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Verein fehlt wieder ein Vorsitzender

Sorgen Verein fehlt wieder ein Vorsitzender

Schon bei Beginn der Jahreshauptversammlung des Awo-Ortsvereins Neustadt ahnten viele Mitglieder, dass sich bei der anstehenden Neuwahl des gesamten Vorstandes kein Vorsitzender finden wird.

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Wahlleiter Franz-W. Michels (stehend) fragte mehrfach nach – doch in den Reihen der Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt fand sich niemand, der den Vorsitz übernehmen würde.Foto: Karin Waldhüter

Neustadt. Vor vier Jahren standen die Mitglieder des Ortsvereins Neustadt der Arbeiterwohlfahrt (Awo) schon einmal vor der Situation, dass sie keinen Vorsitzenden hatten. Damals übernahm Hans-Heinrich Thielemann aus Kirchhain, der gleichzeitig auch Awo-Kreisvorsitzender ist, das Amt. Zu der jetzt anstehenden Vorstandswahl stellte er sich aber nicht mehr zur Verfügung. Ihm sei im Kreisverband gesagt worden, er würde „auf vielen Hochzeiten tanzen“, deshalb wolle er sich auf die Arbeit im Kreis konzentrieren, erläuterte er seinen Entschluss.

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstandes wurde dann das Realität, was viele Mitglieder befürchtet hatten: Trotz mehrfacher Nachfrage von Wahlleiter Franz-W. Michels fand sich niemand, der sich für die Wahl zum Vorsitzenden zur Verfügung stellen wollte. Michels regte daraufhin eine außergewöhnliche Mitgliederversammlung an. Bis dahin sei Zeit, intensiv nach einem neuen Vorsitzenden zu suchen.

„So, wie es heute gekommen ist, haben wir vorausgesehen“, kommentierte Ehrenvorsitzende Elfriede Reich. Schon lange hätten die Mitglieder sich gefragt, wie es weitergehen könne. Es sei nun ein Alter erreicht, wo man sagen müsse: „Es geht nicht mehr.“ Sie hätten gemeinsam mit einem Bezirksreferenten aus Kassel überlegt, was zu tun sei, damit der Verein nicht kaputt gehe. Thielemann habe eine Möglichkeit aufgezeigt, wie es weitergehen könne, wenn sich kein neuer Vorsitzender finden lasse, betonte Reich: „Der Ortsverein wäre dann kein eingetragener Verein mehr und wird aus dem Vereinsregister gestrichen, bleibt aber als Ortsgruppe dem Kreisverband unterstellt.“ Die Vorstandsmitglieder könnten sich vorstellen, als Ortsgruppe unter dem Hut des Kreisverbandes die Arbeit in abgespeckter Form fortzusetzen, auch um die Vereinsräume zu erhalten.

Bereit für weiteren Einsatz

Gisela Schäfer versprach, sich in dem Fall weiter um die Handarbeitsgruppe, Geburtstage, Jubiläen und Trauerfälle zu kümmern. Wie seit über zwei Jahrzehnten würde Elfriede Reich sich weiter dem „Essen auf Rädern“ annehmen. Irene Henrich, die in der letzten Zeit die Aufgaben als Schriftführerin übernommen hatte, sagte zu, sich um die Belege zu kümmern. Die beiden Vorstandsmitglieder Doris Seifart und Walter Zinser wollen sich für die Frühstückstreffs und Weihnachtsfeiern engagieren. Vieles werde sowieso gemeinsam gemacht, betonte Reich. „Das ist nicht die optimale Lösung, aber uns bleibt keine andere“, ergänzte sie.

Thielemann erläuterte die rechtliche Seite einer solchen Lösung: Der Kreisausschuss habe beschlossen, dass Ortsgruppen gebildet werden könnten, zu denen die Mitglieder ihre Zugehörigkeit erklären. Die Kassenführung übernimmt indes der Kreisverband, während die Mitglieder der Ortsgruppe ­einen Ansprechpartner bestimmen müssen.

Wie in Neustadt gebe es im Kreisverband noch weitere „Baustellen“, erklärte Thielemann und zählte Gladenbach, Biedenkopf, Erdhausen, Wetter und Steffenberg auf. „Alle Ortsgruppen, die übernommen werden, behalten ihre Eigenständigkeit in der Buchführung. So will ich das hier auch haben“, unterstrich er.

Die Awo-Mitglieder sprachen ausführlich über diese Möglichkeit der Rettung, diskutierten aber auch eine mögliche Vereinsauflösung und die Frage, was dann mit dem Vermögen des Vereins passieren könnte.

Reich bat Michels, an den bevorstehenden Vorstandsgesprächen teilzunehmen. Als Rechtspfleger hatte er sich 30 Jahre lang unter anderem mit der Vereinsarbeit beschäftigt. Er finde den eingeschlagenen Weg gut, erklärte Michels, wies aber auch nachdrücklich darauf hin, dass klar sein müsse, was mit dem Vereinsvermögen geschehe.

Der Verein hat derzeit 101 Mitglieder. „Das eigentliche Problem ist die Überalterung im Verein und dass die jungen Leute fehlen“, kommentierte Gisela Schäfer die Situation. Der ­Altersdurchschnitt liege bei 75 Jahren.

An der Delegiertenversammlung, die am 4. Juni in Kirchhain stattfindet, nehmen Elfriede Reich, Gisela Schäfer, Walter Zinser, Franz-W. Michels und seine Frau Roswitha sowie Gisela Fischer teil.

von Karin Waldhüter

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