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Varroamilbe wütete im Winter

Besuchertag Varroamilbe wütete im Winter

Hunderte Gäste nutzten den Besuchertag des Bieneninstituts in Kirchhain, um sich zu informieren. Schon am Vormittag herrschte Hochbetrieb rund um das neu renovierte Gebäude.

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Zahlreiche Besucher zogen die Vorführungen am lebenden Bienenvolk an. Imkermeister Uwe Hubbe öffnete dafür auf dem Außengelände den Stock eines Bienenvolks.

Quelle: Karin Waldhüter

Kirchhain. „Bereits heute Morgen wurden wir regelrecht überrannt“, freute sich Dr. Ralph Büchler gegen Mittag. Wie in den vergangenen Jahren rechnet der fachliche Leiter des Bieneninstitutes an diesem Tag mit 1000 bis 1500 Besuchern. An Vormittag nutzten hauptsächlich Imker die Gelegenheit, sich zu informieren. Der Nachmittag gehörte eher den interessierten Laien.

Das Bieneninstitut Kirchhain gehört zum Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und ist die zentrale Forschungs-, Ausbildungs-, und Beratungsstelle für derzeit knapp 8000 Imker im Land. Mit dieser Einrichtung fördert das Land Hessen die hessische Bienenhaltung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz.

Der Imkereibetrieb des Bieneninstituts besitzt derzeit 300 eigene Bienenvölker und 20 Außenstände rund um Kirchhain. Zu den Kernaufgaben gehören die Bienen-Krankheitsdiagnose, die Analyse von Bienenprodukten sowie die Weiterbildung und Beratung der Imker.

Temperaturen erschweren Bekämpfung der Milben

Laut einer aktuellen Auswertung verloren die hessischen Imker über den Winter 20 Prozent ihrer Bienenvölker. „Wobei die bundesweiten Zahlen mit 22 Prozent noch höher liegen“, berichtet Bruno Binder-Köllhofer vom Bieneninstitut. Damit ist der Verlust der Bienenvölker, der in der Regel bei fünf bis zehn Prozent liegt, deutlich erhöht.

Verantwortlich dafür ist die Varroamilbe, die sich - begünstigt durch die frühen warmen Temperaturen im vergangenen Jahr und dem damit verbundenen frühen und durchgehenden Brutstart - stark vermehrt hat. Schon im Frühsommer hatte das Institut darauf hingewiesen, dass dies ein kritisches Jahr werde, so Binder-Köllhofer.

Ab August kann der Milben-Befall mit Verdampfung von Ameisensäure behandelt werden. Doch dazu ist eine Temperatur von mindestens 15 Grad nötig. „Teilweise war es im August 2014 deutlich kühler“, erklärt der Fachmann einen Teil des Problems. Deshalb habe die Behandlung der Bienenvölker bei einzelnen Imkern nicht gut funktioniert. Von Juli bis September müsse gut kontrolliert werden, weil dann die Winterbienen gesund sein müssten.

Milbenbefall schwächt Völker und Brutpflege

Durch den Befall der Varroamilbe verkürzt sich die Lebensdauer der Bienen, was sich auf die Brutpflege auswirkt. Für den Fachmann ist die Situation besorgniserregend, aber nicht dramatisch. Denn die Vermehrungsmöglichkeiten für die Bienenvölker seien groß. „Am Jahresende sind die Völkerverluste wieder ausgeglichen, jedoch wird die Honigernte vermutlich geringer ausfallen“, schätzt Binder-Köllhofer.

Allerdings gebe es jetzt im Frühjahr weniger Honigbienen als Bestäuber. In dieser Jahreszeit gebe es ein Überangebot an Nahrung; kritisch werde es erst im Sommer, Spätsommer. Dann fehle den Bienen oft die ausreichende Nahrungsgrundlage, weil sich auf den intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen kaum noch Blühpflanzen befänden, sagte Binder-Köllhofer.

Erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei den Imkerzahlen, die seit fünf Jahren wieder zunehmen. Waren es im Jahre 2009 noch 6221 Imker, die sich um 47479 Bienenvölker kümmerten, so stieg die Zahl 2014 auf 7665 Bienenhalter mit knapp 51000 Bienenvölkern. Gerade in den Ballungsgebieten gebe es einen starken Zuwachs. „Die Menschen in der Stadt wollen zurück zur Natur“, erklärt Binder-Köllhofer.

Bienenfreunde von der Mosel zu Gast

Zudem gab es für die Besucher weitere umfassende Informationen rund um das Thema Bienen. Beim Blick durchs Mikroskop wurden das Kreislaufsystem und die Futtersaftdrüsen der Bienen für die Besucher sichtbar. Diesen bot sich zudem die Möglichkeit, Einblicke in laufende Versuche zu nehmen, Gerätschaften und Institutseinrichtung kennenzulernen und Fragen direkt mit den Mitarbeitern zu diskutieren.

Fachvorträge von Dr. Ralph Büchler, Dr. Marina Meixner, Dr. Annely Brandt und Anna Gorenflo ergänzten das umfassende Angebot.

Auf dem Außengelände gab Imkermeister Uwe Hubbe Einblicke ins lebende Bienenvolk und mit den Entomologen Hans Joachim Flügel und Anna Gorenflo konnten die Besucher Wildbienen beobachten. Die „Freunde des Bieneninstitutes Kirchhain“ und der örtliche Imkerverein unterstützten bei der Programmgestaltung und sorgten für einen leckeren Imbiss.

Ein Verkaufsstand lud die Gäste ein, sich passend mit Stauden und Samen für Blütenmischungen, die für Bienen attraktiv sind, einzudecken. Der Imkerverein Marburg war mit seinem Imkerwagen vor Ort und hielt Informationen für Einsteiger bereit.

Mit einem Bus waren rund 50 Mitglieder des Imkervereins aus Bernkastel-Wittlich nahe der Mosel angereist. „Der Tag ist sehr informativ, wir sind mit einem Einführungsvortrag begrüßt worden und fühlen uns direkt heimisch“, berichtet Rudi Hoffmann.

von Karin Waldhüter

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