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Verband nutzt die entdeckten Reserven

Großkläranlage Verband nutzt die entdeckten Reserven

Die Großkläranlage Kirchhain ist ein zentraler ­Baustein bei der umweltgerechten Abwasserentsorgung. Ihre Betreiber haben sie in akribischer Arbeit ohne hohe Investition weiter modernisiert.

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Die Großkläranlage Kirchhain ist für neue Phosphat-Grenzwerte gerüstet.

Quelle: Stadt Kirchhain

Kirchhain. Phosphat ist in Gewässern ein Grund für schädliche Algenbildung. Ein Grund für das Land Hessen, die Grenzwerte für Phosphate im Abwasser ab nächstem Jahr ganz erheblich zu verschärfen, ein hessischer Beitrag zur Umsetzung der EU-Wasserrahmen-Richtlinie. Der Grenzwert wird dabei von 2,0 Milligramm Phosphat je Liter auf 0,7 Milligramm je Liter abgesenkt.

Der Abwasserverband Stadtallendorf-Kirchhain (AAK) musste insbesondere bei seiner Großkläranlage Kirchhain reagieren. Ursprünglich standen deshalb Investitionen von 1,5 bis 2 Millionen Euro im Raum.

Am Ende aller Modernisierungen kam ein Betrag von 210000 Euro zusammen, ein Bruchteil davon. Die Anlage, die die Abwässer aus der Ohmstadt und dem Industriezentrum Stadtallendorf aufbereitet, hält die Grenzwerte ein.

Zugleich ist noch etwas anderes in einem Prozess über mehrere Jahre gelungen, etwas, wovon die Gebührenzahler auch mittelbar profitieren, weil an dieser Stelle Kosten gesenkt wurden: Der Energieverbrauch der Anlage wurde verringert, die eigene Stromversorgung gesteigert.

Gasproduktion in den Faultürmen erhöht

Eine mit einer Landesförderung finanzierte Energieeffizienzanalyse war der Auslöser. „Eigentlich hatten wir geglaubt, dass wir schon optimal aufgestellt sind“, erläutert Thomas Bothe, stellvertretender Geschäftsführer des AAK.

Doch die Ergebnisse hätten gezeigt, dass es doch noch erhebliche Reserven gegeben habe. So gelang es mit Experten des Zweckverbands Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) zum Beispiel, die Gasproduktion in den sogenannten Faultürmen zu erhöhen.

Mit diesem Gas werden die Blockheizkraftwerke betrieben. Zugleich folgte der Tausch verschiedener Motoren in den Rührwerken. Auch das trug zur Einsparung bei. In Zahlen ausgedrückt: Inzwischen deckt die Großkläranlage statt ursprünglich 47 Prozent ihres Stromverbrauchs in Spitzenzeiten bis zu 80 Prozent, im Regelfall 65 Prozent.

Aktuell ist Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi Vorsteher des AAK. Gemeinsam mit Bothe von der Abwasserverbandsführung und seinem Kirchhainer Amtskollegen Olaf Hausmann stellte er die erreichten Optimierungen vor.

Auflagen für Arzneimittelrückstände im Abwasser

Ausdrücklich hob er dabei die Leistungen des ZMW während dieses Optimierungsprozesses hervor. „Diese Zusammenarbeit bewährt sich“, so Somogyi.

Die Kosten der Optimierungen, um den neuen Phosphat-Grenzwert zu erreichen, bekommt der AAK übrigens aus der Abwasserabgabe zurückerstattet. Diese Abgabe müssen Anlagenbetreiber entrichten.

Die Erstattung erfolgt ähnlich wie beim Lohnsteuerjahresausgleich, mit dem sich Bürger zu viel gezahlte Steuern vom Staat zurückholen. Doch die jetzige Optimierung dürfte nicht die letzte in naher Zukunft gewesen sein, nicht nur bei der Großkläranlage Kirchhain.

Bothe rechnet mit neuen Auflagen für Arzneimittelrückstände im Abwasser. Dabei stünden weniger die Antibiotika als vielmehr Schmerzmittelrückstände im Vordergrund. Als Beispiel nennt er das verbreitete Schmerzmittel Diclofenac. „Es dürfte einigen Aufwand erfordern, diese Stoffe aus dem Abwasser herauszuholen“, erwartet der Experte.

Eine ganz andere Investition hat der Verband gerade in seinem Kanalnetz getätigt. Bei einer Überprüfung hatte sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Druckleitung zwischen Niederklein und der Kernstadt nach 50 Jahren ersetzt werden musste. Rund 600000 Euro hat der AAK dafür kurzfristig investiert.

von Michael Rinde

Abwasserverband
Aktuell gehören dem Abwasserverband neben den Städten Stadtallendorf und Kirchhain auch die Stadt Amöneburg (mit der Kläranlage Rüdigheim) und die Stadt Rauschenberg (mit der Kläranlage Ernsthausen) an. Derzeit beschäftigt der Abwasserverband 16 Mitarbeiter und betreibt insgesamt 11 Kläranlagen. Täglich reinigt die Großkläranlage Kirchhain zwischen 10000 Kubikmeter Abwasser bei Trockenheit und 36000 Kubikmeter Abwasser bei Regenwetter. Etwa 65 Prozent des zu reinigenden Abwassers stammt von Industriebetrieben, der übrige Teil von Privathaushalten.
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