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Vom Zusammenleben zum Kennenlernen

Tag der offenen Moschee Vom Zusammenleben zum Kennenlernen

Am bundesweiten Tag der offenen Moscheen gewährten die Fatih-Camii-Gemeinde, die Aleviten und der Bildungs- und Integrationsverein einen Einblick in ihre Gebetshäuser.

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Der Dialogbeauftragte Serdar Özsoy (rechts) gibt Jürgen Berkei einen Einblick in die Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Fatih Camii.

Quelle: Yanik Schick

Stadtallendorf. Die Menschen müssen offen sein und aufeinander zugehen, betont Kerim Oktan im Gespräch mit der OP. Für den Vorsitzenden der großen Türkisch-Islamischen Gemeinde Fatih Camii in Stadtallendorf ist ein gesundes Miteinander unabdingbar: „Fakt ist: Wir leben alle hier zusammen - also müssen wir uns auch kennenlernen. Menschen sollen sich nicht nur von Weitem sehen“, sagt Oktan über die vielen verschiedenen Kulturen, die in Stadtallendorf koexistieren. Und gerade deswegen freut sich die Gemeinde über einige hundert Besucher, die sich am Tag der offenen Moschee einmal bei Fatih Camii umsehen möchten.

„Die Moschee ist sehr vielen Leuten fremd“, beobachtet Serdar Özsoy, der Interkulturelle und Interreligiöse Dialog-Beauftragte. Er führt Gruppen durch das Gebetshaus, beantwortet Fragen und gibt Einblicke in den Alltag eines Muslims. „Unsere Türen stehen ohnehin immer offen“, betont er.

Gemeinsam mit seiner Frau Lydia und den Kindern ist Jürgen Berkei zu Gast. Der Stadtverordnete staunt über die Einrichtung der Moschee. „Schon auf den ersten Blick ist interessant, dass der gesamte Raum leer ist“, beobachtet Berkei. Bänke wie etwa in einer christlichen Kirche sind nicht zu sehen. Die Muslime beten direkt auf dem Teppichboden. Außerdem stechen Berkei sofort die von Hand gemalten Ornamente an den Wänden ins Auge. „Das ist echt spannend“, sagt er.

Nur ein paar Kilometer weiter begrüßt die Alevitische Gemeinde in Stadtallendorf ebenfalls einige Gäste. Im Cemevi, wie die Aleviten ihr Gebetshaus nennen, hält der Vorsitzende Togay Isikli einen Vortrag über die schwierige Geschichte der Glaubensgemeinschaft. Schon im Osmanischen Reich wurden Aleviten verfolgt und unterdrückt - noch heute erkennt der türkische Staatspräsident Recep Erdogan das Alevitentum nicht als eigenständige Glaubensrichtung an. In Stadtallendorf befürwortet Togay Isikli daher den Austausch mit Interessierten: „So bekommen wir eben die Gelegenheit, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.“

Einer davon ist Michael Goetz, ebenfalls ein Stadtverordneter. Von den Aleviten hat er schon viel gehört - vor Ort möchte sich Goetz nun ein genaues Bild machen. „Mir gefallen vor allem die Toleranz und die Weltoffenheit, die das Alevitentum prägen“, resümiert er am Ende des Vortrags.

Die wenigsten Besucherzahlen hat indes die Neue Moschee in der Albert-Schweiter-Straße zu vermelden. Gerade einmal eine Hand voll Personen schauen sich über den Nachmittag verteilt im Gebetshaus um. Vorbeter Ali Gökalp bedauert das vermeintlich geringe Interesse -den besonderen Tag erachtet er nichtsdestotrotz als enorm wichtig. „Gerade in der letzten Zeit bringen viele den Islam mit Terrorismus in Verbindung. Aber Islam ist Frieden“, sagt Gökalp mit Nachdruck. Und mit dieser Botschaft lohne es sich, aufeinander zuzugehen.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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