Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Vier Partner beraten über Windpark-Kauf

Bürgerversammlung Vier Partner beraten über Windpark-Kauf

Die Flächen sind bereitet, im Mai oder Juni beginnt Projektierer Juwi mit dem Wegeausbau, für Herbst ist der Bau der Windräder geplant. Die Bürger hatten verhältnismäßig wenige Fragen zum Thema.

Voriger Artikel
Sängerkreis plant Männerchor
Nächster Artikel
Zwei 40-Kilo-Brocken hingen unter der Decke

So ist der Blick von einem Hochsitz auf einen der künftigen Windrad-Standorte.Foto: Lerchbacher

Roßdorf. Eigentlich scheinen sich die Roßdorfer nur um die Waldstraße, Lärm und den Rückbau der Windräder in 20 oder mehr Jahren zu sorgen. Die Besucher der Bürgerversammlung am Mittwochabend stellten Silvan Schumacher, dem zuständigen Juwi-Mitarbeiter relativ wenige Fragen - was aber eigentlich auch kein Wunder ist, da der Projektierer die Anlagen bereits seit einigen Jahren plant.

Von ehemals 16 angedachten Windrädern kommen inzwischen nur noch fünf mit Sicherheit in den Wald bei Roßdorf - der Standort Mardorf ist schon länger aus dem Spiel. Bei zwei weiteren Anlagen gilt es für Juwi, noch Einwände des Natur- beziehungsweise des Denkmalschutzes auszuräumen - oder diese als Ausschlusskriterien hinzunehmen.

Fakt ist aber: Die Rodungen an den Standorten sind abgeschlossen. Allerdings hätten nur wenige Bäume gefällt werden müssen, sagte Schumacher und betonte, dass Juwi vornehmlich auf Windwurfflächen gesetzt habe. De facto würden nach Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen mehr Bäume im Wald stehen als zuvor.

3500 Quadratmeter der Standorte sind nur temporär kahl, da sie als Lager- oder Montageflächen genutzt werden. 3900 Quadratmeter bleiben so, da sie für Fundament, den Kran oder den Ausleger herhalten müssen. Für die Anlieferung der Windrad-Teile verbreitert Juwi bereits existierende Waldwege um etwa einen Meter. Mehrere Hundert Lastwagen - vornehmlich Betonmischer und andere Baufahrzeuge - würden in den kommenden Monaten durch die (für Schwerlastverkehr ausgebaute) Waldstraße rollen, erklärte Schumacher auf Nachfrage einer Anwohnerin. Entstehe Schaden an der Straße, komme das Unternehmen dafür auf. Schäden an den Gebäuden seien nicht zu befürchten.

Für Rückbau gibt es verschiedene Optionen

Etwas mehr als einen Kilometer von der Bebauung Roßdorfs entfernt, werde das erste Windrad stehen, erläuterte Schumacher einer anderen Bürgerin und gab zu, dass die Entfernung nach Rauischholzhausen geringer sei, aber immer noch den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Es könne sein, dass Juwi die Anlagen mit „Schattenabschaltmodulen“ ausstatten müsse, falls die Belastung durch Schlagschatten an manchen Stellen mehr als 30 Minuten pro Tag betrage.

Falls die Anlagen zu laut seien, müssten sie gedrosselt oder, im Extremfall, abgeschaltet werden, ergänzte er. Davon sei aber nicht auszugehen. Ein Bürger fragte, was mit der Lautstärke von 105 Dezibel sei, und ob er überhaupt noch in den Wald gehen und mit Ruhe rechnen könne. 105 Dezibel würden nur an der Nabe in 139 Metern Höhe gemessen, kommentierte der Juwi-Mitarbeiter. Im Wald übertöne das Blätterrauschen bereits einen Großteil der Geräusche. Allerdings sei zumeist ein dumpfer Ton zu hören - der allerdings dürfe im Bereich der Bebauung Roßdorfs 40 Dezibel nicht überschreiten. So laut sei es in einer Bibliothek.

Ein Bürger erkundigte sich nach Ausgleichsmaßnahmen für Tiere. Besonderheit in Roßdorf sei, dass Juwi Nisthilfen für Haselmäuse bauen müsse. Zudem sei geplant, Wurzeltellerhaufen zu erstellen, das heißt Wurzelteller zu stapeln, die dann Wildkatzen als Unterschlupf dienten: „Wir haben das mit Kameras an anderen Standorten überprüft. Das wird sehr gut angenommen.“

In Sachen Rückbau erklärte Schumacher, dass der Projektierer Bürgschaften hinterlegen müsse - allerdings hätten die Windräder derzeit auch nach 20 Jahren Laufzeit noch einen so hohen Restwert, dass Unternehmen die Anlagen veräußern und die Käufer den Abbau übernehmen würden.

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg betonte, als es um die Betreiberfrage ging, dass diese noch nicht abschließend geklärt sei. Er halte es für durchaus vorstellbar, dass die Stadt Amöneburg die Anlagen kauft -gemeinsam mit der Gemeinde Cölbe, der Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf und den Stadtwerken Marburg als führendem Investor - und dann als Betreiber fungiert. Zwei Millionen hat sie dafür an Eigenkapitial im Haushalt angesetzt. Am Montag ist die nächste Verhandlungsrunde in dieser Frage. Es gebe weiterhin die Möglichkeit für Bürger, sich an den Anlagen zu beteiligen, bestätigte er auf Nachfrage.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr