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Von der späten Liebe zu Afrika

Lesungen Von der späten Liebe zu Afrika

Gut 60 Besucher kamen zur Lesung des Schriftstellers Dr. Mathias Schröder in das Jugend- und Kulturzentrum und waren angetan von seinen Schilderungen.

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Dr. Mathias Schröder wuchs in Kirchhain auf. Für zwei Lesungen kehrte er in die Ohmstadt zurück.

Quelle: Klaus Böttcher

Kirchhain. Dr. Mathias Schröder ist Mediziner aus Leidenschaft, ist in seinem Leben viel gereist, hat irgendwann seine Liebe zu Afrika entdeckt und wurde in den 1970er Jahren zum großen Schriftsteller.

Schon zum zweiten Mal war Dr. Schröder in Kirchhain und erfreute die Besucher mit einer Lesung. Das hat einen guten Grund, denn 1941 in Kassel geboren, wuchs er in Kirchhain auf. Nach seinem Studium der Medizin in Paris, Marburg und Saarbrücken und einigen Auslandsjahren als Arzt ließ er sich 1972 als Allgemeinmediziner in München nieder.

Nach 29 Jahren habe er etwas anderes machen wollen, berichtete er den Kirchhainern. Seine Schwester war als Ärztin in Afrika tätig, was ihn darin unterstützte als Missionsarzt nach Kamerun zu gehen. Dort arbeitete er von 2002 bis 2004 in drei Krankenhäusern der Europäischen Baptistischen Mission.

Liebe zur Afrika bei Lesung spürbar

Seine Liebe zu Afrika und die Empathie, die seine Arbeit als Arzt dort begleitete, wurden bei seiner Lesung überaus deutlich. Bereits am Vorabend war Schröder zu Gast bei der Alfred-Wegener-Schule. Weil dort die 300 Schülerinnen und Schüler so begeistert auf seinen Vortrag „Als Missionsarzt in Afrika“ reagiert hatten, baute der Autor sein Lesungsprogramm um, verzichtete auf die Erzählung „Weiße Weihnachten“ und wiederholte seinen Vortrag.

Dr. Schröder las etliche Gedichte aus dem Band „Gegen den Strom“, aber auch aus dem Buch „Stirbst du nicht, dann lebst du nicht“.

Sehr angetan waren die Zuhörer von den „Kameruner Impressionen“ aus dem Buch. Darin schildert er sehr lebhaft sein Leben als Missionsarzt von der Ankunft bis zu dem Zeitpunkt, als er - selbst schwer erkrankt - Afrika verlassen muss. Eindrucksvoll schildert er die Rettung eines jungen Afrikaners aus einem Pool. Dieser war ertrunken, erlitt einen Herzstillstand, wurde aber von dem Arzt reanimiert. Der Autor beschreibt in der Erzählung die Zustände des Landes, das Leben und die Kultur der Menschen sowie die für Europäer sehr ungewöhnlichen klimatischen Verhältnisse.

Beklemmende und eindringliche Schilderungen

Er schildert einzelne Schicksale und schont die Zuhörer dabei nicht. Beklemmend und eindringlich zugleich ist seine Schilderung von der Behandlung eines todkranken Kindes, das letztendlich starb.

In seinem Vortrag, der mit rund 60 Fotos anschaulich bebildert war, stellte er Afrika und insbesondere Kamerun vor, erzählte von seiner Arbeit in den Krankenhäusern, den Besonderheiten und der Schönheit des Landes, verschwieg nicht das Elend und die vielen Krankheiten, besonders auch bei Kindern, die ihm sehr am Herzen lagen und liegen.

Der Schriftsteller hat viele Gedichte, Erzählungen und Romane geschrieben. Der Durchbruch gelang ihm 1976 mit dem später verfilmten Roman „Krähenbaum“. Sein Erstlingswerk spielt auf dem Ordensrittergut Werflo bei Marburg im Kriegswinter 1944. Verschiedene Frauen leben dort mit ihren Kindern. Unter diesen befindet sich ein adoptierter jüdischer Junge. Der wird verraten und ins KZ verschleppt.

Die von der Stadt veranstaltete Lesung wurde musikalisch mit Gesang und Gitarre von Kathrin Botthof begleitet, einer Schülerin der Alfred-Wegener-Schule.

von Klaus Böttcher

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