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Vom Spielplatz zum Drogenkonsum

Aus dem Gericht Vom Spielplatz zum Drogenkonsum

Dreieinhalb Stunden zähen Ringens um die Wahrheit lagen vor Richter Gernot Christ, als er den zweiten Verhandlungstag gegen ein Brüderpaar eröffnete, das wegen Drogenhandels und eines Überfalls angeklagt ist.

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Ein Bruderpaar muss sich wegen des Handels mit „Gras“ vor Gericht verantworten.Archivfoto

Quelle: Abir Sultan

Stadtallendorf. Vor Beginn der umfangreichen Zeugenvernehmung fragte Richter Gernot Christ den jüngeren der beiden Angeklagten, der als Kopf des Stadtallendorfer Dealerduos gilt, woher er die Drogen bezogen habe. Der Mann erklärte, er habe in Frankfurt Marihuana in der Größenordnung zwischen 20 und 50 Gramm etwa einmal pro Woche erworben. Auf Nachfrage des Richters berichtete er von einem Einkaufspreis von 8 Euro pro Gramm und einem Verkaufspreis von 11 Euro pro Gramm. Selbst habe er rund fünf Gramm pro Tag konsumiert.

Eindringlich wies der Richter anschließend die sechs zum Teil noch minderjährigen Zeugen darauf hin, dass sie vor Gericht die Wahrheit sagen müssten, dabei sich oder einen Verwandten aber nicht belasten müssten und die Aussage verweigern könnten.

Die Balance zwischen Wahrheit und den Blickwinkel auf das eigene Vergehen des Drogenkonsums fiel allen geladenen Zeugen dann auch sichtbar schwer. Die Aussagen begann immer gleich: Man kenne das Brüderpaar nur vom Sehen, habe sich beim Fußballspielen oder über Bekannte auf dem Spielplatz in der Mozartstraße kennengelernt und danach in der nahegelegenen Wohnung der Brüder etwas „zusammen geraucht“.

Jeweils erst mit Vorhaltungen aus den Polizeiakten gelang es Richter Christ, die Zeugen zu weitergehenden Aussagen zu veranlassen. Sie gaben letztendlich auch zu, Drogen bei dem Brüderpaar gekauft zu haben.

Häufig blieben die Aussagen jedoch hinter den bereits gestandenen Taten der beiden Brüder zurück. So mochte selbst ein bei einem Überfall mit einem Messer Bedrohter nicht sagen, dass einer der Angeklagten ihm die Klinge an den Hals gehalten habe. Die Messerspitze sei lediglich vor seine Brust gehalten worden und habe in seine Richtung gezeigt. „Der wollte mich nicht ernsthaft verletzen“, versicherte das Opfer.

Dieses soll den Brüdern eine Tabakdose gestohlen und mit 60 Euro in der Kreide gestanden haben - was am zweiten Verhandlungstag auch eingeräumt wurde. Die Tabakdose mit einem Wert von acht bis zehn Euro war also wirklich Anlass für den Überfall, der schon am ersten Verhandlungstag thematisiert worden war.

Der letzte Zeuge, ein 30-jähriger in Stadtallendorf lebender Mann, stritt bis auf eine lockere Bekanntschaft zu den beiden Angeklagten alles ab und wurde mit dem Kommentar entlassen: „Wir werden Sie ja hier vor Gericht bald als Angeklagten wiedersehen.“ Auf die Einvernahme zweier weiterer Zeugen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Gericht erschienen waren, wurde einvernehmlich verzichtet. Abschließend wurden die Wirkstoffgutachten des Landeskriminalamts, das rund 220 Gramm Drogen untersucht hatte, verlesen.

Die Verhandlung wird am Mittwoch ab 9 Uhr im Saal 101 fortgesetzt und voraussichtlich mit einem Urteil abgeschlossen.

von Heinz-Dieter Henkel

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