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Vom Sudetenland bis Syrien

Flucht und Vertreibung Vom Sudetenland bis Syrien

Zum zweiten Male richtet die Stadt Stadtallendorf einen „Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation“ aus. Wie die Entwicklung zeigt, ist das Thema aktueller denn je.

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Beim Gedenktag für Flucht und Vertreibung diskutierten vor einem Jahr unter anderem Wilma
Pieler (von links) und Helmut Rohm mit Moderator Herbert Köller. Archivfoto

Stadtallendorf. Vor den Toren Stadtallendorfs leben derzeit 400 Menschen, Stand Dienstagnachmittag, in Zelten. Sie haben ihre Heimat aus ganz unterschiedlichen Gründen verlassen, aus Not. Aktuell jähren sich Flucht und Vertreibung zum siebzigsten Male. Millionen Menschen verloren ihre Heimat und fanden auf dem heutigen Gebiet der Bundesrepublik eine neue. Diesem thematischen Spagat widmet sich am Samstag der nunmehr zweite „Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation“ in Stadtallendorf. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadt, unter anderem aus dem Dokumentations- und Informationszentrum, des Heimat- und Geschichtsvereins und der Georg-Büchner-Schule (GBS) haben die Veranstaltung vorbereitet.

Ein verbindendes Element zur Premierenveranstaltung im vergangenen Jahr werden die „Leit(d)pfosten“ sein, seinerzeit von Schülern der GBS gestaltet. Sie werden aber am Samstag nicht in der Kernstadt stehen, sondern im Foyer der Stadthalle. Das Programm beginnt um 14 Uhr zunächst mit einer ökumenischen Andacht, gehalten von den Pfarrern Thomas Peters und Diethelm Vogel. Dr. Jeannette van Laak, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, schlägt einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie hält einen kurzen Vortrag über die Geschichte der Flüchtlingsaufnahme im Notaufnahmelager Gießen - und zwar für die Zeit von 1945 bis 1989. Van Laak hat nach Angaben der Veranstaltungsorganisatoren die Geschichte der jetzigen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen erforscht. Anschließend wechseln sich Beiträge von Schülern der GBS, der Klasse von Marina Flanderka, mit Zeitzeugengesprächen und Beiträgen des Männergesangvereins Stadtallendorf ab. Hubert Hofmann etwa stammt aus dem Sudetenland, die Flucht führte über die „sowjetisch besetzte Zone“ nach Westdeutschland. Die Wurzeln von Ursula Otto liegen in der Mark Brandenburg, bevor sie der Weg nach Allendorf führte. Lisa Torfah ist die dritte Zeitzeugin, sie stammt aus Syrien und studiert in Marburg Medizin.

Alle diese Gespräche moderiert Herbert Köller vom Heimat- und Geschichtsverein. Bürgermeister Christian Somogyi betonte bei der Präsentation des Veranstaltungsprogramms die „Herausforderung, vor der wir alle stehen angesichts der Flüchtlingskrise“.

Bei den Beiträgen der Schüler gehe es um „Frieden, Krieg und die Menschen“, wie Marina Flanderka erläutert.

n Die Gedenkveranstaltung beginnt um 14 Uhr mit dem etwa zweistündigen Programm in der Stadthalle. Anschließend besteht ausführlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen.

von Michael Rinde

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