Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Verkehrslenkung über den Geldbeutel

Gebührenfreie Parkplätze Verkehrslenkung über den Geldbeutel

Wenn Magistrate oder Gemeindevorstände neue Ordnungen in die Gremien einbringen, wird das Leben für die Bürger fast immer teurer: Neue Ordnung = neue Gebührenordnung = Mehrkosten.

Voriger Artikel
Zwei Riesen bewachen die Scheune
Nächster Artikel
Dorfladen Wohra verpasst das Quorum
Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain. Die geplante Neufassung der Kirchhainer Parkgebührenordnung folgt diesem Automatismus nicht. Die Preise für die gebührenpflichtigen Parkplätze bleiben stabil bei 40 Cent pro angefangene halbe Stunde. Zum Vergleich: In Marburg kostet eine halbe Stunde in der Parkzone 2 50 Cent. In den anderen Ostkreis-Kommunen kann grundsätzlich kostenfrei geparkt werden. Statt höherer Einnahmen möchte die Stadt künftig eine gleichmäßigere Auslastung ihrer Parkflächen erreichen, wie Armin Schmitt vom Ordnungsamt bei der Vorstellung  der neuen Ordnung vor dem Kirchhainer Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr erläuterte.
Die neue Ordnung sieht für diese Aufteilung der gebührenpflichtigen Parkplätze zwei Zonen vor, wobei der Zone 2 entscheidende Bedeutung zukommt. 

  • Parkgebührenzone 1: Je angefangene halbe Stunde sind 40 Cent zu bezahlen auf den Parkplätzen: Am Markt, Unter dem Groth, Parkplatz Brießelstraße, Am Bahnhof, Brückenstraße, Römerstraße, Parkplatz Römerstraße, Hofackerstraße.
  • Parkgebührenzone 2: Die Zone umfasst allein die Parkplätze am Feldweg zwischen Bahnhof und Brücke. Die Kosten: Je angefangene halbe Stunde: 40 Cent; Tageskarte (24 Stunden): 4 Euro; jeder weitere Tag: 4 Euro; Monatsticket: 25 Euro. Jahresticket: 200 Euro. Die Monats- und Jahreskarten werden nur gegen Vorlage einer entsprechenden Monats- oder Jahreskarte der Deutschen Bahn abgegeben.

„Brötchentaste“ für die Kurzparker

Interessant für Kurzparker ist die Einführung der sogenannten „Brötchentaste“ auf den Parkautomaten. Wer dort künftig ein Ticket für 15 Minuten zieht, bezahlt selbst auf den direkt an der Fußgängerzone gelegenen Parkplätzen nichts.
Bürgermeister Jochen Kirchner räumte ein, dass der bauliche Zustand des geschotterten Parkplatzes zwischen Bahnhof und Brücke nicht den städtischen Standards entspreche. Der Platz werde allein künftig gebührenpflichtig sein, um Dauerparker und Pendler auf den neuen und gebührenfreien Parkplatz am Stellwerk zu lenken. Dort stünden 60 Stellplätze bereit. Weitere 41 Gratis-Stellplätze entstünden auf dem stadteigenen Gelände entlang des Bahngleises  Richtung Niederrheinische Straße. Die Kosten trügen die neuen Nutzer des Empfangsgebäudes, die jeden fehlenden Stellplatz mit 4 900 Euro ablösen müssten. Die bahnhofsnahen Parkplätze würden für Kurzparker benötigt, die die Geschäfte und die Arztpraxen rund um den Bahnhof aufsuchen wollten, begründete der Bürgermeister diesen ordnungspolitischen Eingriff.
 

Ein neuer Parkplatz auf dem Weg zum Biotop

Die Stadtverordnete Helga Sitt (Bündnis 90/Die Grünen) beklagte, dass derzeit am Bahnhof viele Mitarbeiter der Kirchhainer Geschäfte parkten, für die eigentlich der neue Parkplatz auf dem Ohmdamm errichtet worden sei. Sie freue sich immer, wenn sie bei einem Spaziergang wenigstens ein Auto auf diesem Parkplatz sehe. In der Tat macht sich in Ermangelung von Kontakt mit Autoreifen auf den Stellplätzen des mit fünf Straßenlampen ausgestatteten Parkplatzes ein Biotop breit, das vermutlich schon bald in den städtischen Mähplan aufgenommen werden muss.
Der Sinnhaftigkeit dieser Verkehrslenkung über den Geldbeutel verschliss sich das unter Vorsitz von Professor Erhard Mörschel (CDU) tagende Gremium nicht. Die Ausschuss-Mitglieder stimmten dem Entwurf der Parkgebührenordnung, die zum 15. September in Kraft treten soll, einstimmig  zu. Allerdings regte der Stadtverordnete Olaf Hausmann an, über eine Rücknahme der Gebührenbefreiung für die Parkplätze am Bürgerhaus nachzudenken. Es sei unlogisch und den Bürgern nicht zu vermitteln, wenn die Gründe, die zum Gebührenverzicht am Bürgerhaus geführt haben, für die Parkplätze am Bahnhof nicht gelten sollten.
Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte dem zu und regte an, die Frage der Parkplatzbewirtschaftung am Bürgerhaus im Zusammenhang  mit der Abtrennung der Parkplätze hinter dem Gebäude für die Nutzer der dort geplanten seniorengerechten Wohnungen neu zu regeln.  Uwe Pöppler (CDU) bat die Stadtverwaltung um Prüfung der Angelegenheit bis zur Sitzung des Stadtparlaments am 9. September.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr