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"Uns reicht es jetzt einfach"

Neu Bürgerinitiative "Uns reicht es jetzt einfach"

Überlegungen bei den Mardorfer Waldinteressenten, in ihrem Gebiet doch noch Windkraftanlagen aufzustellen, haben zur Gründung einer dorfübergreifenden Bürgerinitiative geführt.

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Im Roßdorfer Wald drehen sich bereits Windkraftanlagen. Zwei weitere könnten noch hinzukommen.

Quelle: Tobias Hirsch

Mardorf. „Uns reicht es jetzt einfach“, formulierte es Wolfgang Rhiel in der vergangenen Woche bei der nunmehr zweiten Zusammenkunft der noch jungen Bürgerinitiative (BI). Etwa 20 Bürger aus den verschiedenen Stadtteilen Amöneburgs waren gekommen. Rhiel brachte die Empfindungen vieler Anwesenden, die sich geäußert hatten, auf den Punkt. Worum geht es? Grund dafür, dass sich diese Bürgerinitiative gebildet hat, ist die Möglichkeit, dass auch im Mardorfer Wald doch noch Windkraftanlagen entstehen könnten. Wie die OP berichtete, haben die Waldinteressenten Mardorf nach einer gesetzlichen Präzisierung ihre Satzung geändert. Nunmehr ist kein einstimmiges Votum mehr für Entscheidungen erforderlich, es reiche eine Mehrheit von 75 Prozent (die OP berichtete ausführlich).

Ende August hatte der Vorsitzende der Waldinteressenten erklärt, dass es noch keine Weichenstellung für den Verkauf von Wald an Windkraftanlagen-Projektierer gebe. Er hatte aber gegenüber dieser Zeitung auch nicht ausgeschlossen, dass das Thema Windkraftanlagen wieder „auf die Tagesordnung kommen könnte“. Für eine neuerliche Stellungnahme war Josef Kräuter in den vergangenen Tagen nicht erreichbar.

Die Bürgerinitiativen-Mitglieder sind alarmiert. In früheren Projektüberlegungen (die am Nein der Waldinteressenten damals scheiterten) war von neun Anlagen im Mardorfer Privatwald die Rede. Jetzt wolle man nicht zu spät dran sein, formulierte es Dr. Annette Schick bei der Versammlung in Erfurtshausen. Schick ist eine von drei Ansprechpartnern (siehe „Kontakt“), die die BI-Mitglieder der OP nannten.

Die BI-Mitglieder haben die fünf im Roßdorfer Wald entstandenen Anlagen vor Augen. Ursprünglich sollten es mal sieben werden, die verbleibenden wei Anlagen sind noch im Genehmigungsverfahren.

Behörde hat noch bis Mitte November Zeit

Schick gab den Anwesenden einen Überblick über die Entstehungsgeschichte beim Windpark Roßdorf. Ein Fokus lag dabei auf einem allerdings erst nach der naturschutzrechtlichen Genehmigung festgestellten Rotmilan-Horstes.

Nach Angaben der BI wurde das Regierungspräsidium im Februar 2015 darüber informiert, dass in einem aufgeführten Horst ein Rotmilan, kein Mäusebussard, lebe. Die Geschichte, die sich aus dieser Mitteilung entwickelte, füllt mehrere Seiten einer Chronologie. Auswirkungen hatte diese Mitteilung auf den Bau der bestehenden Anlagen nicht, trotz beharrlichem Nachfassens.

Ein Disput entstand seinerzeit über die Frage, wie die Abstände zwischen dem Horst und den geplanten oder noch zu genehmigenden Windrädern ausgelegt werden. Plötzlich tauchte – so dokumentiert es die BI – seitens der Genehmigungsbehörde auf, dass ein Abstand von 500 Metern zwischen Horst und Anlage ausreichen könnte. Nach BI-Angaben liegen drei der gebauten und einer der noch zu genehmigenden Standorte deutlich unter der eigentlich eingeführten Grenze von 1000 Metern zwischen Anlage und Rotmilan-Horst.

Erhalt des Naherholungsgebietes Mardorfer Wald

Die OP fragte beim Regierungspräsidium nach. Beim Rotmilan gelte laut hessischem Leitfaden Windenergie und Naturschutz der Vorsorgeabstand von 1000 Metern“, antwortet die Pressestelle der Behörde. Bei einem Abstand von bis zu 500 Metern vom Rotmilan-Horst seien Anlagen nicht genehmigungsfähig.

Bis Mitte November hat die Behörde jetzt noch Zeit, über die beiden Anlagen zu entscheiden. Die obere Naturschutzbehörde habe ihre Prüfung noch nicht abgeschlossen. „Vielleicht werden wir diese Anlagen nicht verhindern können, aber um Mardorf werden wir kämpfen“, kündigte Schick in der Versammlung stellvertretend an. Es fällt am Rande der Versammlung das Wort Klage über einen Naturschutzbund.

Ein Hauptargument gegen mögliche Windkraftanlagen im Forst ist der Erhalt des Naherholungsgebietes Mardorfer Wald. Und die Tatsache, dass nach Beobachtung von Bürgern die Anlagen in Roßdorf kaum in Betrieb zu sein scheinen – also auch keine Erträge bringen? In der Genehmigung der Anlagen finden sich bereits Gründe für Stillstände. Einer ist der Schattenschlag, gemessen an vier Punkten. Ein weiterer Punkt: Während des Vogelzugs müssen die Anlagen bei entsprechender Witterung ebenfalls stillstehen.

Ein anderer Punkt, der sich bei den Gegnern weiterer Anlagen eingeprägt hat: Die Stadt Amöneburg hat ihr Soll bei Erneuerbaren Energien bereits 2014 ohne Windkraftanlagen erfüllt. „Wir haben unseren Part geleistet, mehr wollen wir nicht“, formulierte es ein Besucher beim Termin der Bürgerinitiative.

Bisher gab es laut Regierungspräsidium weder Anfragen geschweige denn Genehmigungsanträge für das Gebiet Mardorfer Wald. Fakt ist, dass sich ein Windkraftunternehmen, das in Mardorfs Wald bauen will, mit Sicherheit den neuen Vorgaben des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2017 stellen müsste. Manche Verfahren dauern Jahre.

Ziel: Druck auf alle Beteiligten

Bürgermeister Michael Plettenberg berichtete auf Nachfrage der OP, dass ihm keine konkreten Pläne von Waldinteressenten bekannt seien. Allerdings habe er im Auftrag des Magistrats an sie geschrieben. In dem Brief habe er angemerkt, dass Bürgerbeteiligung bei konkreten Absichten ein Thema sein müsste.

„Ich hatte bisher den Eindruck, dass es mehr Menschen im Ort gibt, die Windkraft wollen, als Gegner“, sagt er, angesprochen auf die Bürgerinitiativengründung. Nach Plettenbergs letzten Informationen sei der Betreiber der fünf vorhandenen Anlagen mit den Erträgen zufrieden. Er wünsche sich einen offiziellen Kontakt mit der Bürgerinitiative. Den wird es geben. Die Bürgerinitiative will sich an Waldinteressenten, Bürgermeister, Stadtverordnete und Regierungspräsidium wenden.

Kontakt: Als Ansprechpartner der Bürgerinitiative fungieren Dr. Annette Schick, Dr. Alexander Liesenfeld und Maria Kräling.

Zahlen Windkraftanlage

Im Kreis Marburg-Biedenkopf drehen sich aktuell laut Regierungspräsidium 51 Windkraftanlagen, weitere 33 sind bereits genehmigt. Es laufen weitere 6 Verfahren für weitere 18 Windkraftanlagen bei der Landesbehörde.

von Michael Rinde

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