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Vier neue Kammern für das soziale Herz

Bauprojekt in Mardorf Vier neue Kammern für das soziale Herz

Fast eine Million Euro pumpt die Mardorfer Kirchengemeinde in das soziale Herz des Dorfes. Das Erdgeschoss - die Heimat des Bürgervereins - lässt sie energetisch sanieren und umbauen.

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Im Obergeschoss richtet die Kirchengemeinde vier Wohneinheiten für Senioren ein.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mardorf. Seit dem Auszug der Schwestern hat sich an ihrer ehemaligen Unterkunft viel getan. Der Bürgerverein hat das Gebäude zur sozialen Anlaufstelle Mardorfs schlechthin gemacht. Das Angebot reicht vom Mittagstisch über eine Sportgruppe für Menschen mit Demenz bis hin zu verschiedensten Beratungsangeboten, noch dazu ist das ehemalige Schwesternhaus der Sitz der überaus erfolgreichen Bürgerhilfe. Nun soll das von außen herrliche Backsteingebäude auch innen eine würdige Aufmachung bekommen - und noch vieles mehr.

Die Kirchengemeinde Mardorf, die sich gegen den Einstieg eines Investors entschied (die OP berichtete), will 950000 Euro in die Modernisierung beziehungsweise den Ausbau investieren. Ein Teil der Mittel stammt aus dem Verkauf des Pfarrhauses, in dem die Mardorfer aber noch einen Raum für das Pfarrbüro anmieten - das dort noch drei Jahre bleiben soll.

In Sachen Finanzierung hat das Sozialministerium, wie Hubert Ivo, der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende erfreut berichtet, die Maximalförderung von 150000 Euro für die auf insgesamt 325000 Euro bezifferte energetische Sanierung des Erdgeschosses zugesagt. Der Bürgerverein steuert 60000 Euro zu dem Projekt bei (und bekommt im Gegenzug 25 Jahre lang Mietfreiheit zugesichert), die Stadt 15000 Euro, der Landkreis beteiligt sich mit 30000 Euro am Bau eines Aufzuges - der hinten ans Gebäude kommt. Allerdings leicht abgesetzt: „Das Ensemble vom Schwesternhaus bis zur Kirche ist ein Kulturdenkmal. Es muss klar zu erkennen sein, was alt und was neu ist - deswegen müssen wir den Aufzug etwas abrücken“, erläutert Ivo.

Haus soll möglichst barrierearm werden

Neben der energetischen Sanierung, zu der auch die Erneuerung der Fenster gehört, stehen im Erdgeschoss auch kleinere bauliche Veränderungen an: Die Toilettenanlagen werden komplett erneuert und dabei ein Bad für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Zudem lässt die Kirchengemeinde einen Ruhe- und Beratungsraum bauen. Der Durchgang vom großen Saal in den Nebenraum wird erweitert. Da der alte Aufzug und eine nicht-tragende Wand wegkommen, verfügt das ehemalige Schwesternhaus bald auch über eine größere, neu eingerichtete Küche.

Auf dem Außengelände ist unter anderem geplant, die Terrasse auszubauen, die Rampen für Rollstuhlfahrer zu erneuern (Ziel ist schließlich, das Haus barrierearm zu gestalten) und einige Parkplätze einzurichten.

Im Dachgeschoss passiert außer der Dämmung des Bodens nichts. Dafür stehen am ersten Stockwerk massive Veränderungen bevor. Dort, wo einst die Schwestern lebten und sich ihre Kapelle befand, können bald Senioren leben: Die Kirchengemeinde baut das Stockwerk so um, dass es künftig vier Wohneinheiten gibt - zwei rund 55 Quadratmeter große für zwei Personen sowie zwei kleinere Einheiten (42 beziehungsweise 45 Quadratmeter) für eine Person. Vorgesehen ist, diese auf Bedürfnisse der künftigen Mieter auszurichten und mit barrierefreien Bädern mit Anschlussmöglichkeiten für Waschmaschine und Trockner sowie Küchen auszustatten. Des Weiteren werden Lagerräume im Keller zur Verfügung gestellt.

Zwischenstufe zwischen Eigenheim und betreutem Wohnen

„Wir bauen zielgruppenorientiert“, betont Ivo und erläutert: „Wenn das eigene Zuhause zu groß ist, aber die Menschen sich noch nicht in eine Pflegeeinrichtung begeben und mehr als ein Zimmer bewohnen wollen - dann können sie zu uns kommen.“ Das Leben im ehemaligen Schwesternhaus sei quasi als Zwischenstufe zwischen der kompletten Eigenständigkeit in den eigenen vier Wänden und dem betreuten Wohnen in einer Einrichtung geplant. Die Bewohner können schließlich die Angebote des Bürgervereins beziehungsweise der Bürgerhilfe wahrnehmen und sich durch diese Unterstützung den Alltag erleichtern - aber dennoch weiterhin selbstbestimmt leben. „Man wohnt noch vor Ort, aber reduziert den Bereich, den man pflegen muss, auf das, was man im Alter kann“, resümiert Ivo.

Die Baugenehmigung liegt ebenso wie die Förderzusage aus dem Ministerium vor. Die bau- und finanztechni­sche Genehmigung aus Fulda kommt, wenn die Ergebnisse der Ausschreibungen vorliegen. Das Bistum beteiligt sich allerdings nicht an den Kosten, da es sich beim Schwesternhaus nicht um ein zentrales Gebäude handelt, in dem Glaubensverkündigungen stattfinden oder ein Priester wohnt, wie Ivo erläutert.

Der Baubeginn ist für die letzten zwei Juni-Wochen geplant. Bis dahin muss auch der Bürgerverein umziehen, der während der vorgesehenen 12 bis 15 Monate Bauzeit im Mardorfer Bürgerhaus Unterschlupf findet. Danach geht’s zurück in die runderneuerte Heimat - die dann auch ans Nahwärmenetz angeschlossen sein soll.

von Florian Lerchbacher

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