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Vom hoffnungslosen Fall zum Champion

Langesteiner Reiterin gewinnt zwei EM-Titel Vom hoffnungslosen Fall zum Champion

Beim Umgang mit dem Wort Sensation ist Vorsicht geboten. Wer die Leistungen würdigt, die Alexandra Klee und ihr Pferd bei der Europameisterschaft der American Quarter Horses gebracht haben, kommt an dem Wort nicht vorbei.

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Bevs Sujo lässt seine imposanten Muskeln spielen und Alexandra Klee sitzt entspannt im Sattel. Das Paar gewann bei der Europameisterschaft in der Oberpfalz zwei Goldmedaillen und eine Bronzemedaille. Foto: figure-eight

Langenstein. Bei der Europameisterschaft in Kreuth/Rieden (Oberpfalz) gewann die Langensteiner Western-Reiterin mit ihrem Hengst Bevs Sujo zwei Titel. Das Unglaubliche daran: Das Hochleistungspferd Bevs Sujo hätte es eigentlich nicht mehr geben dürfen. Und das gleich zweimal.

2010 gewann Alexandra Klee bei den Weltreiterspielen in Aachen mit ihrem Traumpferd zwei Goldmedaillen. Nach diesem Riesenerfolg wollte Alexandra Klee den Quarter-Hengst nach 13 Jahren im Hochleistungssport eigentlich aus dem großem Sport abziehen. Bevs Sujo sollte in der Zucht und im Freizeitsport ein leichteres Leben haben. Der gleitende Wechsel in den Vorruhestand wurde 2011 begleitet von mehreren Goldmedaillen und einer Bronzemedaille bei der DM in Aachen.

Schock nach Unfall

Im Januar 2013 der Schock: Bei einem Unfall auf der Weide brach sich der Hengst ein Hinterbein. Solch schwere Verletzungen sind für viele Pferde das Todesurteil, weil viele Reiter die kostspielige Operation mit unsicherer Prognose und die teure Reha nicht bezahlen können. Alexandra Klee ließ den Hengst an der Berliner Uni-Klinik operieren. Nach der erfolgreichen OP durchstand das Kraftpaket auch die wochenlange Aufbauarbeit im Reha-Zentrum Equivate bei Hannover.

„Es war ein kräftezehrendes und sehr kostenintensives Jahr für uns. Diesen Schritt hätten sicherlich nicht viele Pferdebesitzer mit ihren Pferden durchgestanden, vor allem weil unsere Prognose aus tierärztlicher Sicht lediglich schmerzfreies Weide- und Freizeitpferd war“, blickt Alexandra Klee auf diese schwierige Zeit zurück.

Aber der in der Zucht längst sehr erfolgreiche gekörte Hengst kämpfte sich von der Weide zurück ins Rampenlicht. Die Deutsche Quarter Horse Association zeichnete ihn mit dem Titel Elitehengst aus.

In diesem Jahr meldete sich das Paar sogar auf den Turnierplätzen zurück und erarbeitete sich dafür zwei neue Disziplinen. Beim Cowhorse muss das Pferd vorgegebene Aufgaben an einem Rind abarbeiten. In dieser rasanten Disziplin erreichte Alexandra Klee mit ihrem inzwischen 19 Jahre alten Hengst bei der EM Rang vier.

Ihre zweite neue Wettbewerbsform ist die Ranch Horse Pleasure. Sinn dieser Prüfung ist, Vielseitigkeit, Ausdruck und Gangwerk eines Arbeitspferdes zu zeigen. Sie widerspiegelt das praktische Reiten und die Manöver, die bei der Rancharbeit oder im Gelände anfallen.

Da Bevs Sujo zu 90 Prozent im Gelände geritten wird, fühlt sich das Paar in dieser Disziplin sehr wohl und errang sowohl in der offenen Klasse (mit Beteiligung der Profis) als auch in der Amateurklasse die Europameister-Titel. Die Bronzemedaille in der Amateurklasse Halter für Hengste ab 4 Jahren runden den sagenhaften Erfolg ab. Im Wettbewerb Halter werden der Körperbau des Pferdes beurteilt und viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres und ein Pferd mit gut ausgeprägter Muskulatur gelegt. Zudem schaffte die Reiterin mit dem zweitältesten EM-Pferd den Einzug ins Finale der Königsdisziplin Reining und erreichte hier bei den Amateuren Rang acht.

Wie geht es jetzt weiter mit dem betagten Elitehengst? Die Worte „Ruhestand“ und „Weide“ kommen Alexandra Klee nach dem fürchterlichen Unfall nicht über die Lippen. Deshalb formuliert sie die Perspektive vorsichtig: „Wir konzentrieren uns jetzt mehr auf die Zucht und lassen die Turniere erst mal außen vor.“

von Matthias Mayer

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