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Vom Acker direkt auf den Verkaufsstand

Markt Vom Acker direkt auf den Verkaufsstand

Absolute Frische und exklusive Nischen-Produkte sind die Stärken des Stadtallendorfer Wochenmarkts. Trotzdem muss der vor drei Jahren gegründete Markt noch immer um Kunden kämpfen.

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Zwei Märkte an einem Tag: Iris Raab aus Hungen hat donnerstags richtig Stress, ohne dass dies ihre Kundinnen und Kunden am einzigen Obst- und Gemüsestand mitbekommen. Fotos: Matthias Mayer

Stadtallendorf. „Es ist grenzwertig“, sagt Iris Raab auf die Frage nach der Rentabilität ihrer Anstrengungen in Stadtallendorf. Diese sind enorm. Iris Raab betreibt in Hungen-Villingen mit ihrem Mann Roland einen Obstbau-Betrieb und einen Obst- und Gemüsehandel. Donnerstags fährt sie zunächst zu einem Wochenmarkt bei Hanau, um dann nach Stadtallendorf zu hetzen. Als letzte der Marktbeschicker erreicht sie mittags den Marktplatz, chauffiert ihren Transporter zwischen den anderen Ständen hindurch zu ihrem Stellplatz und baut in Windeseile ihren Stand auf, um gleichzeitig die ersten Kunden zu bedienen.

„Passanten gibt es hier genug, nur die wenigstens kaufen hier auch ein“, stellt sie fest, nachdem sie auch die letzte Kiste mit Bohnen an Ort und Stelle platziert hat. Die Raabs sind seit 37 Jahren erfolgreich auf dem Wochenmarkt in Kirchhain dabei - und seit September 2013 in Stadtallendorf. Warum es hier nicht so läuft, kann sie sich nicht erklären. Am Angebot kann es jedenfalls nicht liegen. Neben allen gängigen Obst- und Gemüsesorten bieten die Raabs Äpfel und Birnen aus eigenem Anbau an - darunter zahlreiche alte Sorten, die aus den Supermärkten längst verschwunden sind. Dazu kommen Eier aus eigener Hühnerhaltung. Die Freilandhühner werden ständig auf Grünland gehalten, was den Eiern besonderes Aroma verleiht.

Mit der Vielfaltschwindet die Attraktivität

Silke Momberger ist seit der ersten Stunde auf dem Stadtallendorfer Markt für den Laubacher Fischfeinkost-Händler Günter Jekschtat dabei - ebenso wie die Metzgerei Stefan Völker, die die berühmte Schwälmer Wurst sowie Backhausbrote im Angebot hat. Silke Momberger beklagte den Rückzug einiger Marktbeschicker: „Der Feinkosthändler, der Blumenstand und der Käsehändler sind verschwunden“, nennt sie nur drei Beispiele. Mit der Vielfalt schwinde die Attraktivität des Marktes und das spüre sie auch in der Kasse. Gegenüber den Anfängen sei der Umsatz um etwa 50 Prozent gesunken.

Dabei hat auch Silke Momberger im funkelnagelneuen Verkaufsmobil Alleinstellungsmerkmale. Nur sie bietet Frischfisch in Stadtallendorf an, der täglich aus Bremerhaven geliefert wird - ebenso wie die extra nach Hausrezepten hergestellten Heringssalate. Ansonsten bietet sie die komplette Fisch-Palette an - vom Seelachs bis zum Edelfisch, vom Brötchen mit Lachsersatz bis hin zu erlesenen Meeresfrüchten.

Auch die Eheleute Rita und Theo Schmitt aus Niederklein zählen zu den Stadtallendorfer Marktpionieren. Zugleich sind die einzigen Stadtallendorfer Marktbeschicker die Frische-Könige. „Wir stehen häufig morgens um sechs auf dem Acker und machen eine Reihe Kartoffeln aus, die wir dann auf dem Markt verkaufen“, erzählt Rita Schmitt. „Wir vermarkten unsere Kartoffelernte selbst und sind mit Beginn der Frühkartoffel-Ernte bis zum Wintereinbruch auf dem Markt“, sagt Theo Schmitt. Die Kunden der Schmitts schätzen den Lieferservice der Niederkleiner, die auf Wunsch auch größere Mengen Einkellerungskartoffeln ins Haus bringen. Mit ihren Erlösen sind die Schmitts zufrieden, räumen aber ein, dass sie nicht auf die Stunden schauen müssen. „Gerade die älteren Kunden suchen das Gespräch. Bei den Unterhaltungen vergeht die Zeit im Nu“, sagt Rita Schmitt.

Anita und Helmut Pfeif aus Cappel haben 52 verschiedene und hochwertige FeinkostNudelsorten im Angebot, verkaufen Imkerhonig aus Ronhausen, Vollwert-Kekse, Vollwert-Müsli auf Dinkelbasis, das gluten- und weizenfrei ist, und verschiedene Suppen-Spezialitäten, die unter anderem ohne Geschmacksverstärker auskommen. „Es ist mal mehr, mal weniger“, sagt Helmut Pfeif zu den Umsätzen, der sich grundsätzlich auf die Treue seiner Stammkunden verlassen kann.

von Matthias Mayer

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