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Von Turnern und Uefa-Cup-Siegern

Jubiläum Von Turnern und Uefa-Cup-Siegern

Anlässlich des 125-jährigen Vereinsbestehens haben die Mitglieder des TSV Amöneburg allen Grund zu feiern. Bei aller Vorfreude äußert Schriftführer Dietmar Müglich auch Kritik.

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Amöneburger Turner im Jahr 1934 (von links): Josef Neuhöfer, Karl Zecher, Heinrich Maus, August Weber, Norbert Kliem, Julius Herda, Franz Marschall und Albert Braun.Privatfotos

Amöneburg. Heute geht es richtig los mit den Feierlichkeiten anlässlich des 125-jährigen Bestehens des TSV Amöneburg: Um 18 Uhr findet in der Stiftskirche ein Festgottesdienst statt, um 20 Uhr beginnt in der Aula der Stiftsschule der Festkommers. Für den 1. Mai planen die Amöneburger einen Maischoppen auf ihrem Sportgelände (ab 10 Uhr), vom 28. bis 30. Juni findet dann ein Sportwochenende mit Familientag statt. Den Auftakt am 28. Mai machen die Alten Herren mit einem Kleinfeldturnier, einen Tag später stehen dann Spiele von Jugendteams auf dem Programm, ehe es abends zum Aufeinandertreffen einer Amöneburger Stadtauswahl mit der Stadtallendorfer Eintracht kommen soll. Am Sonntag, 30. Juni, richtet der TSV einen Familientag mit Spielangeboten für Kinder aus. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet am 19. Oktober ab 19 Uhr ein Sportlerball in der Stiftsschule, bei dem diverse Verbände verdiente Vereinsmitglieder ehren wollen. Dann soll auch eine Vereinschronik erscheinen, die Gerhard Kleindopf in den vergangenen sechs Jahren in mühevoller Kleinstarbeit erstellte.

Weit mehr als 500 Seiten voller Informationen hat der gelernte Bauzeichner zusammengetragen und dafür stapelweise Protokollbücher gewälzt - zahlreiche waren in Sütterlin verfasst, einer Schrift, die sich Kleindopf erst einmal aneignen musste. Um die Geschehnisse des Vereinslebens zeitlich besser einordnen zu können, hat er die Chronik mit Infos zur Weltgeschichte ergänzt - aber auch zu Ereignisse in und um Amöneburg, wie dem Flugzeugabsturz im Jahr 1927.

39 Jahre zuvor, genauer gesagt am 5. Juni 1888, hatten 46 Männer unter Vorsitz von Georg Braun den Amöneburger Turnverein aus der Taufe gehoben. Laut Chronik kristallisierten sich „wahre Spitzenturner“ heraus, die sich bald einen „guten Ruf im weiten Land“ erarbeiteten. Am 6. März 1925 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dem Turnverein eine Fläche „an der Winneburg“ (Wenigenburg) als Turnplatz pachtfrei zu überlassen.

Nach dem Krieg kommt es zum Zusammenschluss

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Am 1. Juli 1946 schlossen sich dann jedoch der Turnverein mit der Sportgruppe des katholischen Männerwerkes zum „TSV 1888 Amöneburg“ zusammen. Julius Herda nahm die Geschicke in die Hand und versuchte, das Turnen im Verein wieder neu zu beleben - allerdings rückte der Fußball immer mehr in den Vordergrund. Am 11. September 1949 fand dann das erste Verbandsspiel des TSV Amöneburg (gegen Rauischholzhausen) statt.

In späteren Jahren stand die Sportplatzfrage im Vordergrund: Zunächst schlugen die Bemühungen, den Platz auf der Wenigenburg weiter auszubauen, fehl. 1961 setzten sich Stadtverwaltung und Bürgermeister Hans Kewald gegen Kreisverwaltung und Landeskonservator durch und die zehn Jahre zuvor begonnene Arbeiten am Fußballplatz wurden beendet.

Im Jahr 1962 feierte der TSV Amöneburg in der B-Klasse Gruppe III den ersten Meistertitel. 1971 gründete sich eine Frauenfußballmannschaft, die etwas mehr als ein Jahrzehnt existierte und 1975 als erster Kreismeister in die Geschichte einging.

1974 gründeten die Berger die Tischtennisabteilung. Der nächste Höhepunkt stand dann zu Beginn der Saison 1982/1983 an, als der TSV sein neu geschaffenes Vereinsheim einweihte, während die Stadt dem Club den gleichfalls neu angelegten Rasenplatz übergab, der das Feld an der Wenigenburg ablöste.

1988 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen - unter anderem mit einem Gastspiel des Uefa-Cup-Siegers Bayer Leverkusen, der eine Kreisauswahl mit 10:2 vom Platz fegte. Im selben Jahr wurde eine Frauengymnastikgruppe im Verein integriert.

Das neue Jahrtausend prägten Umbauarbeiten am Sportgelände, das nun unter anderem über einen Soccercourt und eine naturbelassene Tribüne verfügt.

Die Infrastruktur des TSV ist also gut, am Engagement der Mitglieder hat Schriftführer Dietmar Müglich allerdings etwas auszusetzen: „Das Vereinsleben an sich gestaltet sich etwas schwierig. Es sind immer weniger Mitglieder, die sich engagieren.“ Die Besetzung der Vorstandsämter sei zwar kein Problem, es klemme jedoch bei der Jugendarbeit: „Es gibt kaum Eltern, die Verantwortung übernehmen wollen oder sich engagieren. Zudem ist die Position des Jugendleiters unbesetzt, seitdem sich Sascha Ferber zurückgezogen hat - der sich aber weiterhin um zwei Teams kümmert und selbst drei Kinder hat“, so Müglich. Insgesamt fehle es an Zuverlässigkeit: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl von früher ist nicht mehr vorhanden“, fasst er zusammen und hofft auf Besserung.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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