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Vater züchtet Cannabis-Pflanzen in seinem Büro

Gerichtsprozess Vater züchtet Cannabis-Pflanzen in seinem Büro

Knapp 20 Hanfpflanzen züchtete ein junger Familienvater in seiner Wohnung heran - wegen Drogenbesitz hat sich der ehemalige Stadtallendorfer derzeit vor dem Amtsgericht zu verantworten.

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Das Archivfoto zeigt eine in Nordrhein-Westfalen sichergestellte Cannabis-Pflanze.

Quelle: Angelika Warmuth

Stadtallendorf. Seinen illegalen Hobby-Garten gestand der 29 Jahre alte Angeklagte ein, über seinen persönlichen Drogenkonsum wahrte er dagegen Stillschweigen - das sorgte für Ärger vor Gericht. Ende Juli vergangenen Jahres entdeckte die Polizei in seiner Wohnung in Stadtallendorf die blühende Cannabisplantage mit insgesamt 17 Pflanzen, die der Amateurgärtner überwiegend in seinem eigenen Arbeitszimmer anbaute. Auch die Ausbeute der vergangenen Ernte hatte er in einer Couch im Büro versteckt: rund 180 Gramm Haschisch und knapp 50 Gramm an Blütenteilen.

In der Wohnung lebte der Mann mit seiner Frau und zum damaligen Zeitpunkt mit zwei Kindern. Um diese von den Drogen fernzuhalten habe er darauf geachtet, die Tür zum Arbeitszimmer stets verschlossen zu halten, betonte er vor Gericht. Auch seine Frau habe angeblich nichts von der illegalen Zucht im Nachbarzimmer gewusst, die Pflanzen hätte er „vor ihr versteckt“.

Beschuldigter bereut die Verfehlung

„Ich bereue diese Verfehlung ernsthaft“, teilte der Beschuldigte in einer Erklärung mit. Seit der Beschlagnahme seiner Plantage habe er nicht mehr konsumiert, beteuerte er. Zu seinem vorherigen Konsumverhalten oder einer potenziellen Suchtproblematik machte er keine Angaben. „Er hat sich davon gelöst, ganz einfach“, erklärte Verteidiger Stefan Adler.

Zu diesem Punkt hakte Staatsanwältin Sarah Otto genauer nach, ohne Erfolg. Die ungeklärte Drogenvergangenheit des Angeklagten brachte das Verfahren ins Stocken: Da der Beschuldigte die Vorwürfe gestanden hatte, waren keine Zeugen geladen worden, die eventuell Aufschluss über die genauen Begebenheiten in der Wohnung oder die Hintergründe hätten geben können.

Auch wenn der Vater angeblich sein Büro vor den Kindern absicherte - eine kleine Cannabispflanze wurde ebenfalls auf dem frei zugänglichen Balkon gefunden, stellte Sarah Otto fest. Der gesamte illegale Fund wies zudem einen Wirkstoffgehalt von insgesamt 58 Gramm THC auf. Der lag damit deutlich über der sogenannten nicht geringen Menge. Die wurde um das siebenfache überschritten.

Bei dieser „exorbitant hohen Menge“ reiche die bloße Beteuerung des Beschuldigten, er habe sich gebessert, nicht aus, entschied die Staatsanwaltschaft und sprach sich für eine Aussetzung des Verfahrens aus, um die Zeugen vor Gericht laden zu können. Das konnte die Verteidigung nicht nachvollziehen, die auf einen schnellen Abschluss des Verfahrens hoffte. Nicht nur, dass der Angeklagte seine Tat voll gestanden habe, auch die Art, wie er erwischt wurde, müsse in diesem Fall berücksichtigt werden.

Verteidiger zweifelt an Verwertbarkeit

Denn: Die Drogenplantage­ kam nur durch den Vermieter der Familie ans Licht. Der machte die Polizei auf die Aufzuchtanlage aufmerksam. Allerdings erst, nachdem er unbefugt die Wohnung betreten hatte, die verschlossenen Türen durch einen Schlüsseldienst öffnen ließ und sich quasi „durch jede Tür durchgefressen hatte“, machte Adler deutlich. Demnach seien die Beweismittel durch eine Straftat Dritter erlangt worden - „das ist hart an der Grenze der Verwertbarkeit“. Zusätzlich noch die Zeugen erneut zu befragen hielt er für übertrieben.

Ob der Uneinigkeit entschied sich das Schöffengericht für einen neuen Termin, um die Sache aufzuklären. Wann die Verhandlung fortgesetzt wird steht noch nicht fest.

von Ina Tannert

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