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Vier Kirchengemeinden gehen neuen Weg

Zusammenschluss Vier Kirchengemeinden gehen neuen Weg

Diskussionen über einen Zusammenschluss mehrerer evangelischer Kirchengemeinden gab es bereits vor mehr als zwei Jahren. Jetzt wird in Stadtallendorf, Neustadt, Erksdorf und Speckswinkel daraus auf rein freiwilliger Basis Realität.

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Die Pfarrerinnen und Pfarrer Svenja Neumann, Michael Fenner, Kerstin Kandziora und Thomas Peter wollen ab Ende nächsten Jahres in einer neuen Gesamtgemeinde noch enger zusammenarbeiten. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Eine Gesamtgemeinde entsteht, doch keine der beteiligten jetzigen Gemeinden soll dabei ein Stück ihrer Identität oder gar ihre Kirche im Ort verlieren. Ganz im Gegenteil. So ist es zumindest der erklärte Wille der Kirchenvorstände und Pfarrer aus Neustadt, dem Kirchspiel Erksdorf/Speckswinkel und Stadtallendorf. In allen vier Kirchenvorständen sind entsprechende Entscheidungen gefallen.

Das alles passiert freiwillig und ohne Druck der Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Von dort sei allerdings breite Unterstützung zugesagt, erläutern die Pfarrerinnen und Pfarrer Kerstin Kandziora (Neustadt), Michael Fenner (Erksdorf/Speckswinkel), Svenja Neumann und Thomas Peters (beide Stadtallendorf) im Gespräch mit dieser Zeitung. Die künftige Gesamtgemeinde hätte dann mehr als 7600 Mitglieder.

Gründung zum 1. Advent 2017

Bis es so weit ist, vergeht allerdings noch mehr als ein Jahr. Ziel sei es, die Gesamtgemeinde zum ersten Advent 2017 zu gründen, erklärt Thomas Peters gemeinsam mit den drei anderen Seelsorgern. Neu ist der Gedanke nicht. Bereits in der Vergangenheit gab es, allerdings in etwas kleinerem Umfang, schon Überlegungen für Stadtallendorf und die in einem Kirchspiel organisierten Gemeinden Erksdorf und Speckswinkel (die OP berichtete). Doch vor einigen Monaten fiel auch in Neustadt die Entscheidung, den Weg zu einer Gesamtgemeinde mitzugehen. „Wir haben die Notwendigkeit gesehen, und wir haben vor allem die Chancen gesehen, diesen Prozess jetzt mitzugestalten“, sagt die Neustädter Pfarrerin Kerstin Kandziora. Und diese Chance, so ergänzt sie, gebe es vielleicht nicht wieder. Eine gemeinsame Klausur aller Kirchenvorstände gab letztlich den Ausschlag. Inzwischen sind die Entscheidungen in allen einzelnen Vorständen auch gefallen.

In Ausschüssen sollen in den nächsten Monaten die neuen Strukturen erarbeitet werden. Fest steht: In der neuen Gesamtgemeinde verliert kein Ort „seinen“ Pfarrer, eine Schließung von Kirchen oder die Entlassung von Mitarbeitern ist kein Thema und auch nicht der Grund für die Zusammenschluss-Pläne. „Wir tragen jetzt der demografischen Entwicklung und den Vorgaben der Landeskirche Rechnung und haben dabei die Möglichkeit, selbst zu entscheiden“, formuliert es Pfarrer Fenner. Dass Pfarrstellen in den nächsten Jahrzehnten reduziert werden, ist angesichts des demografischen Wandels und der statistischen Vorausberechnungen der Landeskirche kein Geheimnis. „Ziel unseres Zusammenschlusses ist darum, Kirche auch langfristig in der Region zu halten und zu stärken“, sagt Thomas Peters.

Es wird, so ist es derzeit geplant, Seelsorgebezirke geben. Gleichzeitig gibt es Überlegungen für eine gemeinsame Jugend- und Seniorenarbeit oder für gemeinsame Veranstaltungen. Pfarrerin Svenja Neumann spricht von einem „guten evangelischen Weg“, der jetzt eingeschlagen worden sei.

Alle Beteiligten wissen, dass aber noch viel Arbeit vor ihnen liegt. In den drei gebildeten Ausschüssen „Finanzen und Struktur“, „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Kooperation“ sind die insgesamt vier Kirchenvorstände paritätisch vertreten. Alle vier Pfarrer betonen, dass sowohl die Kirchenvorstands-Mitglieder als auch sie selbst jederzeit offen für Fragen und Anregungen der Gemeindemitglieder seien. In allen vier Gemeinden sind im Oktober Versammlungen geplant, um über die ersten Schritte auf dem gemeinsamen Weg zu informieren. „Anstöße sind ausdrücklich erwünscht“, sagt Neumann.

Nicht zuletzt hat der Zusammenschluss auch finanzielle Vorteile. Jede Kirchengemeinde erhält von der Landeskirche Schlüsselzuweisungen je Gemeindemitglied. Allerdings gilt das erst ab dem sechshundertsten Mitglied, kleine Kirchengemeinden haben dementsprechend finanzielle Nachteile. Einer neuen Gesamtgemeinde werden jene sechshundert Gemeindemitglieder natürlich auch angerechnet.

Unter dem Strich dürfte eine neue Gesamtgemeinde über einen fünfstelligen Betrag mehr verfügen als die vier Einzelgemeinden zusammengerechnet. „Wir wollen dieses Geld in Inhalte investieren“, sagt Pfarrer Peters. Worin genau, wird wie vieles andere in den nächsten Monaten herausgearbeitet. Ob die Gesamtgemeinde einen eigenen Namen bekommt, muss auch noch geklärt werden.

von Michael Rinde

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