arztbericht. Der bescheinigte dem Opfer multiple Prellungen und erhebliche Verletzungen an einer Hand und an den Schulterblättern.

Richter Edgar Krug sprach von einer völlig überflüssigen Eskalation an Heiligabend und gab den beiden Streithähnen mit auf den Weg: „Beim nächsten Mal die Scheiben besser oben lassen“.

von Yanik Schick

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