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Verein bringt den Stadtbus an den Start

50 Jahre ÖPNV in Stadtallendorf Verein bringt den Stadtbus an den Start

Am Sonntag ist es fünf Jahrzehnte her, dass sich der erste Stadtbus in Stadtallendorf im 
DAG-Gebiet in Bewegung 
setzte.

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Seit 50 Jahren verfügt Stadtallendorf über Nahverkehrsangebot. Zunächst fuhr der Stadtbus an vier Tagen in der Woche.

Quelle: Archiv

Stadtallendorf. „Frau F. Hagedorn“ war erster Fahrgast, der damalige Bürgermeister Heinz Lang hatte vor der Jungfernfahrt des ersten Stadtbusses symbolisch ein Band durchschnitten.

Das ist an diesem Sonntag auf den Tag genau 50 Jahre her. Neben Marburg ist Stadtallendorf bis heute die einzige Stadt im Kreis, die über das Angebot einer Stadtbuslinie verfügt. Damals war es der gerade einmal zwei Monate alte Verkehrsverein, der dieses Angebot möglich machte – und zwar auf Bitten der Stadt, namentlich von Bürgermeister Lang.

Beim Start fuhr der Stadtbus an vier Tagen in der Woche, betrieben von einem Neustädter Unternehmen, in einem Ringverkehr. Das Foto des historischen Stadtbusses ist einem „Hallo“-Heft aus dem Archiv von Karl Weitzel entnommen.
„Es wird nicht lange dauern, und unsere Buslinie ist eine Selbstverständlichkeit“, gab sich Gerhard Bombös, wie in der OP zu lesen war, optimistisch. Bombös war der erste Vorsitzende der Verkehrsvereins.

Einer der Männer der ersten Stunde im Verein war Horst Fisbeck, längst Ehrenvorsitzender. Er erinnert sich an das Ereignis sehr genau zurück. Die Nachfrage aus der Bevölkerung nach einem Bus sei groß gewesen, sagt Fisbeck.

Bevor sich der erste Bus in Stadtallendorf in Bewegung setzte, hatte der Verein sich um alles gekümmert, zum Beispiel um Sponsoren aus Industrie und Handel oder auch um die Genehmigung.

Vor 50 Jahren war dafür das Regierungspräsidium nach der Erinnerung Fisbecks bereits verantwortlich. „Gerhard Bombös verfügte über viele Kontakte, das hat uns die Suche nach Sponsoren damals sehr erleichtert“, blickt Horst Fisbeck zurück.

Erste Krise 
nach 435 Tagen

Doch leider verlief der Start damals etwas holprig, denn die Nachfrage blieb aus. Das Neustädter Unternehmen zog sich schließlich zurück, es musste Ersatz her. Am 1. Februar 1967 titelte die OP: „Stadt Allendorfer müssen wieder laufen.“ Dabei war das Angebot in den ersten 435 Tagen seiner Existenz eher kontinuierlich erweitert worden, beispielsweise um eine Schulbuslinie, in der Gegenwart eine Selbstverständlichkeit, damals etwas Besonderes.

Es war das Kirchhainer Busunternehmen Nau, das schließlich einsprang und weiterhalf. Übrigens ist das Unternehmen nach wie vor im Stadtbusverkehr von Stadtallendorf präsent, in der Gegenwart ist Nau Teil des Verbundes ALV, der die Linien betreibt.

Heute gehört das Stadbussystem in Stadtallendorf zu einem Linienbündel, das vom Regionalen Nahverkehrsverband (RNV) betrieben wird. Eigentlich gibt es inzwischen zumindest vom System her ein Angebot wie beim Start. Zwei Busse fahren in einem Ringverkehr. Zwischenzeitlich war dies mal anders.

Da waren bis zu fünf Fahrzeuge unterwegs. Doch das Defizit lief dem RNV wie auch der Stadt mangels ausreichendem Interesse aus dem Ruder. Seit Dezember 2013 gilt wieder der Ringverkehr in Stadtallendorf. Die Stadt zahlt einen jährlichen Zuschuss von 103.000 Euro für das Angebot.

Sang- und klanglos wird das Stadtbus-Jubiläum aber nicht verstreichen. Der RNV plant ein Jubiläumsangebot, das auch dazu anregen soll, mal auf das Auto zu verzichten und auf den Bus zu setzen: Am 4., 5. und 6. Dezember fährt der Stadtbus komplett kostenlos. Das schließt auch die Anrufsammeltaxi-Verbindungen ein, die am 6. Dezember auf dem Fahrplan stehen. Das gaben Bürgermeister Christian Somogyi und Fachbereichsleiter Hubertus Müller nach einer Übereinkunft mit dem RNV bekannt.

Der RNV werde die Kosten für das kostenfreie Angebot selbst tragen, erläuterte Müller im Gespräch mit der OP. Einzelheiten werden rechtzeitig vor den „Kostenlos-fahren-Tagen“ noch veröffentlicht.  Marek Sieronski ist Vorsitzender von „Stadtallendorf aktiv“ und im Vorstand des Verkehrsvereins vertreten.

Natürlich freut ihn besonders, dass dieses Jubiläumsangebot auch beim Stadtallendorfer Nikolausmarkt gelten wird. „Gerade für ältere Menschen ist der Stadtbus häufig die einzige Möglichkeit, zum Einkaufen zu kommen“, sagt Sieronski. Auch Horst Fisbeck macht noch einmal klar, dass er einen Stadtbus in Stadtallendorf für unverzichtbar hält. „Das gilt allein schon wegen des demographischen Wandels“, sagt er.

von Michael Rinde

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