Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Unter manchen Straßen liegen noch Altlasten

Stadtallendorf Unter manchen Straßen liegen noch Altlasten

Im vergangenen Oktober gab es bei ersten Kanalarbeiten im Münchbachweg eine Überraschung. Im Boden fand sich ein Bauwerk des Sprengstoffwerks der DAG.

Voriger Artikel
Stadt will ihre Besonderheiten zeigen
Nächster Artikel
Zum Jubiläum Musik im ganzen Dorf

Der Fahrbahnbelag im Münchbachweg wurde provisorisch wieder hergestellt. Mitte des Monats sollen die Arbeiten weitergehen.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Das Thema Kanalisation ist im DAG-Gebiet ohnehin von besonderer Bedeutung und für die Stadtwerke auch ausgesprochen aufwändig und kostspielig. Bereits vor Jahren begannen die Stadtwerke mit einer Neuordnung der dortigen Kanalisation, die zu einem Teil noch aus Zeiten der Sprengstoffproduktion im Werk der Dynamit Aktiengesellschaft stammt (die OP berichtete mehrfach). Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kanalsanierung geht es den Stadtwerken dabei auch darum, Kanäle, die teilweise über Privatgrundstücke verlaufen und nur schwer zugänglich sind, in den öffentlichen Verkehrsraum zu verlegen.

Im vergangenen Herbst begannen die für den Münchbachweg, die Oderstraße und den Spreeweg geplanten Bauarbeiten. Dabei geht es um die Verlegung von rund 415 Meter Kanalleitungen, Schächte und 25 Hausanschlüsse. Doch gleich bei Beginn der Arbeiten stieß ein Bagger auf eine sogenannte Feuerbogenschüssel des „Werks Allendorf“ der DAG. Bei einer solchen Feuerbogenschüssel handelt es sich um ein besonderes Bauwerk, das während der Produktion dem Brandschutz diente. Zu ihr gehörte auch ein Sprengstoffabscheider. Gänzlich unerwartet sind solche Funde nicht. Denn immer wieder ist die Stadt während Bauarbeiten im DAG-Gebiet auf Rüstungsaltlasten gestoßen. Bei weiteren Untersuchungen im Münchbachweg fanden sich Bodenbelastungen aus DAG-Zeiten im Straßenuntergrund, die nun beseitigt werden müssen.

700 000 Euro für das gesamte Projekt

All das hat zusammen mit Beginn der Winterwitterung im vergangenen Dezember zu entsprechenden Bauverzögerungen geführt. „Letztlich haben wir uns dazu entschieden, die Straße wieder zu schließen“, sagt Giselher Pontow, Betriebsleiter der Stadtwerke Stadtallendorf im Gespräch mit dieser Zeitung. Anlieger aus den betroffenen Straßen wandten sich in den vergangenen Tagen an die OP-Redaktion. Sie warten darauf, dass es dort nun weitergeht. Das soll nach Absprache mit dem Bauunternehmen laut Pontow wohl Mitte März passieren. Die Altlasten haben finanzielle Folgen. Die HIM GmbH hatte nach dem Fund zunächst den belasteten Boden entsorgt, wie Projektleiter Christian Weingran gegenüber der OP berichtete. Außerdem müssen noch die unterirdischen Bauwerke samt der ebenfalls gefundenen früheren Betonstraße beseitigt werden. All das wird höhere Kosten verursachen. Das Land ist in Sachen Rüstungsaltlasten gegenüber der Stadt in der Pflicht, die Modalitäten mussten in diesem Falle aber erst mit dem Regierungspräsidium (RP) Gießen ausgehandelt werden. Laut Regierungspräsidium ist zwischenzeitlich zwischen Stadtwerke und der Behörde ein Kompromiss in diesem konkreten Falle gefunden worden. Damit steht den Arbeiten auch von dieser Seite her nichts mehr im Wege. Die Dauer der Arbeiten, bei denen auch neue Wasserleitungen verlegt werden, lässt sich noch nicht abschätzen. „Das hängt auch davon ab, was wir dort noch finden“, sagt Pontow. Die Stadtwerke haben in ihrem Wirtschaftsplan einen Betrag von 700 000 Euro für das gesamte Projekt vorgesehen. Das Land könne seinen Anteil erst beziffern, wenn alle Arbeiten abgeschlossen seien, erklärt das Regierungspräsidium auf OP-Anfrage. Das Thema wird alle Beteiligten weiter begleiten. Die Straßen im DAG-Gebiet wurden während der Altlastenbeseitigung auf Privatgrundstücken außen vor gelassen, außer, es gab konkrete Hinweise auf Belastungen oder Bauwerke im Untergrund. Es sei davon auszugehen, dass sich bei Straßenarbeiten weitere Rüstungsaltlasten im Boden fänden, teilt das RP auf Nachfrage der OP mit.

Nach den Erfahrungen im Münchbachweg wünscht sich Christian Weingran aus Sicht der HIM abgestimmte Abläufe zwischen allen Beteiligten, vor allem, um möglicherweise unnötige Bauverzögerungen zu vermeiden. Bauverzögerungen führen erfahrungsgemäß auch zu höheren Kosten und zu Ärger bei Anliegern. In der Vergangenheit gab es für belastete Böden aus der DAG wie auch der Wasag ein TNT-Zwischenlager. Nach dessen Aufgabe müssen belastete Böden zumeist in Container gefüllt und gesondert abgefahren werden, was teurer ist als die frühere Lösung mit dem Zwischenlager. Weingran wünscht sich eine geeignete Fläche im DAG-Gebiet, um dort bei Bedarf Böden zwischenzulagern. „Das wäre für alle Beteiligten vorteilhaft“, erklärt der Projektleiter, der die Altlastensanierung in Stadtallendorf seit Jahrzehnten begleitet.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr