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Verein mach Schönes noch schöner

Mengsberg auf dem Weg zum Bundesentscheid Verein mach Schönes noch schöner

Der Heimat- und Verschönerungsverein Mengsberg macht seinem Namen alle Ehre – und das nicht erst, seit sich der Ort am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beteiligt.

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Helmut Zieße genießt die Ruhe des Lindenplatzes, der nicht nur schön ist, sondern auch historisch wertvoll.Fotos: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Eine der schönsten Stellen Mengsbergs ist der Lindenplatz: Auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern stehen 34 Linden, und viele von ihnen erzählen eine eigene Geschichte. Viel Zeit müssten sich Zuhörer nehmen, wenn zwei spezielle Bäume tatsächlich sprechen könnten: Sie gelten als Zeitzeugen, da sie älter als die Mengsberger Urkunde aus dem Jahr 1294 sein sollen. Deutlich jünger ist die Kaiserlinde, die im Jahr 1897 zur Erinnerung an den 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm des Ersten gepflanzt wurde. Eine Gruppe von neun weiteren Bäumen bilden den ehemaligen Tanzplatz, der bis in die 1960er Jahre nicht nur als Dreschplatz sondern vornehmlich als Treffpunkt fungierte, auf dem sich die Bürger vergnügten: „Das Brauchtum haben wir wieder aufgenommen. Alle zwei Jahre feiern wir dort anlässlich des Museumstages mit Trachtengruppen und anderen Attraktionen ein großes Fest“, erklärt Helmut Zieße, der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins (HuV), der die Patenschaft über den Lindenplatz hat. Noch sehr jung aber von großer Bedeutung sind natürlich auch die beiden Linden, die die Mengsberger mit den Kommissionen von Regional- und Bundesentscheid während der Ortsbegehungen pflanzten – sie bekommen am 25. Juni einen neuen Nachbarn, denn natürlich darf die Jury des Bundesentscheides ebenfalls ihren eigenen Baum, die sogenannte Bundeslinde, einbringen.

Der Heimat- und Verschönerungsverein hat aber noch weitere Patenschaften inne: Die Mitglieder kümmern sich auch um das Insektenhotel und eine Blumenwiese, die den Insekten als Nahrungsquelle dienen soll. Im vergangenen Jahr setzten sie zudem eine alte Idee der Hegegemeinschaft Heeger/Nödel um, als sie in Absprache mit Dr. Norbert Clement, dem Apfelexperten des Landkreises, eine Streuobstwiese mit Apfel-, Birnen-, Mirabellen und vielen anderen Obstbaumsorten anlegten. Über sie führt natürlich auch ein Lehrpfad, schließlich wollen die Mengsberger ihre Projekte den Menschen näherbringen und Informationen vermitteln. Hinzu kommen ein von Kindern während der vom HuV organisierten Ferienspiele gebautes „Echsendomizil“ und Bienenkästen, denn auch die Tiere sollen profitieren.

Den Heimat- und Verschönerungsverein gibt es bereits seit dem Jahr 1981. Von 1987 bis 2005 befand er sich im Dornröschenschlaf, ehe Zieße die Mengsberger dazu bewegte, ihn wieder wachzuküssen. „Es gibt so viele schöne Anlagen im Ort, an denen nichts gemacht wurde. Ich war als Gemeindearbeiter angestellt worden und dachte mir, dass sich auch ein Verein um Bäume, Bänke und vieles mehr kümmern könnte“, erinnert sich Zieße zurück, der wenig später Vorsitzender wurde.

Die Mitglieder machten sich daran, Wege und Gemarkungen mit Holzschildern zu kennzeichnen, Blumen zu pflanzen und Bänke aufzustellen. Der HuV veranstaltet inzwischen in Kooperation mit anderen Vereinen die Ferienspiele Mengsberg, richtet das Museumsfest aus, kümmert sich um sein Heimatmuseum oder lädt zu Drei-Märker-Wanderungen ein – die an historischen Punkten, markanten Gebäuden wie den vier Mühlen oder dem einfach herrlichen Diebsgraben vorbeiführten. Ein Ziel war auch der Glockenborn – der ehemalige Brunnen von Gerwigshain, das inzwischen eine Wüstung ist. „Das Dorf hatte eine Kirche mit Silberglocke, die die Bürger einst im Brunnen versenkten, um sie zu verstecken. Inzwischen ist sie weg – wer sie kassiert hat, weiß kein Mensch“, berichtet Zieße und betont, wie wichtig Walter Gömpel für die Vereinsprojekte ist. Der Dorfchronist wisse eigentlich alles über die Mengsberger Geschichte, zum Beispiel auch über die neun Dreimärkerpunkte, die alle schon Ziele von Wanderungen waren.

„Das Historische, das Mengsberg hatte, erhalten und nachstellen“, gibt er dann auch als Ziel des 61 Mitglieder zählenden Vereins aus und betont, wichtig sei natürlich zudem, den Ort stets zu verschönern – ein Anliegen, das Zieße und seine Mitstreiter mit Hilfe der anderen Vereine und der Bürger hervorragend umsetzen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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