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Unterwegs auf Stadtallendorfs Straßen

Sozialarbeit Unterwegs auf Stadtallendorfs Straßen

Seit wenigen Tagen ist Sebastian Habura Stadtallendorfs Street­worker, der sich um ­Jugendliche kümmert, die ansonsten nur schwer erreichbar sind.

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Sebastian Habura ist viel in der Stadt unterwegs, um Jugendliche zu erreichen. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. „Streetworker“ heißt so viel wie „Straßensozialarbeiter“. Sebastian Habura spricht Jugendliche, die er an ihren Treffpunkten besucht, direkt an, versucht, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Habura ist dabei keinesfalls der aufdringliche Kerl von der Stadt, der mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend rennt: „Du musst aber erkennen, ob sie wirklich Kontakt wollen. Ich kann nur die erreichen, die auch wollen.“ Es geht um Jugendliche, deren bisheriger Lebenslauf nicht von Erfolgen geprägt ist, um Jugendliche, die mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen und „rumhängen“, die Probleme daheim haben oder sich einfach nicht zu helfen wissen. Sebastian Habura ist offen für alle Art von Gesprächen, er unterliegt der Schweigepflicht, was er im Dialog mit Jugendlichen auch immer erwähnt. „Ich bin offen für Wünsche, Fragen, bei Problemen oder einfach bei Rede­bedarf“, sagt der 34-Jährige.

Bereits seit 2001 gibt es die Institution des Streetworkers in Stadtallendorf, seit 2008 als eigene Stelle bei der Stadtverwaltung. Für Sebastian Habura ist die Arbeit in Stadtallendorf beileibe kein Neuland. Seit dem neunten Lebensjahr lebt er in der Stadt. Während seines ganzen Studiums hat er auf Honorarbasis bereits für die Stadtjugendpflege gearbeitet: Fünf Jahre lang hat er die Streetworker-Arbeit unterstützt, die Ferienspiele geleitet oder war Betreuer bei der Ferienfreizeit Bad Kissingen. Dann arbeitete er als Streetworker in der Nachbarstadt Neustadt (die OP berichtete), wo er den Ball jetzt weitergegeben hat.

In der vergangenen Woche war Habura mit einem Kollegen der Stadtjugendpflege in der Georg-Büchner-Schule unterwegs. Er hat sich Klassen vorgestellt, er spricht von einer Sozialanalyse. Der Streetworker hat eine Vielzahl von Eindrücken und Rückmeldungen bekommen. „Es gibt Klassen, da sind die Jugendlichen sehr aktiv. Aber es gibt auch Gruppen, die wollen einfach nur am Computer zocken und abhängen“, fasst er zusammen. Kümmern will er sich um beide Gruppen.

Viele Wissenslücken bei Jugendlichen

Bei den aktiveren Jugendlichen gibt es häufig auch konkrete Wünsche. Oft hat Habura gehört, wie sehr sie sich ein Kino wünschen. Bei der Stadtjugendpflege wird jetzt überlegt, wie sich ein kleiner „Fahrdienst“ nach Marburg organisieren ließe. „Aber es gibt auch zahlreiche Jugendliche, die wissen überhaupt nicht, was es in unserer Stadt alles gibt“, unterstreicht Habura. Gegen diese Wissenslücken will er auch etwas tun. Ein Element für die Jüngeren ist dabei schon vorhanden: der Kinderstadtplan, der einen Überblick gibt, Angebote aber auch weniger schöne Stellen in der Stadt zeigt.

Stichwort Angebote: Wenn Sebastian Habura mit Jugendlichen ins Gespräch kommt, dann hat er ihnen auch etwas anzubieten. Zum Beispiel gibt es seit vergangener Woche ein offenes Basketball-Angebot. Es findet immer donnerstags von 16.30 bis 18.30 Uhr für Jugendliche bis 16 Jahre und von 18.30 bis 20.30 Uhr für Jugendliche ab 16 Jahren in der Freizeithalle im Südstadtkiosk im Iglauer Weg statt. Wer möchte, kommt vorbei. Pädagogen nennen so etwas ein „niedrigschwelliges Angebot“. Beim Auftakt war das Interesse bereits groß: 18 Jugendliche kamen bei beiden Terminen, darunter auch junge Flüchtlinge, die in Stadtallendorf ein Quartier gefunden haben. Auch sie will Habura ansprechen, damit sie Kontakte bekommen. Beim Start waren gleich Jugendliche aus Afghanistan und Somalia dabei - und hatten viel Spaß.

Für den Südstadtkiosk hat Habura nun auch die organisatorische Mitverantwortung übernommen. Wie viel seiner Zeit er dafür brauchen wird, kann er noch nicht einschätzen. Wichtig ist ihm, dass das Sport- und Boxcamp erhalten bleiben. Für ihn ist es eine Erfolgsgeschichte. Beim Boxsport lernten Jugendliche Disziplin. „Und sie müssen sich erst einmal auspowern, um überhaupt bei diesem Sport ­voranzukommen“, sagt er.

Bald wird es auch wieder ein Mitternachts-Basketball­angebot in Stadtallendorf geben. Auftakt ist am 5. Dezember von 22 bis 0.30 Uhr in der Bärenbachhalle.

nKontakt: Jugendliche, die mit Sebastian Habura in Kontakt kommen möchten, haben dazu gleich mehrere Möglichkeiten: per Telefon unter der Nummer 06428/443890 oder mobil unter 0172/6368531 per Mail an sebastian.habura@stadtallendorf.de oder via Facebook unter Streetworker Stadtallendorf.

von Michael Rinde

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