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Vom fröhlichen Zecher zum verdienten Freiherrn

Franz von Dingelstedt Vom fröhlichen Zecher zum verdienten Freiherrn

Franz von Dingelstedts Leben und Wirken schien einige Halsdorfer zu interessieren. Am Montagabend war das Interesse an der kleinen Feierstunde größer als von manchen erwartet.

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Halsdorfer intonierten am Montagabend gemeinsam das „Weserlied“ Dingelstedts, die Gemeinde hatte Liedzettel verteilt. Foto: Michael Rinde

Halsdorf. Er war Literat und Regisseur, zeitweise auch Revolutionär und er war geborener Halsdorfer. Am 30. Juni 1814 wurde Franz von Dingelstedt dort geboren. Am Montagabend erinnerte die Gemeinde Wohratal in einer Feierstunde am Lindenplatz, direkt daneben stand einst Dingelstedts Elternhaus, an die Berühmtheit. Gleich zweimal erklang an diesem Abend das „Weserlied“ Dingelstedts, einmal zu Beginn vom Männergesangverein Halsdorf, einmal am Ende von allen Anwesenden gemeinsam. Dieses Lied ist inzwischen in Vergessenheit geraten, zu Dingelstedts Zeiten war es populär.

In seiner Begrüßung übernahm Bürgermeister Peter Hartmann die Würdigung des Mannes, der es zum Leiter des Wiener Burgtheaters brachte, zu einem der bedeutendsten Regisseure seiner Zeit. Dingelstedt habe Repressalien durch die Restauration gegeißelt, nicht verbissen, sondern ironisch. Hartmann wies aber auch auf einen dunklen Fleck in Dingelstedts Werken hin, auf eine antisemitische Äußerung. Dingelstedt lehnte die damalige Emanzipation der Juden ab. Hartmann verwies, ebenso wie später Horst Becker aber auch darauf, dass sich Dingelstedt mit einigen jüdischen Zeitgenossen sehr gut verstanden habe. Es fiel an diesem Abend den Halsdorfern Wilhelm Engel und Horst Becker zu, den rund 60 Teilnehmern einen Einblick in das Leben und Schaffen Dingelstedts zu geben. Im Alter von acht Jahren hatte er mit seinen Eltern Halsdorf in Richtung Rinteln verlassen. Einmal kehrte er belegtermaßen definitiv noch zurück, am 18. Oktober 1846, damals bereits als Hofrat mit Gefolge. Er besuchte damals seinen Onkel. In seinem Tagebuch habe Dingelstedt Halsdorf damals als „sehr öde“ bezeichnet, sagte Engel. Ihm gelang es ebenso wie Horst Becker, ein ungefähres Bild von dem Mann zu schaffen, an den die Gemeinde erinnerte. Becker konzentrierte sich auf Leben und Werk, Engel auf Dingelstedts Halsdorfer Zeit. Freiherr Franz von Dingelstedt war in jüngeren Jahren offenbar ein fröhlicher Student. In Marburg studierte er Theologie. „Er war ein froher Zechkumpan, verliebte sich alle acht Wochen in ein anderes Mädchen“, charakterisierte Becker den jungen Studenten. Dabei zeichnete sich früh ab, dass Dingelstedt große Talente hatte. Das Studium der Theologie begeisterte ihn allerdings nicht, er wollte schreiben und sich Wissen in vielen Fachrichtungen aneignen. Er wurde Lehrer. Wendepunkt in seinem Leben wurde sein Eintritt in den Hofdienst bei König Wilhelm von Württemberg, der ihn auch zum Hofrat ernannte. Das brachte ihm die Häme seiner liberalen Gesinnungsfreunde vergangener Zeiten ein, die ihn laut Becker als „Verhofräther“ geißelten. Höhepunkt und Abschluss seines beruflichen Werdegangs war die Zeit als Leiter des Wiener Burgtheaters, die im Jahr 1870 begann. Dingelstedt starb am 15. Mai 1881 in Wien.

Unter den Besuchern der Feierstunde waren auch zwei direkte Nachfahren Franz von Dingelstedts, die Brüder Bernd und Karl-Heinz Braun aus Halsdorf. Sie sind Nachfahren Dingelstedts in sechster Generation und haben sich mit dessen Leben ebenfalls intensiv beschäftigt. Horst Becker hat aktuell auch ein Buch über Franz von Dingelstedt verfasst, worauf Halsdorfs Ortsvorsteher Hans-Georg Scheufler hinwies.

von Michael Rinde

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