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Vaters Abi-Arbeit für den Ehrengast

Jenny Strauss Clay zu Besuch in Kirchhain Vaters Abi-Arbeit für den Ehrengast

Die Rückkehr in die Heimat ihrer Familie geriet für Professorin Jenny Strauss Clay gestern zueiner Geduldsprobe. Die Zugfahrt von Berlin nach Kirchhain sollte wegen des Elbehochwassers zu einer Tagesreise werden.

Kirchhain. Die Amerikanerin ist die Adoptivtochter von Leo Strauss, einem der größten Söhne Kirchhains. Der deutsch-amerikanische Philosoph hatte seine Nichte 1942 an Kindes statt angenommen, nachdem seine Bettina Schwester bei der Geburt ihrer Tochter gestorben war. Die Stadt ehrte die Professorin für antike Poetik gestern mit einem Empfang im Rathaus und mit einem Eintrag in ihr Goldenes Besuch.

Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis (CDU) skizzierte die Geschichte der jüdischen Familie Strauss, die ursprünglich in Amöneburg gelebt habe. Der Bau der Eisenbahn sei Grund für die Übersiedlung der Getreide- und Futtermittelhändler nach Kirchhain gewesen. Dort sei Leo Strauss am 20. September 1899 geboren worden, habe dort die Rektoratsschule und später in Marburg das Gymnasium Philippinum besucht. Strauss habe in Hamburg Philosophie studiert und in Berlin promoviert. Nach seiner Emigration in die USA 1938 habe er dort eine philosophisch-politische Denkschule begründet, die noch heute in den Machtzentren der USA vertreten sei.

Der Heimat- und Geschichtsverein Kirchhain hatte den Kontakt zu dem Ehrengast geknüpft und ein Besuchsprogramm vorbereitet. Zu dem gehörte eine Stadtführung mit den kundigen Erklärungen von Harald Pausch, Besuche an Ahnengräbern der Familie Strauss auf den jüdischen Friedhöfen Kirchhains und Marburgs und ein Besuch in Amöneburg an der Stelle, wo 1765 das Haus der Familie Strauss stand.

Dazu gab es mehrere Geschenke für den Gast aus Übersee. Dietmar Menz überreichte für die Stadt ein Buch über die Geschichte aller jüdischen Familien des ehemaligen Landkreises Kirchhain mit einer vollständigen Genealogie und einer Federzeichnung vom nicht mehr existierenden Stammsitz der Familie Strauss.

Wolf-Dieter Stein, Schulleiter des Gymnasiums Philippinum, überreichte dem Gast die Abitursarbeit von Leo Strauss mit dem damals schon wegweisenden Titel: „Viele Gewaltige gibt es, aber das Gewaltigste ist der Mensch.“

Kerstin Ebert, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, brachte eine von Kirchhainer Schülern geschriebene Arbeit über Leo Strauss mit sowie die herauskopierten Geburtseinträge von Jenny Strauss Clays Vorfahren.

von Matthias Mayer

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